Im Alter auf Sex verzichten? Keine gute Idee!

Wer als Senior noch Sex hat, bleibt klarer im Kopf

von Holger Westermann

Alt ist relativ und beim aktiven Sexualleben ist neben der Regelmäßigkeit auch die subjektive Qualität relevant, damit der sinnlich motivierte Körper einen frischen Geist belebt.

Für die wissenschaftliche Studie wurden 1.683 Personen im Alter von 62 bis 90 Jahren, die Fragebogen zu ihrer kognitiven Gesundheit (MoCA-Scores, Montreal Cognitive Assessment) und ihrem Sexualverhalten bereitgestellt hatten, untersucht (NSHAP, National Social Life, Health, and Aging Project). Dabei wurde sowohl die Häufigkeit sexueller Interaktionen als auch deren subjektive Qualität (d. h. körperliches Vergnügen, emotionale Befriedigung) berücksichtigt.  „Eine bessere sexuelle Qualität heißt dabei, sowohl mehr körperliches Vergnügen als auch emotionale Befriedigung.“ erläutern die Forscher das Ziel ihrer Befragung.

Dabei zeigte sich eine altersabhängige Zweiteilung des positiven Effekts auf den Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit. Personen im Alter zwischen 62 und 74 Jahren absolvierten am Ende des fünfjährigen Untersuchungszeitraums den Kognitiven Test besser, wenn sie in den letzten Jahren von sehr schönen, angenehmen und befriedigenden sexuellen Beziehungen berichteten. Für die Gruppe der 75- bis 90-Jährigen war vor allem die Frequenz entscheidend. Wer im vergangenen Jahr mindestens einmal die Woche Sex hatte, schnitt im Kognitiven Test besser ab als die Gruppe, die keinen partnerschaftlichen intimen Verkehr (mehr) hatte.

Rein physisches sexuelles Vergnügen ohne tiefe, emotionale, partnerfokussierte Intimität wirkte ebenfalls positiv auf die kognitiven Fähigkeiten – jedoch nur bei Männern. Für Frauen konnte in diesem Fall (und bei der dann recht kleinen Stichprobe) kein solcher Effekt festgestellt werden. Es ergab sich auch kein Hinweis darauf, dass bessere kognitive Funktionen mit einem größerem sexuellen Interesse zusammenhängen; dass also der rege Geist zum Sex anregt. Die Ergebnisse unterstreichen vielmehr die Bedeutung von Alter und Geschlecht für die Veränderung des Zusammenhangs zwischen Sexualität und Kognition im späteren Leben. In ihrem Fazit formulieren die Forscher: „Für Erwachsene im Alter von 62 bis 90 Jahren ist Sex einmal pro Woche oder öfter mit einer besseren kognitiven Funktion fünf Jahre später verbunden, verglichen mit denen, die keinen Sex hatten“.

Quellen:

Shen, S.; Lui, H. (2023): Is Sex Good for Your Brain? A National Longitudinal Study on Sexuality and Cognitive Function among Older Adults in the United States. The Journal of Sex Research, online veröffentlicht 28.07. 2023. DOI: 10.1080/00224499.2023.2238257.

Erstellt am 20. März 2026
Zuletzt aktualisiert am 20. März 2026

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