Wetter

Frostiger Frühlingsbeginn, Palmsonntag startet der Frühsommer, an Ostern wird es wieder garstig kalt

von Holger Westermann

So lässt sich das Ab und Auf der Thermometerwerte zusammenfassen. Die Achterbahn der gefühlten Temperatur verläuft noch spektakulärer - und damit auch die Auswirkung des Wetters auf Gesundheit und Gemüt.

Pünktlich zum Frühlingsbeginn am 20. März erfasste ein Wintereinbruch mit garstiger Kälte, Regen und Graupelschauern Mitteleuropa. Das nasskalte Wetter provozierte Frösteln und verstärkte das Gefühl „eingesperrt“ zu sein, denn niemand wollte für einen Spaziergang nach draussen. Der wolkenverhangene Himmel verbarg den Sonnenschein und verdunkelte die psychische Stimmung. So konnte kein Frühlingsgefühl erwachen.

Doch derzeit wird es spürbar wärmer und die Meteorologen versprechen eine kurze intensive Sonnenfrühlingsphase. Die mit einem Temperaturschluckauf begann: Zum Auftakt war vielerorts mit 14 bis 18°C bereits frühlingshaft warm, bevor eine Kaltfront nochmals deutliche Abkühlung auf 3 bis 5°C brachte. Entlang der sehr markanten Luftmassengrenze haben sich sogar einzelne Gewitter gebildet. Doch nun gewinnen Wärme und Sonnenschein.

Mit dem Hoch „Nicole“ über Norditalien (Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum) strömt Warmluft heran und über Mitteleuropa breitet sich ein Frühling mit Sommerambiente. Da der Schwerpunkt von „Nicole“ vom Golf von Genua bis nach Tschechien reicht, bleibt die Strömung einige Tage stabil und transportiert warme Luft aus Südwesteuropa heran. Zusammen mit der immer stärker werden Sonne steigen hierzulande die Tagesmaxima am Dienstag und Mittwoch wahrscheinlich über 25°C , die Schwelle für einen meteorologischen „Sommertag“.

Ab Mittwoch gesellt sich zum Hoch „Nicole“ eine starke Partnerin; derzeit schiebt sich über dem Nordatlantik ein neues Hoch heran und gewinnt an Gewicht und Wettereinfluss auf Europa. Getrennt wird das neue (noch namenlose) Hoch von Hoch „Nicole“ zunächst noch durch eine Tiefdruckrinne mit markanten Fronten (sogenannte Tiefausläufer, als könnte ein Tief auslaufen). Doch schon am Mittwoch übernimmt das neue Hoch die Hochdruckregie von „Nicole“. Europa liegt dann an der Vorderseite eines Hochs. Durch die Drehbewegung des Hochs im Uhrzeigersinn um das Zentrum wird nun Polarluft vom Nordmeer und Grönland südwärts nach Mitteleuropa transportiert. Norddeutschland wird bereits in der Nacht zum Donnerstag erreicht. Die Grenze zwischen der warmen Frühlingsluft und der kalten Luft polaren Ursprungs bildet schließlich eine Kaltfront, die bis Freitagmorgen die Alpen erreicht und mit einem deutlich spürbaren Temperatursturz von 10 bis 15°C einhergeht.

Zunächst sind keine größeren Tiefs beteiligt, so dass unter permanenten Hochdruckeinfluss keine größeren Niederschlagsmengen zu erwarten sind. Allenfalls an den Alpen regnet es durch Nordstau ab Freitag länger - und in mittleren und höheren Lagen fällt wieder Schnee. Durch die hochreichende Kaltluft kann aber auch andernorts der schauerartig auftretende Niederschlag bis in tiefe Lagen als Schnee oder Graupel fallen. Dann kann die Temperatur auf 4 bis 6°C fallen. Bleibt die Sonne längere Zeit durch Wolken verhüllt, wird es danach nur zögerlich wärmer.

Damit scheint sicher, dass an Ostern 2021 eine kühle und wenig sonnige Wetterlage dominieren wird. Allenfalls die Wucht des Temperaturrückgangs ist offen; wie niedrig der Thermometerwert fallen wird und wie Wind und Niederschlag diesen Effekt bei der gefühlten Temperatur noch verstärken. Eventuell können sich die Menschen im Süden von Deutschland und Österreich Hoffnung auf ein geringfügig weniger garstiges Osterwetter machen - aber auch dort wird der Unterschied zum sommerlichen Wetter wenige Tage zuvor spürbar sein. So fällt es leicht beim Osterspaziergang ausreichend Abstand zu Mitmenschen zu halten.

Quellen:

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann: Jo-Jo-Wetter in der Karwoche. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 27.03.2021

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Frühling mit Sommerfeeling und dann die kalte Osterdusche?! Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 28.03.2021

Erstellt am 28. März 2021
Zuletzt aktualisiert am 29. März 2021

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