Wetter
Windige Wilma
Der Name „Wilma“ bürgt für Qualität, sofern man wuchtige Tiefdruckwirbel schätzt. Im Jahr 2005 trug der bislang stärkste Hurrikan diesen Namen (abgesehen von Fred Feuersteins geliebter Gattin, die, einmal in Rage versetzt ebenfalls alles um sie herum in Rotation versetzen konnte). Derzeit erlebt der Norden Mitteleuropas die wetterwendende Wirkung des Sturmtiefs „Wilma“ über Norwegen.
Entlang der Rückseite von „Wilma“ strömt sehr kalte Polarluft heran, zunächst nur in hohen Luftschichten. In 5,5 km Höhe treffen derzeit über der Mitte Deutschlands unterschiedlich temperierte Luftmassen aufeinander. Durch das Druckgefälle im Grenzbereich zwischen leichter Warmluft und schwerer Kaltluft entwickelt sich ein schmales Starkwindband (Jetstream). Die Wetterentwicklung gewinnt an Dynamik.
Dabei führt das Skandinavientief „Wilma“ mit seiner Strömung entgegen dem Uhrzeigersinn höhenkalte Luft über die derzeit sehr warme Nordsee. Es entsteht ein großer vertikaler Temperaturunterschied (schwere Kaltluft oben, leichte Warmluft unten), der kräftige Schauer und Gewitter provoziert. Über den Nordfriesischen Inseln bilden sich regelrechte "Schauerstraßen", in denen rasche Folgen ergiebiger Schauer immer wieder über dieselben Gebiete ziehen. So können in kurzer Zeit über 60 l/m2 Regen fallen.
Auch in den anderen Teilen Deutschlands erinnert das windige Schauerwetter eher an den Herbst als an hochsommerlichen August. Je weiter eine Landschaft im Süden liegt, um so eher kann sie sich dem Einfluss der windigen „Wilma“ entziehen. Südlich des Mains setzt sich sukzessive die Sonne durch. Ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit (wenn man denn egalitaristisch „allen das Gleiche“ für gerecht hält), denn in den zurückliegenden Wochen freuten sich die Küstenanrainer über ausgiebigen Sonnenschein, während der sonnengewöhnte Süden durch Dauerregen geflutet wurde. Ein mitleidiger Blick auf die Nord- und Ostseeurlauber (und der utilitiarisische Gerechtigkeitssinn „gib dem, dem es am meisten nützt“) wird beklagen, dass selbst ein Regenschirm nicht ausreicht, das garstige Wetter auf Distanz zu halten. „Wilma“ bringt nicht nur Regen sondern auch Sturm. In England wurden bereits Orkanböen bis 141 km/h gemessen. Keine schönen Aussichten für einen Strandurlaub.
Quellen: Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann: Windige Wilma. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 18.08.2014
Erstellt am 18. August 2014
Zuletzt aktualisiert am 18. August 2014
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