Neurologische Degeneration infolge drastischer Stresselebnisse

Beschleunigte Alterung der Gehirne erwachsener Frauen nach traumatiesierender Erfahrung in der Kindheit

von Holger Westermann

Erleiden Mädchen emotionale, sexuelle oder physische Gewalt, müssen sie als Frauen mit einem höheren Risiko für Depressionen, Angststörungen, Fibromyalgie, Herzkreislauf - und Stoffwechselerkrankungen leben. Forscher der Charité Berlin haben nun einen weiteren neurologischen Effekt erkannt.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher 179 Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren (41 Jahre im Durchschnitt). In dieser Lebensphase können bereits erste Anzeichen der Alterung des Gehirns festgestellt werden. in klinischen interviews wurde das individuelle Maß tramatisierender Erlebnisse vor der Pubertät festgestellt und die Probanden zwei Gruppen zugeteilt: ohne und mit belastenden Kindheitserfahrungen.

Für die quantitative Bemessung der Alterung des Gehirns zogen die Forscher zwei Blutwerte der Probanden heran: saures Gliafaserprotein (GFAP) für den Status entzündlicher Prozesse im Nervengewebe (Neuroinflammation) und Neurofilament-Leichtketten (NfL) als Indiz für den Abbau von Nervengewebe (Neurodegeneration). Zudem wurde im Magnetresonanztomographen (MRT) bei allen Probanden das Gehirnvolumen bestimmt. Die tatsächliche Gedächtnisleistung wurde mit der Cambridge Neuropsychological Automated Test Battery getestet, um frühe Anzeichen von Demenz zu erkennen.

Nach der gewichtetn Auswertung, die auch sozioökonomische Einflüsse herausrechnete, offenbarte sich eine markante Wirkung der Kindheitstraumata auf die Gehirnalterung bei den erwachsenen Frauen. Die Blutwerte zeigten vermehrt Biomarker für Entzündungen und das Absterben von Nervenzellen, ein geringeres Hirnvolumen und mehr kognitive Probleme.

In ihrem Fazit erläutern die Forscher: „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen einen sehr deutlichen Zusammenhang zwischen psychosozialer oder sozioemotionaler Stresserfahrungen im Kindesalter und verstärkter Hirnalterung bei Frauen“.

Quellen:

Fleck, L. et al. (2025): Early-Life Adversity Predicts Markers of Aging-Related Neuroinflammation, Neurodegeneration, and Cognitive Impairment in Women. Annals of Neurology 97 (4): 642 - 656. DOI: 10.1002/ana.27161

Erstellt am 18. März 2025
Zuletzt aktualisiert am 18. März 2025

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Auferstehung des Frühlings zu Ostern

Die Menschen in Mitteleuropa dürfen sich jetzt auf sonnigwarmes Wetter freuen. Über die Ostertage und noch ein wenig darüber hinaus strömt Warmluft heran und Hochdruckwetter vertreibt die Wolken - leider nicht dauerhaft, es bleibt eine flüchtige Frühlingsepisode. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Temperatur triggert den Herztod

Bei Klima und Wetter ist nicht Hitze sondern Kälte der wirkmächtigste Risikofaktor für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine aktuelle Studie an erwachsenen US-Amerikanern bestätigt weltweit erhobene Daten. weiterlesen...


Patienten-Arzt-Gespräch

Heutzutage ist es aus vielen Gründen für jüngst Erkrankte einfacher zum Computer zu gehen als zum Arzt. Erst einmal im Internet nachsehen, was die Symptome bedeuten, welche Krankheit die Gesundheit angegriffen hat. Doch sitzt man dann im Sprechzimmer, will der Arzt davon gar nichts wissen - warum eigentlich nicht? weiterlesen...


Wer als Senior noch Sex hat, bleibt klarer im Kopf

Alt ist relativ und beim aktiven Sexualleben ist neben der Regelmäßigkeit auch die subjektive Qualität relevant, damit der sinnlich motivierte Körper einen frischen Geist belebt. weiterlesen...


Risikowetter bei Atemnot

Für Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atmung ist Wetter eine saisonal wechselhafte Herausforderung für die Gesundheit. Das gilt sogar für Spanien, wo die Winter milder und die Sommer noch heißer sind als hier in Mitteleuropa. Auch dort werden während der kühleren Jahreszeit mehr Menschen mit Atemwegserkrankungen in Kliniken eingeliefert als im extrem heißen Sommer. Andererseits verlaufen die akuten Krisen bei Hitze deutlich häufiger dramatisch bis tragisch. weiterlesen...