Wetter

Martinissommer

von Holger Westermann

Der letzte Warmluftvorstoß vor dem ersten Wintereinbruch fällt heuer (in diesem Jahr) wohl aus. Zumeist etabliert sich während der ersten Novemberdekade ein schwaches Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, eine Schönwetterperiode mit milder Luft aus Südwest. Doch derzeit schaufelt ein Sturmtief Kaltluft von Grönland ins Sauerland (Nordrhein-Westfalen, Hessen). Dort sank die Schneefallgrenze bereits bis in mittlere Lagen um 400m. Doch der Kaltluftvorstoß ist vorerst nur ein kurze Episode, der wieder feuchtwarme Luft aus Westen mit Starkwind und Regen folgt. Die schüttere Schneeschicht schmilzt schnell. An den Alpen können bei wechselhaftem aber weitgehend trockenem Wetter bis zu 18°C erreicht werden.

Ein typischer Martinissommer ist das aber nicht, denn die Aufheiterungen halten nur wenige Tage an, danach setzt wieder Regen ein. Es fehlt ein stabiles zentral gelegenes Hochdruckgebiet, das mit seiner Strömung entgegen dem Uhrzeigersinn warme Luft aus Südwest (Spanien, östliches Maghreb, Mittelmeer) heranführt. Martinissommer (oder Martini-Sommer) wird dieser Witterungsregelfall (Wettersingularität) genannt, da der Gedenktag des Heiligen Martin (11. November) zumeist in diese Schönwetterperiode fällt. Zwar erreicht die Tageshöchsttemperatur nur sehr selten das Niveau eines meteorologischen Sommertags von mehr als 25°C, doch für Anfang November wird es doch auffallend warm. Die gefühlte Temperatur liegt oft noch spürbar über dem Thermometerwert. Im Oktober herrschte oft schon windig-nasskaltes Herbstwetter, da werden Sonnenschein und milde Luft bereits als sommerlich empfunden.

Heuer fällt der Martinssommer jedoch aus. Durch die stabile Westwetterlage bleibt es weiterhin wechselhaft, windig und nur mäßig warm. Immer wieder ziehen Tiefausläufer von West nach Ost über Mitteleuropa hinweg. Dabei wechseln sich maritime Subtropikluft und über dem Atlantik leicht erwärmte Subpolarluft ab. So wird es in den Mittelgebirgen schon in den kommenden Tagen erneut schneien. Doch jedem Kaltluftvorstoß geht eine Warmfront voraus, dadurch schwemmt der Regen den Schnee immer wieder weg. Für Autofahrer und wetterempfindliche Menschen sind das sehr unangenehme Bedingungen. Eine verlässliche Planung der Reisebedingungen sowie der individuellen körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit/Belastbarkeit ist derzeit kaum möglich.

Quellen:

Dipl.-Met. Christian Herold: Schnee in den Mittelgebirgen - Der Martinssommer fällt aus. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 07.11.2013

Erstellt am 7. November 2013
Zuletzt aktualisiert am 7. November 2013

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