Wetter

Heuer herrlichschrecklicher Hitzesommer

von Holger Westermann

Gefühlt begann der Sommer heuer (in diesem Jahr) bereits im April, als die Mittagstemperatur hierzulande bereits lang anhaltend über 20°C stieg. Ende Mai bis Mitte Juni häuften sich die Sommertage (Maximaltemperatur > 25°C), in vielen Regionen waren es 10 bis 20 in Folge. Seither wird die Reihe von Heißen Tagen (> 30°C) nur von wenigen kurzen kühleren Episoden unterbrochen. Lediglich an den Küsten und in den Bergen blieb es frischer. Mediterrane Hitze nördlich der Alpen ist für viele Menschen während der Freizeit ein Vergnügen (bei der Arbeit weniger), für ältere oder chronisch kranke Menschen jedoch eine enorme Gesundheitsbelastung.

Der Sommer 2018 wird sicherlich als spektakuläres Wetterereignis in Erinnerung bleiben. Vielerorts fielen die Temperaturrekorde, die Zahl der Sommertage und Heißen Tage übertrifft jetzt schon die langjährigen Vergleichswerte - und der Hochsommer beginnt gerade erst. Im Süden und Westen Deutschlands sowie in Österreich fluteten heftige Gewitter die Städte, in Ostdeutschland verdorrten weite Landschaften.

Verantwortlich dafür ist die seit Mai vorherrschenden Großwetterlage. Wirbelt in normalen Jahren der stete West-nach-Ost-Ansturm atlantischer Tiefdruckgebiete die Atmosphäre kräftig durcheinander, so dominieren heuer meridionalen (Nord-Süd ausgerichtete)
Wetterlagen. Dabei summierte sich der (seltene) Zustrom von Warmluft aus Süden mit der adiabatisich, durch absinkende Luft in Hochdruckgebieten. Diese erwärmt sich um rund 1°C pro 100 Höhenmeter, dabei sinkt die relative Luftfeuchte und Wolken lösen sich auf.

Das Zentrum dieser kräftigen Hochdruckgebiete (Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum) liegt vielfach über Fennoskandien (Skandinavien und Finnland) sowie Nordrussland und lenkt mit einer östlichen Strömung warme, kontinentale Luftmassen nach Zentraleuropa. Bei dieser sehr stabilen Hitze-Konstellation wirkt Tiefdruckeinfluss (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum), der feuchtheiße Mittelmeerluft oder über dem Mittelmeer angefeuchtete Saharaluft heran führt, als Gewittergenerator. Die regenreiche Kollision heißer Festlandsluft mit der feuchtwarmen Luft aus Süden trifft meist die südlichen oder südöstlichen Regionen Mitteleuropas - der Osten bleibt weitgehend trocken. So lagen die Temperaturmaxima im DWD-Messnetz vorrangig im Osten; Bernburg an der Saale (Sachsen- Anhalt) mit 39,5 °C, Kitzingen in Unterfranken (Bayern) mit 39,0 °C und die altmärkische Kleinstadt Tangerhütte (Sachsen-Anhalt) mit 38,7 °C.

Derzeit degeneriert das aktuelle großflächige Hoch Fennoskandien über Skandinavien, Finnland und Nordwestrussland und verlagert sich unter Spaltung und Abschwächung ostwärts. Über der Ostsee bildet sich ein kleines lokales Tief (kein heranstürmendes mächtiges Atlantiktief), das seine Warm- und Kaltfronten bis nach Island reckt und so Anschluss findet zu den Tiefdruckgebieten bei Grönland. So kann sich nun vorübergehend ein Tiefdruckkomplex etablieren, der kurzeitig Einfluss auf das Wetter hierzulande gewinnt. Nach einer neuen Hitzeperiode zu Wochenbeginn mit nahezu 40°C wird es ab Donnerstag für ein paar Tage kühler und regnerisch. Die Wetterexperten erwarten eine markante Kaltfront, die von Westen auf Mitteleuropa übergreift und bis Freitagabend allmählich ostwärts wandert. An der Rückseite der Front fließt dann spürbar kühlere Luft über die Landschaft und schiebt die schwüle Hitze beiseite.

Nicht alle Mitteleuropäer bedauern den angekündigten Temperaturrückgang. Vielmehr bedeutet diese Aussicht vielfach Hoffnung auf Erleichterung für Körper und Geist. Denn die lang anhaltende Hitze war für ältere oder chronisch kranke Menschen eine enorme Gesundheitsbelastung. Jetzt ist Linderung in Sicht.

Quellen:

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Der Sommer 2018 läuft weiter auf Hochtouren! Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 18.07.2018

MSc.-Met. Thore Hansen: Mittelmeersommer im hohen Norden. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 20.07.2018

Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Hoch Fennoskandien, überwiegend zyklonal. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 01.08.2018

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Nach Temperaturdelle am Sonntag kommt der Hitzesommer zunächst wieder mit Macht zurück! Aber … . Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 03.08.2018

Erstellt am 3. August 2018
Zuletzt aktualisiert am 3. August 2018

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