Wetter

27.07.2012: Hitze und Schwüle belasten wetterempfindliche Menschen

von Holger Westermann

An der Vorderseite eines umfangreichen Tiefdruckkomplexes über Nordwesteuropa wird seit gestern mit südlicher Strömung feuchte Warmluft aus dem Mittelmeerraum herangeführt. Mensch und Natur (wobei der Mensch natürlich Teil der Natur ist) leiden unter der Hitze. Insbesondere die Schwüle kann das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Schwüle charakterisiert die eingeschränkte Fähigkeit des menschlichen Körpers, über Verdunstung (Schwitzen) Wärme an die Umgebung abzugeben. Bei hoher Luftfeuchte kann der Wärmestau Atmung und Kreislauf belasten. Wetterempfindliche Menschen leiden in besonderem Maße unter dieser Witterung.

Schwüle ist ein subjektives Empfinden, es gibt keine eindeutige, meteorologisch fundierte Definition. Man kann aber eine Schwülegrenze anhand einer Kombination von Werten im Temperatur-Feuchte-Milieu festlegen. Ausgangspunkt einer vereinfachten Betrachtung ohne die Berücksichtigung von Wärmestrahlung, Luftbewegung sowie körperlicher Aktivität ist ein absoluter Wert, und zwar ein Dampfdruck von 18.8 hPa (Hektopascal), der einem Taupunkt von 17 °C entspricht. Als Taupunkt bezeichnet man die Lufttemperatur bei der die Kondensation der Luftfeuchtigkeit gerade einsetzt.

Je höher die Lufttemperatur ist, desto geringer wird die zur Darstellung von 18.8 hPa notwendige relative Luftfeuchte. Bei einer aktuellen Temperatur von ca. 17 °C beträgt der Sättigungsdampfdruck gerade 18.8 hPa, d.h. es müssen etwa 100 % relative Feuchte herrschen, um Schwüle zu erreichen. Bei 20 °C werden immerhin 80 %, bei 30 °C noch 44 % und bei 40 °C nur ca. 25 % relative Luftfeuchte benötigt, um das Milieu als schwül zu empfinden.

Je höher die Temperatur steigt, um so weniger Luftfeuchtigkeit reicht aus, um Schwüle zu empfinden. Kommt beides zusammen, hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchte entsteht für viele Menschen eine enorme gesundheitliche Belastung. Menschen mit sehr niedrigem Blutdruck gelingt es kaum noch geistige oder körperliche Leistung zu mobilisieren. Menschen mit zu hohem Blutdruck leiden besonders unter dem hohen Wasserverlust. Das Schwitzen ohne spürbaren kühlenden Effekt dickt das Blut ein und erschwert die Arbeit der Herzens. Es ist unbedingt notwendig den Wasserverlust durch diszipliniertes Trinken auszugleichen.

Menschen mit Atembeschwerden leiden ebenfalls unter der Kreislaufbelastung, die auch die Atemtätigkeit einschränkt. Zudem bekommen sie mit jedem Atemzug weniger Sauerstoff in die Lunge als bei kühlerem Wetter. In warmer Luft ist der Abstand zwischen den Molekülen größer als in kühler, die Moleküldichte insgesamt ist geringer und deshalb enthält ein Liter Atemluft auch weniger Sauerstoffmoleküle. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, die in warmer Luft höher sein kann als in kalter, verdrängen zudem die zahlreichen Wassermoleküle den Sauerstoff. Schwülwarme Atemluft enthält vergleichsweise wenig Sauerstoff je Liter. Das Atmen fällt schwer und ist zudem weniger effizient.

Viele andere wetterempfindliche Menschen oder Wetterfühlige leiden bei Schwüle unter dem spürbaren Einbruch ihrer geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit. Das beginnt bei einer eingeschränkten Motivation Aufgaben, sei es im Büro oder beim Sport, überhaupt anzugehen und setzt sich bei den eklatanten Konzentrationsproblemen fort. Dies hat aber nichts mit einer unausgelebten Freibadsehnsucht zu tun, sondern ist zumeist ebenfalls Folge der Kreislaufbelastungen. Weit gestellt Adern lassen den Blutdruck absinken und das Gehirn und Muskulatur bekommen weniger Sauerstoff und weniger Zucker – keine guten Bedingungen für Höchstleistungen.

Um die physiologischen Effekte der Schwüle zu mildern ist eine warme Dusche zu empfehlen. Zum einen beseitigt sich die unangenehmen Spuren des intensiven Schwitzens, zum anderen unterstützt auch warmes Wasser die Wärmeableitung aus dem Körper. Arme und Beine können dabei auch kalt abgeduscht werden. Das ist gut für die Venen und erhöht den wärmeabführenden Effekt ohne einen Hitzestau zu provozieren, wie es bei einer kalten Ganzkörperdusche zu befürchten ist. Kühle, nicht kalte Fußbäder und feuchte Tücher auf der Stirn und im Nacken können die positive Wirkung über den Tag verlängern.

Quellen:

Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Hitze und Schwüle. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 27.07.2012

Erstellt am 27. Juli 2012
Zuletzt aktualisiert am 19. September 2012

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