Risiken der psychischen Abhängigkeit vom Haschisch überwiegen
Cannabistherapie bei Rheuma ohne Zusatznutzen
Es gibt keine medizinischen Gründe für eine Behandlung mit Marihuana bei rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew oder Lupus erythematodes. Auch bei der vormals als Weichteilrheuma klassifizierten Fibromyalgie konnte kein positiver Haschisch-Effekt festgestellt werden, der über die schmerzstillende Wirkung der Cannabinoide hinaus geht.
Bei einigen schweren Erkrankungen mit chronischen Schmerzen hat sich die Therapie mit Cannabis bewährt, beispielsweise bei Krebs und Nervenschmerzen. Dabei gewinnen erwünschte Nebenwirkungen des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) und anderer Cannabidiole an Bedeutung. THC unterdrückt den Brechreiz, was sich während der Chemotherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung positiv bemerkbar macht. Zudem wirkt THC appetitanregend und kann so der Auszehrung bei Krebs- aber auch bei HIV-Therapien entgegen wirken. Zudem hat THC neben der Rauschwirkung noch weitere neurologische Effekte, die sich medizinisch nutzen lassen. Die antiataktische (Bewegungsabläufe koordinierende) und antispastische (krampflösende) Wirkung hilft Krämpfe (Spasmen) und Lähmungen (beispielsweise bei Multipler Sklerose, MS) zu regulieren. So kann Cannabis Symptome lindern – heilende Wirkung ist jedoch nicht bekannt.
Bei Rheuma sind diese wünschenswerten Nebenwirkungen jedoch nicht zu erwarten, darauf verweist eine aktuelle Studie von Forschern am McGill University Health Centre (Montreal, Kanada). Trotz der derzeit sehr großen Beliebtheit von Cannabis-Präparaten (oder klassischer Darreichungsformen) habe sich weder bei Kurz- noch bei Langzeitstudien ein ermutigender Therapieansatz erkennen lassen.
Problematisch sei, gerade bei traditioneller Konsummethode, die zuverlässige Dosierung der Wirkstoffe. Die THC-Konzentration schwanke je nach Pflanzenqualität um bis zu einem Drittel. Hinzu käme noch die sehr individuelle Aufnahmerate, manchen Menschen nehmen nur 2% des Wirkstoffs auf, andere bis zu 56%, je nachdem ob und wie tief und ausdauernd inhaliert werde. Damit wird noch ein weiterer Kritikpunkt zur Cannabis-Therapie angesprochen, die unvermeidlichen Gesundheits-Folgen des Rauchens. Für besonders schädlich halten die Forscher jedoch die neurologischen Langzeitfolgen des Kiffens: Ausbildung psychischer Erkrankungen, Gedächtnisprobleme, körperliche oder verhaltensbedingte Abhängigkeit. Die Wissenschaftler warnen daher vor Cannabis als Therapie-Option bei Rheuma und Fibromyalgie.
Quellen: Fitzcharles, M.-A. et al. (2014): The Dilemma of Medical Marijuana Use by Rheumatology Patients. Arthritis Care and Research, online veröffentlicht am 03.03. 2014. DOI: 10.1002/acr.22267
Erstellt am 1. April 2014
Zuletzt aktualisiert am 1. April 2014
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