Wachsames Immunsystem durch aktive Mikrobenschicht

UV-Schutz durch intaktes Hautmikrobiom

von Holger Westermann

Beim ausgiebigen Sonnenbad oder längerer Arbeit im Freien kann ultraviolette Strahlung die Haut nachhaltig schädigen. Unmittelbar spürt man Sonnenbrand, langfristig steigt das Risiko an Hautkrebs zu erkranken. Die zahlreichen Mikroben auf den Haut verhindern eine Schwächung der Immunantwort auf die Schädigung durch intensive Sonnenstrahlung.

Die Haut ist ein Ökosystem für eine Vielzahl und Vielfalt von Mikroorganismen. Jeder Mensch hat eine individuelle Zusammensetzung dieses „Hautmikrobioms“ (Gesamtheit der Bakterien und Pilze auf der Haut). Hygienerituale, Schweißzusammensetzung, intensiver Kontakt zu Sozialpartnern oder Haustieren, klimatische Bedingungen am Arbeitsplatz oder zu Hause und vieles mehr wirken in diesem Ökosystem als Selektionsfaktoren.

Dermatologen der Medizinischen Universität Graz (Österreich) haben an Mäusen getestet, ob und in welchem Umfang dieses Mikrobiom als Hautschutz wirkt. „UV-Strahlung unterdrückt das Immunsystem der Haut, sie wirkt also immunsuppressiv. Dadurch entsteht eine gewisse Abwehrschwäche, welche in der Entstehung von Hautkrebs eine wichtige Rolle spielt“, erklären die Wissenschaftler ihren Forschungsansatz. Dazu bestrahlten sie zwei Typen von Mäusen, einmal mit natürlichem Hautmikrobiom und einmal keimfrei gehaltene ohne Mikrobenbesiedelung mit besonders energiereichen UV-B-Strahlen (dringt mit 315 - 280 nm Wellenlänge tief in die Haut ein und verursacht den Sonnenbrand; UV-A-Strahlung hat 380 - 315 nm Wellenlänge, ist also langwelliger und damit energieärmer). Die Forscher konnten feststellen, dass das Mikrobiom die Hautzellen davor schützt, dass UV-Strahlung die Immunantwort unterdrückt.

Die Forscher gehen davon aus, dass dieser an Mäusen beobachtete Effekt auch bei Menschen auftritt. Für küstenfern aufgewachsene Mitteleuropäer ist dies eine relevante Erkenntnis für den Sommerurlaub am Strand. In einer anderen Arbeit (s. Quelle Menschenswetter Artikel 1664) konnte gezeigt werden, dass ein Bad im Meer das Mirkobiom der Haut nachhaltig verändert - besonders, wenn man auf eine anschließende Süßwasserdusche verzichtet. Durch die Erkenntnisse aus der Arbeit mit UV-Strahlung wird nun offensichtlich, warum aktiver Badeurlaub am Meer so schnell zu erheblichem Sonnenbrand führen kann.

Quellen:

Patra, VK. et al. (2019): Skin Microbiome Modulates the Effect of Ultraviolet Radiation on Cellular Response and Immune Function. iScience 15 (31): 211 - 222. DOI: 10.1016/j.isci.2019.04.026.

Westermann, H. (2019): Schwimmen beim Strandurlaub verändert die Haut; Mikrobiom ist extrem sensibel gegenüber Meerwasser. Menschenswetter Artikel 1664, online veröffentlicht 2.7.2019.

Erstellt am 5. Juli 2019
Zuletzt aktualisiert am 5. Juli 2019

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Rangelei in der Atmosphäre

Derzeit erfreut das Hochdruckgebiet „Steffen“ die Menschen in Mitteleuropa mit frühsommerlichem Wetter. Doch der hohe Luftdruck mit „warmem Wind von oben“ wird durch ein Höhentief gestört, das sich von Osten heranschiebt. Das Barometer zeigt weiterhin auf „schön“, doch tatsächlich wird das Wetter kühl und zunehmend wechselhaft. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Heuschnupfen durch Frühlingsregen

Bei Hitze schweben Pollen lange in der Luft und verbreiten sich sehr weit. Dabei erreichen sie zuverlässig in hoher Konzentration die Nase der Allergiker und reizen die Atemwege. Erst ausgiebiger Regen reduziert die Reizung und schafft nachhaltig Linderung - dachte man bislang. Doch Messungen zeigten, dass Frühlingsregen die Belastung für Allergiker und Asthmatiker sogar verstärken kann. weiterlesen...


Schaumbad ist gut für die Gesundheit

In Japan gilt das Bad in den natürlichen oder geschaffenen Bassins heißer Quellen (Onsen) nicht allein der Körperhygiene, sondern ist ritualisierte Tradition, die Körper und Geist verwöhnt. Ein japanisches Forscherteam untersuchte nun die Wirkung sehr warmer Bäder auf die Gesundheit von Herz und Kreislauf. weiterlesen...


Corona-Kompetenz: Körpertemperatur korrekt bewerten

Fiebermessen ist eine Alltagsfertigkeit. Moderne Geräte mit Displayanzeigen erleichtern das präzise Anlesen auf die erste Dezimalstelle genau. Traditionalisten bevorzugen die analoge Technik, weil sie auch ohne Batterien funktioniert. Dafür nehmen sie einen Messfehler von 0,1°C in Kauf. Einigkeit besteht jedoch darin, dass eine Körpertemperatur von 37°C den Normalwert markiert. Doch diese Regel ist nicht mehr up-to-date. weiterlesen...


Corona-Quarantäne schützt vor geschlechtertypischen Krebserkrankungen

Spaziergänge sind derzeit nur in raschem Schritt erlaubt - wenn sie nicht dem Naturerlebnis dienen, sondern als Sport gelten können. Da ist man schnell ausser Puste und die Verweildauer im Licht der Frühlingssonne bedeutet noch kein Gesundheitsrisiko. Eine erheblich höheres, bislang oft zu unrecht wenig beachtetes Risiko für Krebserkrankungen bringt dagegen das Schlendern durch die nächtlichen Straßen mit sich: das starke Kunstlicht moderner LED-Straßenlampen. Glücklicherweise ist das jetzt verboten. weiterlesen...