Wetter

Mittelmäßiges Herbstwetter in Mitteleuropa

von Holger Westermann

Diese Woche bestimmt ein Reigen mehrerer Tiefdruckgebiete das Wetter hierzulande und garantieren regnerisches unbeständiges Herbstwetter. Seltener Hochdruckeinfluss garniert die Landschaft mit Frühnebel.

Gewöhnlicher könnte das Wetter nicht sein, auch wenn viele Menschen es gar nicht mehr gewohnt sind Die letzten Jahre, aus denen sich die gefühlte Erinnerung bedient, dehnten den Spätsommer noch weit über Ende September und Anfang Oktober hinaus. Heuer (in diesem Jahr) erleben die Menschen hierzulande einen normalen Durchschnittsherbst - und hadern mit frischer Morgenluft oder anhaltendem Regen.

Das gilt auch nur, wenn man den astronomischen Herbstbeginn am 21. September setzt. Denn meteorologischen Herbst begann bereits am 1. September und war von eine regelrechten Wärmewelle geprägt. Damals, vor genau einem Monat, bestimmte noch wochenlang leichte Sommergarderobe das Straßenbild. Jetzt ist es schon hinreichend frisch für Jackett und Mantel. Aufgrund des markanten Temperaturrückgangs und der feuchten Luft bei kräftigem Wind wird das Wetter als noch garstiger wahrgenommen als der Thermometerwert anzeigt. Die „gefühlte Temperatur“ liegt deutlich tiefer.

Den Scheitelpunkt markierte die Hochwasserlage in Mitteleuropa Mitte September. Die enormen Regenmengen und Schneehöhen bis in tiefere Lagen der Alpen kühlten den Boden und die bodennahe Luft drastisch ab und förderten so den nicht mehr umkehrbaren Wechsel der Witterung von Sommer auf Herbst. Selbst unter Zustrom von warmer Mittelmeerluft, unter Hochdruckeinfluss oder bei lang anhaltendem Sonnenschein dominiert seither ein Herbstgefühl das Sommersentiment. Die lichten Tage werden rasant kürzer, hierzulande derzeit zwischen zwei Minuten im Norden und anderthalb im Süden. Die Sonne verliert auch zur Mittagszeit an Strahlungsenergie und verschwindet sie am frühen Abend hinterm Horizont kühlt die Luft schnell spürbar ab. Der Tagesgang, die Temperaturdiffernez zwischen Frühmorgens bei Sonnenaufgang, nach der langen Abkühlung über Nacht und frühen Nachmittag bei maximaler Wärme ist unangenehm groß. Wer frühmorgens zu Joggen aufbrechen möchte oder auf dem Weg zur Arbeit ins Freie muss, wählt nun bereits wärmende Kleidung.

Für wetterempfindliche Menschen ist der Herbst eine Jahreszeit mit besonderen Herausforderungen. Nasskalte Regentage bedeuten eine zusätzliche Belastung für viele Menschen, die unter chronischen Schmerzen, Rheuma, Fibromyalgie, Arthrose oder Koliken leiden. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten sich vor markanten Kältereizen schützen, denn sie können Infarkte provozieren. Auch Menschen mit Atemwegserkrankungen, Asthma und COPD spüren manchmal die „gefühlte“ Kälte, wenn sich die oberen Atemwege unangenehm verkrampfen. Menschen mit Migräne und Kopfscherzen aufgrund niedrigem Blutdruck fürchten dagegen die wenigen Warmluftereignisse bei Mittelmeerluft aus dem Süden, da dabei auch im Herbst Fön auftreten kann - an den Alpen aber auch in abgeschwächter Form an Mittelgebirgen. Die herbsttypischen Nebellagen bei Hochdruckwetter oder gar langanhaltende Inversionswetterlagen (warme Luft oben deckelt kalte Nebelluft am Boden) sind für Menschen mit Neigung zu depressiver Stimmung und Motivationsproblemen oder Konzentrationsschwäche eine besondere Herausforderung.

 

Der Herbst kennt aber auch Sonnenschein und die kühle Luft ist klar und frei von Pollen oder Ozon, lediglich Feinstaub aus Verkehr und Heizungen belastet die Atemluft. Der große Tagesgang hält die Luft frisch und feucht, der Laubfall entfaltet alsbald den typischen Herbstgeruch. Es gibt vielleicht seltener Gelegenheit für einen ausgedehnten Aufenthalt im Freien als während des Sommers, aber allemal einen lockenden Grund. Und gut für die Gesundheit ist es allemal.

Quellen:

Eigenartikel der Menschenswetter Redaktion

Erstellt am 1. Oktober 2024
Zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2024

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