Prevotella copri Epidemie provoziert systhemische Entzündung
Aggressive Darmbakterien beeinflussen Rheuma Ausbruch
Das Darmbakterium P. copri ist offensichtlich an der Entstehung der Rheumatoiden Arthritis (RA) beteiligt. Darauf deuten Untersuchungen an RA-Patienten hin. In Experimenten mit Mäusen konnte geklärt werden, dass eine übermäßige Besiedelung mit P. copri nicht Folge sondern Ursache für eine systhemische Entzündung und Autoimmunerkrankung ist.
Das Forscherteam um Prof. Dr. Dan R. Littman von der New York University School of Medicine (USA) untersuchten der Darmflora anhand von Stuhlproben von insgesamt 114 Personen. Darunter waren Patienten mit 26 chronischer medikamentös behandelter RA (cRA), 16 Patienten mit Psoriasis-Arthritis (PsA), 44 noch unbehandelte RA-Patienten (new-onset untreated rheumatoid arthritis, NORA), die gerade erst die Diagnose erhalten hatten, und 28 gesunde Kontrollpersonen.
Anlass für diese Untersuchung waren Ergebnisse aus Tierversuchen. Dabei zeigte sich, dass Darmbakterien eine systhemische Immunantwort aufrechterhalten, die mit Gelenkentzündungen, wie sie auch bei einer RA auftreten, einher gehen. Dabei wurde die Versuchstiere mit experimentell Prevotella copri infiziert. Nach zwei Wochen hatten sich das Mengenverhältnis der Darmbakterien massiv zu Gunsten von P. copri und zu Lasten anderen Bakterien, insbesondere Bacteroides-Arten, verschoben. Die infizierten Mäuse entwickelten infolge einer künstlichen Stimulation einer Entzündungsreaktion eine deutlich stärkere Darmentzündung (Colitis) als nicht mit P. Copri infizierte Kontrolltiere.
Auch bei den Rheuma-Patienten zeigte sich eine enge Korrelation zwischen einer Besiedelung mit Prevotella copri und der bisher unbehandelter RA-Neuerkrankung. Bei NORA-Patienten konnte in drei von vier Fällen P. copri nachgewiesen werden (75%). Bei cRA-Patienten belief sich diese Quote lediglich auf 12%, unter den PsA-Patienten trugen mit 38% nur halb so viele Patienten die P. copri Bakterien in sich. Bei gesunden Menschen ohne RA-Erkrankung zeigten nur bei 21% die Stuhlproben einen positiven Befund.
Auffallend ist, dass nur unbehandelte Neuerkrankungen (NORA) eine exorbitant hohe Wahrscheinlichkeit für die P. copri Dominanz in der Darmflora aufweisen. Bei cRA ist die Wahrscheinlichkeit dagegen geringer als bei Menschen, die überhaupt nicht unter Rheuma leiden. "In diesem Stadium können wir noch nicht sagen, dass die Anwesenheit des Bakteriums tatsächlich den Beginn einer rheumatoiden Arthritis auslöst", formuliert Prof. Dr. Littman betont vorsichtig. Es sei nach dem bisherigen Kenntnisstand vollkommen unklar, warum Prevotella copri gerade zu Beginn der Erkrankung gehäuft auftrete, später jedoch seltener nachzuweisen sei, als bei gesunden Menschen. So sei vorstellbar, dass die weitgehend standardisierte RA-Therapie zu einer einheitlichen Veränderung der Darmflora beitrage. "Es könnte sein, dass bestimmte Behandlungsmethoden dabei helfen, die Balance der Darmflora zu stabilisieren", so Dr. Jose U. Scher, Erstautor der Studie.
So können derzeit noch keine konkreten Konsequenzen für die Therapie oder die mögliche Vorbeugung bei rheumatoider Arthritis gezogen werden. Doch es öffnet sich ein neues Fenster, um die Entstehung und den Ausbruch der RA zukünftig besser zu verstehen.
Quellen: Scher, J.U. et al. (2013): Expansion of intestinal Prevotella copri correlates with enhanced susceptibility to arthritis. eLife 2: e01202; online veröffentlicht am 5.11. 2013. doi: 10.7554/eLife.01202
Erstellt am 11. November 2013
Zuletzt aktualisiert am 1. November 2016
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