Wetter

Eiskalte Hochdrucklage

von Holger Westermann

Die Ankündigung von anhaltendem Hochdruckwetter weckt Hoffnung auf warme, sonnige Tage - doch das gilt leider nur für den Sommer. Derzeit, im Hochwinter, bewirkt solche ein anhaltendes Hoch zumeist zwei unterschiedliche Typen von Frost: durch Abstrahlung oder durch Inversion.

Zwischen November und Februar erreicht die Sonne hierzulande selbst zur Mittagszeit nur eine geringen Höhe am Himmel, so dass auch bei wolkenlosem Himmel ihre Strahungsintensität nicht ausreicht, die bodennahe Luft nennenswert zu erwärmen. Zudem sind die lichten Tage kurz und die Nächte mit maximaler Wärmeabstrahung lang. In der sich immer weiter abkühlenden Luft kondensiert die Feuchtigkeit zu winzigen Wassertröpfchen. Genau dort, wo die Temperaturgenze für die Tröfchenbildung unterschritten wird, entsteht Nebel - entweder direkt am Boden oder als Hochnebel bis zu 800m Höhe (wobei die Nebelschicht zwischen 100 und 500m mächtig sein kann).

Solche Nebellagen können bei Hochdruck-Wetterlagen sehr langlebig sein und über mehrere Tage oder gar Wochen stabil bleiben. Denn unter einem Hoch herrscht Flaute; kein Wind durchmischt die Luft. So kann sich eine stabile temperaturabhängige Schichtung der Luftmasse bilden. Der dichte Wolkendeckel verhindert die Erwärmung des Bodens durch Sonnenstrahlung und damit auch die indirekte Konvektionswärme für die bodennahe Luft. Die Atmosphärenregion bis 2m Höhe, in der sich die Menschen aufhalten, kühlt dabei immer weiter ab. Der Tagesgang, die Temperaturdifferenz zwischen Tagesmaximum und -Minimum, wird immer geringer.

Besonders stabil ist diese Wetterlage, wenn der Nebel und Hochnebeldeckel über der winterlich trüben Landschaft mit einer Schicht wärmerer Luft in rund 1.500m Höhe stabilisiert wird. Einerseits liefert die Warmluft auch Feuchtigkeit für effektive Nebelbildung an der Grenzschicht, andererseits bleibt unter windstillem Hochdruckeinfluß die Luftschichtung - schwere Kaltluft unter, leichtere Warmluft oben - stabil. Man spricht von einer winterlichen Inversionswetterlage. Inversion, also Umkehrung, weil zu anderen Jahreszeiten die Luft in der Höhe stets kühler ist als am Boden. Als Standardwert gilt, dass die Luft beim Absinken je 100m um 1°C wärmer wird.

Im Winter überwiegt dagegen die Abstrahlung der Bodenwärme. Dieser zweite winterliche Hochdruckeffekt tritt in in sternklaren Nächten auf, wenn kein Nebel den Wärmeverlust hindert. Denn im Vergleich zum Weltraum mit rund -270°C ist die bodennahe Luft mit beispielsweise -5°C immer noch sehr „warm“ und kann viel Wärmeenergie ableiten. Hat es zuvor geschneit, ist der Effekt besonders wirksam. Eine weiße Schneelandschaft nimmt tagsüber keine Bodenwärme auf, die Luft darüber ist besonders trocken und kann daher sehr effektiv Wärme ableiten. Die Auskühlung ist dann besonders stark, der Tagesgang ist größer als während winterlichen Inversionswetterlagen. Die Tagesminima am frühen Morgen bewirken drastische Kältereize.

Für wetterempfindliche Menschen ist das ein besonderes Risiko. Um den Wärmeverlust über die Haut zu minimieren, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Zudem werden Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet. Infolgedessen steigen der Blutdruck und die Herzfrequenz deutlich an. Bei einer Vorbelastung durch akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann das Risiko für Infarkte ansteigen. Menschen mit Atemwegserkrankungen spüren wie sich die Atemmuskulatur verkrampft und sollten sensibel auf weitere Risiken, beispielsweise durch Feinstaub aufgrund von Heizungsemissionen oder Autoverkehr, achten. Bein lang anhaltenden Inversionswetterlagen, die tagelang trüben Himmel mit sich bringen, kann bei sensiblen Menschen die die Konzentrationsfähigkeit leiden oder sich sogar eine depressive Stimmung entwickeln.

Hilfreich ist es, zur Mittagszeit ins Freie zu gehen, beispielsweise für einen Spaziergang. Auch bei trüber Witterung ist die psychisch und physiologisch positive Wirkung des Sonnenlichts spürbar. Wärmende Kleidung, auch Schal und Handschuhe, reduzieren den Wärmeverlust und damit die drastische Körperreaktion auf Kälte. Frischluftaktivtät, auch wenn sie nur moderat sportlich ist, stärkt die Fitness gerade in der Winterzeit. Meiden Sie dabei offene (Schnee)Landschaften oder weite lange Straßenschluchten, denn hier können trotz der hochdrucktypischen Windstille zusätzliche Kälteeffekte auftreten. Ansonsten genießen Sie das hochdruckgeprägte Winterwetter, denn die kalte Jahreszeit hierzulande hat durchaus ihre Reize - und nicht nur Risiken.

Quellen:

Dipl.-Met. Adrian Leyser: Eisige Nächte. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 11.01.2025

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer: Hochdruckwetter im Winter. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.01.2025

Dipl.-Met. Martin Jonas: Hochdruckphänomene im Winter.  Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 18.01.2025

Erstellt am 19. Januar 2025
Zuletzt aktualisiert am 19. Januar 2025

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