Falls echte Zärtlichkeit gerade nicht möglich ist
Ein Bild des Partners lässt Schmerzen schwinden
Zärtlichkeit lindert Schmerzen. Dabei wird der geliebte Partner körperlich wahrgenommen, man ist der schützenden und tröstenden Gegenwart gewiss. Zudem wirkt das genau in diesem Moment ausgeschüttete Kuschelhormon Oxytocin als natürliches Analgetikum. Forscher der Justus Liebig Universität Gießen (Hessen) haben nun herausgefunden: Ein Bild vom Partner genügt, um das Schmerzempfinden zu reduzieren.
Für die Experimente wählten das Forschungsteam 29 jungen Frauen (wahrscheinlich Studentinnen an der Uni Gießen), die seit zumindest einem halben Jahr in einer heterosexuellen Paarbeziehung lebten, die sie selbst als glücklich einschätzten. Mit dem Blick auf ein Bild in der Hand wurden sie mit ungefährlichen aber schmerzhaften Wärmereizen drangsaliert. Die Fotos zeigten den geliebten Partner mit neutralem Gesichtsausdruck oder unbekannte Personen, die entweder fröhlich, neutral oder wütend anmuteten. Zur neutralen Kontrolle wurden Abbildungen von Haushaltsgegenständen eingesetzt. Während der Schmerzprovokation klassifizierten die jungen Frauen die empfundene Schmerzintensität (die dann mit der jeweiligen Hitzereiz korreliert wurde), parallel dazu wurde die Anspannung ihrer Gesichtsmuskeln sowie Herzschlagfrequenz und der Hautleitwert gemessen (als psychophysiologische Parameter).
Sowohl das Gesicht des Partners als auch die glückliche oder freundliche Mimik Fremder reduzierten die empfundene Schmerzintensität und die gemessene Aktivität der Gesichtsmuskeln, jedoch erwiesen sich die Bilder vom vertrauten Antlitz als besonders wirkmächtig. Neutrale und wütende Gesichter hatten - wie auch die Haushaltsgegenstände - keinen Einfluss auf die Schmerzempfindung, obwohl die wütenden Gesichter sogar als sehr negativ bewertet wurden.
Durch den Blick auf den Partner stieg auch die Leitfähigkeit der Haut und die Herzschlagfrequenz sank. Für die Forscher ist diese physiologische Reaktion auf die simulierte soziale Nähe ein Indiz für emotionale Motivationsaktivierung, den Schmerz zu ertragen. In einem Fazit fassen die Forscher die Ergebnisse ihrer Studie zusammen: „Im Kontext sozial adaptiven Verhaltens unterstreichen sie insbesondere den sozialen Signalwert von Emotion und Bezugspersonen.“ „ Das Betrachten von Partnerbildern in experimentellen Designs ist nicht nur mit einer geringeren wahrgenommenen Schmerzintensität verbunden, sondern beeinflusst auch die neuronalen Reaktionen.“
In ihrer Schlussfolgerung empfehlen die Forscher, in schmerzhaften Situationen ein Bild des Partners zur Hand zu nehmen: „Klinisch implizieren unsere Ergebnisse, dass allein das Betrachten von Bildern des Partners bei akuten schmerzhaften Eingriffen eine starke hypoalgetische Wirkung haben kann.“
Quellen: Westermann, H. (2017): Zärtlichkeit lindert Schmerzen. Menschenswetter Artikel 1523, online veröffentlicht 24.7. 2017.
Hillmer, K. et al. (2021): Pain modulation by your partner: An experimental investigation from a social-affective perspective. PLOS One, online veröffentlicht 22.7. 2021. DOI: 10.1371/journal.pone.0254069
Erstellt am 19. Oktober 2021
Zuletzt aktualisiert am 19. Oktober 2021
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