Nicht immer liegt es am Wetter, wenn der Schädel brummt
Schon wenig Rotwein kann massive Kopfschmerzen auslösen
Reichlich Rotwein am Abend kann morgens Kopfschmerz provozieren. Manchen Menschen leiden jedoch schon nach einem kleinen Glas oder gar einem Probierschluck Rotwein und rasch anflutenden Kopfschmerzen - nicht erst nach Stunden im alkoholvertieftem Komaschlaf, sondern unmittelbar anschließend bei hellwachem Bewusstsein.
Die individuelle Alkoholtoleranz spielt dabei keine Rolle. Betroffene können Alltagsabstinenzler, geübte Biertrinker oder praktizierende Weißweinliebhaber sein. Verantwortlich ist das in Rotwein vorkommende Quercetin und dessen Abbauprodukt Quercetin-Glucuronid, das den Alkoholstoffwechsel blockiert.
Eigentlich gilt Quercetin als sekundärer Pflanzenstoff mit positiver Wirkung auf die Gesundheit. Es ist ein gelber - nicht roter - Farbstoff aus der Gruppe der Flavonole, kommt in den pflanzlichen Randschichten vor (Zwiebeln, Äpfel, Tee, Rotwein) und es wirkt antioxidativ sowie positiv auf den Histamin-Stoffwechsel. Mit einer Tagesdosis zwischen 250 und 500 bis maximal 1000mg wird Quercetin sogar als Nahrungsergänzungsmittel zur Verbesserung der Gesundheit vermarktet.
Bei manchen Menschen bewirkt Quercetin in Verbindung mit Alkohol jedoch eine Anreicherung von Acetaldehyd (CH₃-CHO) im Blut. Das Abbauprodukt Quercetin-Glucuronid blockert die Enzyme für den Abbau von Acetaldehyd und provoziert so einen rasanten Anstieg der Acetaldehydkonzentration. Die Folge sind das Hitzewallungen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Genau das, was auch bei einem „normalen“ Kater passiert, wenn die Enzyme für den Abbau von Acetaldehyd überfordert sind. Nur diesmal genügt bereits eine sehr geringe Menge Alkohol in Kombination mit dem Rotwein-Quercetin.
Besonders häufig und intensiv geplagt sind Menschen, die unter kritischen chronischen Kopfschmerzerkrankungen leiden. „Wir gehen davon aus, dass anfällige Menschen bereits beim Konsum von Wein mit geringen Mengen Quercetin Kopfschmerzen entwickeln – insbesondere, wenn sie bereits an Migräne oder einer anderen primären Kopfschmerzerkrankung leiden“, erläutern die Forscher das Fazit ihrer Studie.
Quellen: Devi, A. et al. (2023): Inhibition of ALDH2 by quercetin glucuronide suggests a new hypothesis to explain red wine headaches. Scientific Reports 13: 19503. DOI: 10.1038/s41598-023-46203-y
Erstellt am 22. November 2023
Zuletzt aktualisiert am 22. November 2023
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