Wetter

Herbstlicher Grauschleier

von Holger Westermann

Zwischenhocheinfluß macht sich derzeit über Mitteleuropa breit. Sonnenschein vom wolkenlosen Himmel, würde nicht der Nebel die wärmende Strahlung abschirmen. Doch sonniger Nachmittag und grauer Dunst am Morgen sind im Herbst die beiden Seiten der selben Wettermedaille.

Früh am Morgen ist es derzeit noch frostig klar, und auf den Wiesen und Autos glitzern kleine Eiskristalle, Tautropfen im Licht des Mondes oder der Straßenlaternen. Doch mit der aufgehenden Sonne schwindet die Sicht durch dichten Dunst und Nebel. Die Luft wird dann gerade so warm, dass sie wieder zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen kann. Tau und Reif verschwinden, sobald die Sonnenstrahlen darauf treffen. Doch die direkt über dem Boden liegende Luft kühlt schnell wieder ab. Denn der über Nacht ausgekühlte Boden wirkt wie ein Kühlakku, er entzieht der Luft die Wärme. So kondensiert die Luftfeuchte wieder, es entsteht Bodennebel. Erst wenn die Sonnenstrahlen Luft und obere Bodenschicht hinreichend erwärmt haben, löst sich der Nebel auf.

Gegen Abend, wenn die Sonne sinkt und die Luft spürbar kälter wird, kann dann wieder Nebel entstehen. Meteorologen sprechen von Strahlungsnebel, da er durch Wärmeabstrahlung bei wolkenlosem Himmel entsteht. Fehlt die Wolkendecke sinkt im mitteleuropäischen Herbst und Winter die Temperatur rasant. Derzeit erwärmt sich die Luft tagsüber auf rund 10°C und kann deshalb ausreichend Luftfeuchte tragen, die bei Abkühlung auf Werte um den Gefrierpunkt wieder kondensiert.

Dunst ist lichter Nebel.  Beträgt die horizontale Sichtweite in Augenhöhe weniger als einen Kilometer, spricht man von Nebel, andernfalls von Dunst. Bei relativer Luftfeuchte von 100 % bildet sich Nebel. Wobei die Tröpfchengröße in leichtem Nebel kleiner ist (1 bis 5 µm) als bei dichtem Nebel (10 bis 20 µm). Die größten Nebeltropfen in dichtem, nässendem Nebel können mit 50 µm die Größe von Tautropfen erreichen. Wegen der Größe der Nebeltropfen ist die Streuung des Lichtes von seiner Wellenlänge unabhängig - Nebel erscheint also weiß.

Für wetterempfindliche Menschen bedeutet Nebel ein doppeltes Gesundheitsrisiko. Einerseits hält der Nebel die Kälte, die wärmende Sonnenstrahlung wird fern gehalten. Menschen mit Rheuma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden unter der sehr niedrigen gefühlten Temperatur. Zum anderen hält der Nebel auch Schadstoffe in der Schwebe, zudem enthält die Nebelluft weniger Sauerstoff pro m3 als als klare Luft. Darunter leiden insbesondere Menschen mit Atemwegserkrankungen. So ist es besser mit den Aktivitäten im Freien zu warten, bis sich der Morgennebel verzogen hat (und der Abendnebel noch nicht aufgezogen ist) – bei Sonnenschein ist die Luft wärmer, Bewegung macht mehr Freude und auch die allgemeine Stimmung hellt sich auf.

Quellen:

Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Dunst und Nebel. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.011.2013

Erstellt am 12. November 2013
Zuletzt aktualisiert am 12. November 2013

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Frühwinterwetter bereits im Spätherbst

Bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember ist immer noch Herbst, auch wenn die Mehrzahl der Menschen hierzulande zumindest die Adventszeit bereits dem gefühlten Winter zurechnet. Heuer (in diesem Jahr) dürfen sich die Voreiligen bestätigt fühlen - vielerorts ist es derzeit winterlich kalt und die Landschaften gebietsweise schneebedeckt. weiterlesen...


Hunde senken Stress, denn sie mögen Menschen

Dem possierlichen Charme eines jungen Hundes kann sich kaum ein Mensch entziehen. Dem spontanen Impuls zu Knuddeln oder zumindest zu Streicheln mag man nicht widerstehen. Und die Mehrzahl der Hunde scheint diese Zuwendung zu genießen. Bei älteren Tieren ist dann eher die Rasse und deren Charakter relevant, ob man Körperkontakt anstrebt oder lieber auf Distanz achtet. weiterlesen...


Ein Bild des Partners lässt Schmerzen schwinden

Zärtlichkeit lindert Schmerzen. Dabei wird der geliebte Partner körperlich wahrgenommen, man ist der schützenden und tröstenden Gegenwart gewiss. Zudem wirkt das genau in diesem Moment ausgeschüttete Kuschelhormon Oxytocin als natürliches Analgetikum. Forscher der Justus Liebig Universität Gießen (Hessen) haben nun herausgefunden: Ein Bild vom Partner genügt, um das Schmerzempfinden zu reduzieren. weiterlesen...


Weniger Streß durch Nikotinverzicht

Wenn Raucher zur Zigarette greifen, bemühen sie oft das Argument, akuten Stress zu lindern. Sie erhoffen sich kurzfristig spürbare und langfristig wirksame Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Belastungen. Doch die regelmäßige Intoxikation mit Nikotin verstärkt die Probleme; erst Abstinenz lässt sie (ver)schwinden.

  weiterlesen...


Produktive Müdigkeit im Home Office

Angestellte, die während der Corona-Pandemie von zu Hause aus arbeiten, schlafen länger und arbeiten effektiver. Diese Effizienz- und Leistungssteigerung gelingt nicht jedem, aber betrachtet man die Menschen im Home-Office insgesamt, bleibt das Ergebnis positiv. weiterlesen...


Placebos wirken auch wenn man es weiß

Auch wenn Patienten wissen, dass die eingenommenen Medikamente keinen pharmakologischen Wirkstoff enthalten, spüren sie eine Linderung ihrer Symptome. Das ergab eine Übersichtsarbeit in der die Ergebnisse von 13 klinische Studien mit insgesamt 834 Patienten zusammengefasst wurden. weiterlesen...