Wetter
Hochdruck im Winter
Derzeit bestimmt ein überaus üppiges Hochdruckgebiet, das große Teile Südwest- und Westeuropas sowie den gesamten mitteleuropäischen Raum überdeckt, das Wetter hierzulande. Doch vielerorts lässt sich die Sonne den ganzen Tag nicht blicken. Nebel, Hochnebel und dichte Wolken halten den Sonnenschein fern. Triste Stimmung während der Hochdruck-Wetterlage, im Sommer ist das unvorstellbar. Drei Faustregeln erläutern das besondere Wirken der Hochdruckgebiete im mitteleuropäischen Winter.
Erste Faustregel: Winterliche Hochs bringen nicht zwingend Sonnenschein.
Vielmehr sind sie sehr häufig echte "Miesepeter", die den Himmel grau ingrau färben anstatt in sonnigem Himmelblau. Schuld daran ist eine feuchte Grundschicht, ein Überangebot an Wasserdampf in den bodennahen Luftschichten während einer Inversion. Die Luft ist dann, entgegen der üblichen Schichtung, in der Höhe (zumeist < 1.000m) wärmer als am Boden. Kühlt sich in den langen Winternächten die bodennahe Luft ab, kondensiert der Wasserdampf und es bildet sich entweder Nebel oder an der Untergrenze der Inversion Hochnebel. Durch den Inversionsdeckel unterbleibt eine vertikale Durchmischung der Luft; Nebel und Hochnebel halten sich zäh. Denn die tief stehende Sonne schickt im Gegensatz zum Sommer nicht genug Strahlungswärme um tagsüber Nebel und Hochnebel aufzulösen. So kann sich der triste Himmel tage- und wochenlang halten. Nur oberhalb der Inversion, auf den Gipfeln der Berge (Mittelgebirge sind oft schon hoch genug) und über Nebel und Hochnebel scheint die Sonne. Oft ist es in der Warmluftschicht dann auch spürbar wärmer als im Tal. In günstigen Tallagen, in Lee (windabgewandte Seite) der Berge, kann der Berggipfel als Abrisskante für den Hochnebel wirken und so für den Sonnenschein eine Lücke reißen. Diese Wolkenlücke reicht aber zumeist nur wenige Kilometer ins Land hinein.
Zweite Faustregel: Winterliche Hochs bringen Frost und Kälte.
Ein mitteleuropäisches Winterhoch hat zumeist eine andere Abstammung als ein Sommerhoch. Während sich die Hochdruckgebiete im Sommer von den Azoren aus nach Mitteleuropa ausdehnen, liegt der Ursprung von winterlichen Hochdruckgebieten zumeist im Osten. Daher ist die im Uhrzeigersinn herangeführte Luft auch nicht über dem Atlantik oder der Nordsee mit Feuchtigkeit angereichert worden, sondern vergleichsweise kalt und trocken. Aufgrund des sich etablierenden Hochdrucks nimmt die Luftgeschwindigkeit (Wind) ab, die ortstreu verharrenden Luftmassen kühlen stark ab. Denn in den langen Winternächten wird durch Ausstrahlung deutlich mehr Energie entzogen, als an den vergleichsweise kurzen Tagen durch die Sonne zugeführt werden kann. Die Folge ist ein sukzessiver Temperaturrückgang mit zunehmend tieferen Nacht- und weniger hohen Tagestemperaturen. Je trockener die Luft ist, desto rascher und stärker stellt sich dieser Effekt ein.
Liegt das Zentrum des Hochs über Nordeuropa stellt sich hierzulande eine östliche bis nordöstliche Strömung ein, mit der von Osten kalte Frostluft heran transportiert wird. Oft ist es in Ost- und Nordosteuropa sowie Russland aufgrund des Kontinentalklimas schon früh im Jahr sehr kalt. Die herangeführte trockenkalte Luft kann im Einflussbereich vergleichsweise milder Atlantikluft (Golfstrom) einen veritablen Temperatursturz provozieren. Da die Kaltluft wie eine Flüssigkeit in die Täler fließt, ist es dort oft deutlich kälter als auf den Bergen. Der Grund dafür ist die beschriebene Temperaturinversion. Liegt das Zentrum des Hochs, wie derzeit, weiter südlich, dann strömt aus Süd oder Südwest eher milde Luft nach Mitteleuropa. Die Temperaturinversion erzeugt in der recht feuchten Bodenluft in erster Linie Nebel und Hochnebel.
Dritte Faustregel: Winterliche Hochs sind beständig und verschwinden nicht so schnell von der Wetterkarte.
Kaltluft ist schwer und träge. Sie kann nicht so leicht vom ersten heranstürmenden Tiefausläufer beiseite geschoben werden. Es bedarf schon einer Reihe von Atlantiktiefs, die in rascher Folge gegen das Kaltluftpolster drücken, bevor sie eine Wetterwechsel herbeiführen. Je kälter die Hochdruck-Luft ist, um so schwerer wiegt ein m3 davon und um so eher wird sie von der feuchtwarmen Luft heranstürmender Tiefdruckgebiete überströmt – und nicht verdrängt.
Für die aktuelle Wetterlage bedeutet dies: keine Änderung in Sicht. Auch wenn es tatsächlich ein atlantischer Tiefausläufer schaffen sollte, Mitteuropa vollständig von West nach Ost zu überqueren und das aktuelle Hoch aufzulösen, ändert sich die Großwetterlage nicht. Das nächste Hoch bildet sich bereits und nimmt dann die Rolle des Vorgängers ein. Meteorologen sprechen von einer Regeneration der Hochdrucklage. Im Sommer sind das schöne Aussichten, im Winter mangelt es dann oft an Aussicht – es sei denn, man erklimmt einen Berggipfel.
Quellen: Dipl.-Met. Jens Hoffmann: Wie war das noch mit winterlichen Hochs? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 11.12.2013
Erstellt am 11. Dezember 2013
Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2013
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