Farbenfrohes Naturschauspiel bei tiefstehender Sonne

Saharasand über Mitteleuropa

von Holger Westermann

Die aktuelle Großwetterlage ermöglicht ein besonderes meteorologisches wie ökologisches Schauspiel. An der Vorderseite eines weit nach Süden reichenden Tiefdrucksystems strömt Warmluft aus Nordafrika über den westlichen Mittelmeerraum heran. Da die Luftmassen vom Nordrand der Sahara stammen transportieren sie große Mengen feinster Sandpartikel bis nach West- und Mitteleuropa.

Was umgangssprachlich als „Saharastaub“ bezeichnet wird, ist für Meteorologen feinster Mineralstaub (zumeist Quarzsand), der so leicht ist, dass er bei kräftigem und gleichmäßigem Wind von der Sahara aus über weite Strecken transportiert werden kann. Nur bei Regen wird die Staubfracht aus der Luft gewaschen und fällt zur Erde. Charakteristisch ist der feine rot-gelbe Staub, der sich beim Abtrocknen als Dreckfilm auf glatten Flächen absetzt. Bleibt es niederschlagsfrei verlängert sich die Verfrachtungsstrecke nahezu beliebig.

Gemeinsam mit feinsten Schwebeteilchen, bildet der Saharastaub in der Luft ein stabiles Gemisch (Aerosol), das großen Einfluss auf Wetter und Klima ausübt. Als nahezu unerschöpfliches Reservoir an Kondensations- und Kristallisationkeimen beeinflusst es die Wolkenbildung. Ohne die Staubpartikel könnten keine Wassertröpfchen und somit auch keine Wolken entstehen. Die Staubpartikel reflektieren und brechen (streuen) das Sonnenlicht, weniger Sonnenstrahlung erreicht die Erdoberfläche. Andererseits erwärmt sich staubhaltige Luft schneller als staubfreie. So können höhere Luftschichten Wärme speichern, die nicht von der Erdoberfläche reflektiert wurde. Viele der Effekte sind bis heute von den Wissenschaftlern noch nicht vollständig verstanden.

Sicher ist jedoch, dass der Saharastaub ein Gutteil zur Düngung des südamerikanischen Regenwaldes beiträgt und damit diesen Lebensraum mit seiner Artenvielfalt und üppigen Vegetation erst ermöglicht. Aber auch das Meer, insbesondere der Atlantik wird durch den Staub aus der Wüste mit Mineraldünger versorgt. Dadurch gedeihen Algen und andere Meerespflanzen sowie Plankton und über die Nahrungskette verbunden letztendlich Fische und Wale.

Bis auf die leicht zu beseitigende Verschmutzung sind durch den Saharastaub in Mitteleuropa keine negativen Auswirkungen zu befürchten. Viel mehr erfreut er die Menschen durch ein besonders prächtiges Farbenspiel bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Quellen:

Dipl.-Met. Adrian Leyser: Saharastaub - Nicht nur "Dreck" auf dem Autodach. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 31.03.2014

Erstellt am 31. März 2014
Zuletzt aktualisiert am 31. März 2014

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