Erkrankte Kollegen verteilen Viren besonders effektiv

Großraumbüros sind Brutstätten für Infektionen

von Holger Westermann

Arbeiten viele Menschen in einem Raum zusammen, können sich Schnupfen, Erkältung und Grippe optimal verbreiten. Separiert arbeitende Menschen stecken sich dagegen nur selten gegenseitig an. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zum Infektionsrisiko am Arbeitsplatz. Demnach hat der Bürotyp, insbesondere die Anzahl der Kollegen im selben Raum, wesentlichen Einfluss auf den Krankenstand – nicht nur in Hinblick auf sozialen Stress mit der langfristigen Folge Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Arbeitsüberlastung aufgrund notorischer Ablenkung, sondern offensichtlich auch bei kurzfristig aber heftig wirksamen Infektionen.

Wissenschaftler der Universität Stockholm (Schweden), Mediziner und Architekten, befragten 1.852 Arbeitnehmer (16 bis 64 Jahre alt) zu ihren Erkrankungen im zurückliegenden Jahr; Kurzzeiterkrankungen sowie Infektionserkrankungen, die sie länger als eine Woche von der Arbeit fern hielten. Für die Analyse sortierten sie die Arbeitnehmer nach Arbeitsbedingungen und Bürotypen in sieben Kategorien:

  • Einzelbüro
  • Gemeinschaftsbüro mit einem oder zwei Kollegen
  • Kleines Großraumbüro mit 4 bis 9 Arbeitsplätzen
  • Mittelgroßes Großraumbüro mit 10 bis 24 Arbeitsplätzen
  • Großraumbüro mit mehr als 24 Arbeitsplätzen
  • Flexi-Büro ohne festen Arbeitsplatz
  • Kombination aus mehreren Bürotypen

In besonderem Maß litten Frauen, die in Großraumbüros arbeiten mussten unter kurzzeitigen Erkrankungen. Die Zahl der Kollegen im Raum war dabei von nachrangiger Bedeutung, allein der Umstand mit mehreren Menschen in einen Raum gepfercht zu sein, genügte für ein überdurchschnittliches Infektionsrisiko. Frauen, die in anderen Bürotypen arbeiteten, hatten deutlich weniger Fehltage.

Männer erkrankten dagegen häufiger in Flexi-Büro-Organisationen, wenn sie keinen festen Arbeitsplatz ansteuern konnten, sondern sich täglich einen neuen Schreibtisch (im Großraumbüro) suchen mussten. Dieser Geschlechterunterschied lässt darauf schließen, dass nicht allein die Ausbreitung und Verteilung von Viren für die größere Infektionswahrscheinlichkeit in Großraumbüros verantwortlich ist. Auch die besondere Stresssituation, aufgrund der penetranten Lärmbelastung aber auch der ständigen sozialen Kontrolle, beeinflusst die Infektionsanfälligkeit der Arbeitnehmer.

Letztendlich lasse sich nicht abschließend klären, warum Arbeitnehmer in Großraumbüros überdurchschnittlich häufig von Infektionskrankheiten geplagt werden. In ihrem Fazit gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sowohl der Umgebungsstress als auch der verstärkte unmittelbare (face-to-face) wie mittelbare (Anfassen der selben Gegenstände) Kontakt zu Virenquellen eine Rolle spielen.

Quellen:

Danielsson, C.B. et al. (2014): Office design's impact on sick leave rates. Ergonomics, online veröffentlicht am 27.01.2014. doi: 10.1080/00140139.2013.871064

Erstellt am 27. Februar 2014
Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2014

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