Kälte und Hitze plagen Patienten mit Atemwegserkrankungen
Risikowetter bei Atemnot
Für Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atmung ist Wetter eine saisonal wechselhafte Herausforderung für die Gesundheit. Das gilt sogar für Spanien, wo die Winter milder und die Sommer noch heißer sind als hier in Mitteleuropa. Auch dort werden während der kühleren Jahreszeit mehr Menschen mit Atemwegserkrankungen in Kliniken eingeliefert als im extrem heißen Sommer. Andererseits verlaufen die akuten Krisen bei Hitze deutlich häufiger dramatisch bis tragisch.
Hierzulande, in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas, ist für Menschen mit Atemwegserkrankungen das Winterwetter das größere Gesundheitsrisiko. Beim Verlassen der geheizten Wohnung bewirkt die sehr trockene und frostig kalte Winterluft markante Kältereize, die spastische Reaktionen (Verkrampfungen) der Atemmuskulatur provozieren können. In der kalten Jahreszeit häufen sich zudem Erkältungen, Bronchitis und Lungenentzündungen als zusätzliche Belastungen. In der trockenen Kälte überleben Viren sehr viel länger als in feuchtwarmer Schwüle des Sommers.
Deshalb werden selbst in Spanien mehr Menschen mit Atemwegserkrankungen während des Winters ins Krankenhaus eingeliefert als während der landestypisch heißen Sommer mit mehrtägigen Hitzewellen und Tagesmaxima über 40°C. Das belegten jetzt Forscher anhand von Zahlen aus den Regionen (nicht nur in den Großstädten selbst, die als Wärmeinseln wirken) Madrid und Barcelona mit zusammen rund 12 Millionen Einwohnern. Die Forscher werteten dazu alle Krankenhausaufenthalten aufgrund akuter Atemwegserkrankungen aus und analysierten die saisonalen Schwankungen während der Jahre 2006 bis 2019 mit 1.710.012 Notfallaufnahmen (im Mittel 60,4 Jahre alt; 44,2% Frauen) von denen 103.845 tödlich endeten (entsprechend 6%; im Mittel 81,4 Jahre alt; 45,1% Frauen). Diese Daten wurden mit den lokalen Wetterdaten (Temperatur und Luftfeuchtigkeit aber ohne Strahlungsintensität und Wind; also eine reduzierte Version der „gefühlten Temperatur“) und der Luftverschmutzung (Feinstaub, Ozon und Stickoxid) korreliert.
Die Mehrzahl der Krankenhauseinlieferungen aufgrund akuter Atemwegsbeschwerden konzentrierte sich im Winter mit einem Maximum im Januar; das sommerliche Minimum lag im Hitzemonat August. Ganz anders zeigte sich jedoch das Bild, als die Forscher die Sterblichkeit während der Krankenhausaufenthalte in den Fokus rückten: Die Sterberate, also die Zahl der Sterbefälle pro 100 Krankenhauseinlieferungen aufgrund akuter Atemwegsbeschwerden, lag im Sommer (Maximum August) höher als im Winter (Minimum November) und bei Frauen höher als bei Männern. Verantwortlich dafür war offensichtlich die hohe Temperatur, denn werden Luftfeuchte (Schwüle) noch für die Konzentration der Luftschadstoffe konnte ein relevanter Einfluss festgestellt werden. Die Forscher weisen darauf hin, dass Frauen erst bei höheren Temperaturen schwitzen und dann generell weniger intensiv schwitzen, wodurch bei Extrembelastungen die Regulation der Körpertemperatur weniger zuverlässig funktioniert.
Für Menschen mit Atemwegserkrankungen ist im Alltag die „empfundene Gesundheitsbeeinträchtigung“ durch Atemnot und der begründeten Furcht vor einer Attacke auf der sogenannten subklinischen Ebene - also bevor man ins Krankenhaus muss - im Winter und bei Kälte viel größer als in der Sommerhitze. Doch in der medizinischen Statistik werden zumeist allein die Todesfälle gezählt und die zeigen einen Zusammenhang mit Hitzetagen. Die Einbuße an Lebensqualität im Alltag lässt sich eben nicht so leicht statistisch auflisten.
Quellen: Acheba, H. et al. (2023): Ambient temperature and seasonal variation in inpatient mortality from respiratory diseases: a retrospective observational study. The Lancet Regional Health – Europe: 100757, online veröffentlicht 7 November 2023. DOI: 10.1016/j.lanepe.2023.100757
Erstellt am 20. März 2026
Zuletzt aktualisiert am 20. März 2026
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