Grippeviren können unter idealen Bedingungen sehr lange infektiös bleiben

Hohe Luftfeuchte schützt vor Grippe

von Holger Westermann

Eine echte Influenza ist keine Bagatellerkrankung, sondern eine schwere Gesundheitsbelastung. Das Robert-Koch-Institut geht von jährlich 5.000 bis 10.000 Todesfällen in Deutschland aus (19.000 in der Saison 2008-09), für Österreich werden aus anderen Quellen 1.300 bis 3.000 genannt. Offensichtlich hat das Raumklima wesentlichen Einfluss auf das Infektionsrisiko. Insbesondere Menschen mit angegriffener Gesundheit sollten daher auf ausreichende Luftfeuchte achten.

Der Mikrobiologe Prof. Dr. John Noti und Kollegen vom National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) am Center for Disease Control and Prevention (CDC, Atlanta, Georgia, USA) simulierten mit einem Vernebelungsapparat das Aushusten von Viruspartikeln in einem geschlossenen Raum. Dazu versprühten sie ein Virenaerosol (feiner Nebel mit definierter Virenmenge) aus einer umgebauten Atemübungspuppe. Die relative Luftfeuchtigkeit konnten die Experimentatoren bei konstanter Raumtemperatur zwischen 7 und 73% variieren.

Nach festgelegten Wartezeiten, zwischen 0 Minuten und 5 Stunden, sammelten die Forscher Aerosoltröpfchen als Virenproben, sowohl direkt neben dem Mund der Atemübungspuppe als auch an anderen Stellen im Raum. Die Infektiosität der Viren wurde mikrobiologisch durch ein Virus-Plaque-Assay bestimmt.

Wurden die Viren in einem Raum mit einer relativen Feuchtigkeit von ≤ 23% frei gesetzt, behielten nach 60 Minuten noch 70,6 bis 77,3 % ihre Infektionsfähigkeit. Lag die relative Luftfeuchte bei ≥ 43%, konnten nur noch 14,6% bis 22,2% der Viren Zellen infizieren. Der größte Rückgang der Infektionsfähigkeit trat dabei bereits innerhalb der ersten 15 Minuten auf. Danach konnte für die folgenden 5 Stunden kein Unterschied zwischen hoher und niedriger Luftfeuchte festgestellt werden.

Die Forscher schließen daraus, dass eine hohe Luftfeuchte die Viren direkt nach dem Freisetzen inaktiviert. So kann sich keine Epidemie ausbreiten, die über Tröpfcheninfektion weiter getragen wird. Sinkt die Luftfeuchte deutlich, beispielsweise bei Heizungsluft oder im Freien unter 0°C, bleibt die Infektionsfähigkeit der Viren hinreichend lang erhalten, um Grippe (und wohl auch Erkältungen) von einem Mensch zum anderen weiter zu tragen.

Im Winter ist das Risiko einer Viren-Tröpfcheninfektion besonders hoch. Die geringe Sonnenscheindauer stört den Tag-Nacht-Rhythmus, das Immunsystem arbeitet nicht optimal, die Kälte reduziert die Durchblutung der Schleimhäute und damit auch die Präsenz der über das Blut verteilten Immunzellen. Nun wurde ein weiterer Winterfaktor für die Anfälligkeit gegenüber Viren identifiziert: geringe Luftfeuchte erhält Viren länger infektiös. Empfindliche, für Infektionen empfängliche Menschen sollten daher in ihrem persönlichen Umfeld für ausreichend feuchte Atemluft sorgen, oft genügen einfache Verdampfer an den Heizkörpern. Kräftiges Kurzzeitlüften mit weit geöffneten Fenstern unterstützt den Effekt, da sich frische Luft besser erwärmt und dann auch bei hoher Luftfeuchte nicht zu kühl wirkt.

Quellen:

Noti, J.D. et al. (2013): High Humidity Leads to Loss of Infectious Influenza Virus from Simulated Coughs. PLoS ONE 8(2): e57485. doi:10.1371/journal.pone.0057485

Erstellt am 26. November 2013
Zuletzt aktualisiert am 26. November 2013

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