Depression ist eine potentiell tödliche chronische Erkrankung

Zum Tod von Robin Williams

von Holger Westermann

Der bekannte Fernseh- und Filmschauspieler ist am 11.08. 2014 im Alter von 63 Jahren an den Folgen seiner Depression gestorben. Der Oscar-Preisträger wurde bekannt durch seine Rollen in so unterschiedlichen Filmen wie “Mork vom Ork”, „Good Morning, Vietnam“, „Der Club der toten Dichter“, “Mrs. Doubtfire” und „Good Will Hunting“. Doch die Fähigkeit andere zum Lachen und Nachdenken zu bringen garantiert noch keine Immunität gegen die quälende, als aussichtslos empfundene Niedergeschlagenheit.

Die Sprecherin des Schauspielers hatte bereits kurz nach seinem Tod erklärt, dass Robin Williams in den letzten Jahren unter schwerer Depression (major depression) litt. Selbstmordgedanken sind ein typisches Symptom dieser Erkrankung. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe geht davon aus, dass allein in Deutschland jährlich 9.000 Menschen Selbstmord begehen und 150.000 einen Selbstmordversuch unternehmen. Neun von zehn dieser Verzweiflungstaten lassen sich auf unzureichend therapierte psychische Erkrankungen zurückführen, zumeist eine Depression.

„Depressionen gehen mit einer großen Hoffnungslosigkeit einher. Betroffene haben den Glauben verloren, dass sich dieser leidvolle Zustand je wieder bessern wird und ihnen geholfen werden kann. Das kann zu dem Wunsch führen, diesen Zustand beenden zu wollen.“, erläutert Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Den allermeisten Menschen mit Depressionen kann mit Medikamenten und Psychotherapie geholfen werden. Deshalb ist es wie bei jeder anderen Erkrankung entscheidend, sich rasch professionelle Hilfe zu holen, d.h. sich an den Hausarzt oder direkt an einen Nervenarzt oder Psychiater zu wenden“ betont Prof. Hegerl. Die professionelle Behandlung der Depression sei die wichtigste und effektivste Maßnahme, um Selbstmordversuche zu verhindern.

Eine schwere Depression unterscheidet sich markant von den Befindlichkeitsstörungen, die landläufig gemeint sind, wenn sich Menschen selbst als “heute depressiv drauf” oder “depri” diagnostizieren. Episodenhafte Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit, manchmal auch nur eine unerklärliche Motivations- und Leistungsschwäche, hat nichts mit einer schweren Depression zu tun.

  • Menschen jeden Alters können an einer schweren Depression erkranken, der Median (Zentralwert, teilt die Gesamtmenge in zwei gleichgroße Teilmengen) der Erstdiagnosen liegt bei 32,5 Jahren.
  • Mehr Frauen als Männer erkranken an einer Depression (oder wird bei Frauen die Depression nur häufiger erkannt?)
  • Eine schwere Depression ist bei Männern schwieriger zu diagnostizieren und oftmals zeigen sie keine typischen Symptome, die zum Facharztbesuch motivieren (oder Verwandte und Freunde aufmerksam werden lassen)
  • Depressive Männer greifen häufiger als depressive Frauen zu Alkohol oder anderen Drogen, um die Symptome ihrer psychischen Erkrankung zu kaschieren. Auch die Flucht in extremes Engagement im Beruf oder beim Sport oder aber dahindämmerndes Dauerfernsehen sind typisch männliche Strategien, die psychischen Belastungen einer Depression zu kompensieren.


Auch der Schauspieler Robin Williams durchlebte Anfang der 80er Jahre eine Phase schwerer Kokain- und Alkoholabhängigkeit. Seit einem vorübergehenden Rückfall im Jahr 2006 sprach er auch öffentlich über seinen exzessiven Rauschmittelkonsum, nicht aber über die Depression. Menschen mit psychischen Erkrankungen fürchten, wohlmöglich zu Recht, eine Stigmatisierung durch ihr soziales Umfeld. Prominente müssen gar mit einer öffentlichen Diskussion ihrer geistigen Gesundheit rechnen.

Dabei halten es Mediziner für wichtig, die Depression als Grund für den Selbstmord(versuch) explizit zu benennen. Zum einen, damit den Betroffenen selbst bewusst wird, dass sie an einer potentiell tödlichen Krankheit leiden, die erfolgreich behandelt werden kann. Zum anderen, um den sogenannten „Werther-Effekt“, eine Welle von Nachahmungs-Selbstmorden, zu vermeiden. Der Selbstmord eines Prominenten wird von psychisch labilen Menschen oftmals als Genehmigung missverstanden, es dem Vorbild gleich zu tun.

Davon sind nicht ausschließlich Menschen betroffen, die an einer schweren Depression leiden. Ursache für solche Nachahmungstaten können auch Persönlichkeitskrisen während der Pubertät oder eine minderschwere Form der Depression (minor depression) sein. Typische Symptome sind Reizbarkeit, innere und motorische Unruhe, Motivations- und Intressenlosigkeit (Lethargie), verminderter Konzentrationsfähigkeit, Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafbedürfnis gepaart mit chronischer Müdigkeit. Die Übergänge zur depressiven Stimmung sind fließend.

Sicher ist jedoch, dass die Symptome einer schweren Depression nur marginal durch das Wetter beeinflusst werden. Eine Serie trüber Tage ohne Sonnenschein mit Dauerregen oder Nebel wirkt auf das Gemüt psychisch weitgehend gesunder Menschen deutlich stärker als auf Menschen mit Depression. Deshalb richtet sich die Menschenswetter-Vorhersage auch explizit an Menschen mit depressiver Stimmung (siehe tooltip beim kleinen i neben “Depressionen und depressive Stimmung” auf der Vorhersagekarte).

Quellen:

Artikel der Menschenswetter Redaktion

Stellungnahme zum Tod von Schauspieler Robin Williams. Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe e.V. vom 12.08. 2014.

Erstellt am 12. August 2014
Zuletzt aktualisiert am 12. August 2014

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