Kaffee und Cola helfen beim Lernen

Koffein optimiert das Langzeitgedächtnis

von Holger Westermann

Die Tasse Kaffee ist für viele Menschen ein unersetzlicher Begleiter durch den Arbeitstag. Sie hoffen dadurch aufmerksamer und ausdauernder zu sein, zudem schmeckt das bitter-aromatische Gebräu auch noch sehr gut. Eine aktuelle Studie untersuchte die Wirkung des alltäglichen Aufputschmittels auf die geistige Leistungsfähigkeit und fand ermutigende Ergebnisse.

Koffeinhaltige Getränke werden fast überall auf der Welt konsumiert, als Kaffee, Tee, Kakao oder Cola. Neun von zehn Menschen sollen diesen Wachmacher sogar täglich zu sich nehmen. Mit gutem Grund, denn die positive Wirkung auf geistige Frische und Aufmerksamkeit sowie die Geschwindigkeit von Denkprozessen ist durch wissenschaftliche Studien gut belegt.

Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland, USA) haben mit einem interessanten Experiment die Wirkung von Koffein auf das Langzeitgedächtnis untersucht. Dazu wählten sie 160 gesunde Männer und Frauen aus, die für gewöhnlich nicht mehr als 500 mg Koffein (etwa 4 Tassen Kaffee) in der Woche zu sich nahmen. Angesichts des gerade in den USA weit verbreiteten Kaffeekonsums kein leichtes Unterfangen, aber notwendig. Ansonsten wäre es kaum möglich gewesen, den Einfluss des Koffeins in einer Placebo-kontrollierten Studie zu messen. Wie jede stimulierende Substanz tritt auch bei Koffein eine Gewöhnung ein, die bei spontaner Abstinenz Entzugserscheinungen hervorruft. An Kaffee gewöhnte Mitglieder der Placebogruppe (die anstatt der Koffeintabletten nur ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff erhalten), könnten genau diese Entzugs-Reaktion zeigen, wodurch eine objektive Interpretation der Ergebnisse unmöglich würde.

Zu Beginn der Studie wurde den Testpersonen Bildern von Gegenständen gezeigt, die sie sich einprägen sollten und zwei zuvor definierten Kategorien zuordnen mussten. Erst nachdem diese Aufgabe erledigt war, erhielten sie eine Tablette mit 200 mg Koffein (entspricht etwa zwei bis drei Tassen Kaffee) – oder ein Placebo. Am darauffolgenden Tag wurden die Bilder erneut vorgelegt, wobei einige davon ein wenig andere Darstellungen zeigten als die Originalbilder am Tag zuvor. Teilnehmer, die tatsächlich Koffein erhalten hatten, erkannten die Abweichungen zuverlässiger als die Mitglieder der Placebo-Gruppe. Wurde das Koffein dagegen bereits vor der Aufgabenstellung verabreicht, trat der positive Effekt nicht auf. Auch bei einer geringeren Koffeindosis (100 mg) unterblieb eine messbare Steigerung der Erkennungsrate. Andererseits war bei einer höheren Dosis (300 mg) auch keine weitere Leistungssteigerung feststellbar.

Offensichtlich wird das Langzeitgedächtnis durch moderaten Koffeinkonsum stimuliert. Die von den Forschern als optimale Dosis identifizierte Menge von 200 mg Koffein pro Tag entspricht dabei ungefähr dem US-amerikanischen Durchschnittsverbrauch. So zwingt das Fazit der Studie auch nicht zu einer drastischen Verhaltensänderung. Sinnvoll könnte es sein, den Kaffeekick auf die Pause nach der hochkonzentrierten Arbeit zu verschieben, anstatt schon zu Arbeitsbeginn die erste Tasse zu trinken.

Quellen:

Botora, D. et al. (2014): Post-study caffeine administration enhances memory consolidation in humans. Nature Neuroscience, online veröffentlicht am 12.01. 2014. doi:10.1038/nn.3623

Erstellt am 15. Januar 2014
Zuletzt aktualisiert am 15. Januar 2014

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