Nikotin-Verdampfer fördert Infektionen der Atemwege

E-Zigaretten züchten aggressive Bakterien

von Holger Westermann

Rauchen schädigt Bronchien und Lunge, da spielt die Darreichungsform nur eine untergeordnete Rolle. Wird verbrannter Tabak inhaliert gelangt ein vielfältiges Gemisch von Giftstoffen in die Atemwege, beim Verdampfen der flüssigen Substanzen in einer E-Zigarette ist Liste der Zutaten kürzer. Doch nun zeigt sich, dass damit das Risiko von Infektionserkrankungen keineswegs geringer wird. Offensichtlich ist die E-Zigarette selbst Auslöser einer fatalen Kettenreaktion.

Die Industrie preist E-Zigaretten und in letzter Zeit auch E-Shishas als weniger gesundheitsschädliche Alternativen zum Zigarettenrauchen oder der klassischen Wasserpfeife an. Es entsteht kein Rauch, der neben den pharmakologischen Wirkstoffen wie Nikotin auch große Mengen Teer enthält. Eingeatmet wird ein Aerosol (Gemisch fester und flüssiger Schwebeteilchen in der Luft) aus Nikotin und Aromen. Zwar unterbleibt die Reizung der Atemwege durch Verbrennungsrückstände, doch die Nikotin-Aerosole provozieren ebenso zuverlässig Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie das Nikotin aus Tabak-Zigaretten.

Eine weiteres typisches Raucher-Leiden ist die immer wiederkehrende Eskalation von Infektionen der Atemwege. Doch auch das Aerosol von E-Zigaretten macht krankheitserregende Bakterien offensichtlich erfolgreicher (aus Sicht der Mikroben) und damit aggressiver (aus Sicht der Menschen).

In einem Laborexperiment bedampften Forscher der University of California (San Diego, Kalifornien, USA) Schleimhautzellen, die mit Staphylococcus aureus (MRSA) infiziert worden waren, mit dem Aerosol von E-Zigaretten. Die Wissenschaftler wählten diese Bakterien, da sie natürlicherweise im Nasen- und Rachenraum wachsen, ohne eine Erkrankung zu provozieren. Sind die Schleimhäute jedoch chronisch gereizt, kann das Immunsystem eine Invasion nicht mehr zuverlässig verhindern, die Bakterien können in den Blutkreislauf eindringen und letztendlich lebensgefährliche Infektionen auslösen.

Dabei zeigte sich ein überraschendes Ergebnis. Die Infektionsgefahr stieg unter Nikotin-Aerosol-Bedampfung nicht nur durch die Schädigung der Schleimhautzellen, deren Immunantwort beeinträchtigt wird. Auch die Bakterien selbst veränderten sich. Im Vergleich zu nikotinfrei gehaltenen Zellkulturen vermehrten sich die MRSA-Bakterien schneller und die Infektion verlief aggressiver. Unter dem Einfluss des Aerosols der E-Zigarette wird die Bakterienschicht dicker und modifiziert ihre Oberfläche so, dass die Abwehrmoleküle des Immunsystems nicht mehr zuverlässig funktionieren. Vorrangig wird nicht die Immunantwort der Schleimhautzellen schwächer, sondern die Bakterien werden robuster.

Die Infektionswahrscheinlichkeit steigt aber auch, weil sich auch die Angriffsmöglichkeiten der Bakterien verbessern. Das Nikotin-Aerosol verändert den pH-Wert der Schleimhaut-Oberfläche. Dadurch gelingt es den Bakterien leichter sich an die Hautoberfläche anzulagern. In einem Experiment mit MRSA-infizierten Mäusen steigerte die Konfrontation mit dem Aerosol aus E-Zigaretten die Überlebenswahrscheinlichkeit der Bakterien um das Dreifache. Bei einer Bedampfung mit Zigarettenrauch liegt das Infektionsrisiko zwar noch ein wenig höher, doch von einer “gesunden” E-Zigarette oder E-Shisha kann keinesfalls die Rede sein.

"Selbst wenn E-Zigaretten nicht ganz so schädlich sind wie Tabak, haben sie doch messbare negative Auswirkungen auf die Gesundheit", so die Forscher in ihrem Fazit.

Quellen:

Crotty Alexander, L.E. et al. (2014): Electronic Cigarette Vapor (ECV) Exposure Decreases Staphylococcus Aureus Susceptibility To Macrophage And Neutrophil Killing. Vortag, gehalten auf der American Thoracic Society International Conference vom 16. - 21. Mai 2014 in San Diego (Kalifornien, USA), Abstract 57341

Erstellt am 20. Mai 2014
Zuletzt aktualisiert am 20. Mai 2014

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