Wetter

Wie der Mond das Wetter moduliert

von Holger Westermann

Zahlreiche Bauernregeln und andere Erfahrungserkenntnisse sehen einen Zusammenhang zwischen Mondphasen und der Wetterentwicklung. Dabei wird detailliert dargestellt, welcher Wetterwechsel auf den Einfluss des Mondes zurückzuführen sei. Doch wie die Mondwirkung das physikalisch bewirken soll, bleibt unerwähnt. Oft senkt sich darüber esoterischer Nebel. So ist der Herbst eine gute Jahreszeit den Nebel zu lichten.

Zu den gängigen Mondphasen-Wetterprognosen zählen Sprüche und Bauernregeln wie:

  • Unmittelbar nach Neu- und Vollmond gibt es die heftigsten Regenfälle.
  • Bei Vollmond sind die Nächte kalt.
  • Gewitter in der Vollmondzeit, verkünden Regen lang und breit.
  • Neumond macht das Wetter, dann kommt der Wetterumschwung (nicht zwingend zum schlechten, auch gutes Wetter ist möglich).
  • Bleibt das Wetter beim ersten Mondviertel schön, so kann man noch eine Zeit lang bei Sonnenschein spazieren gehen.
  • Neumond mit Wind, ist zu Regen oder Schnee gesinnt.
  • Im Winter Nordwind bei Vollmond sagt, dass uns der Frost 3 Wochen plagt.

 

Doch der Mond ist am Wetter nur mittelbar beteiligt. Dabei ist der unmittelbare Einfluss des Mondes auf die Erde enorm. Zum einen wirkt der Trabant wie ein Stabilisator auf die Erddrehung. Genau genommen kreist der Mond nicht um die Erde, sondern Mond und Erde kreisen beide um den gemeinsamen Masseschwerpunkt. Da die Erde eine deutlich größere Masse als der Mond hat, liegt dieser Rotationsmittelpunkt innerhalb der Erde, rund 4.700km vom Erdmittelpunkt entfernt. Wie bei einem Kreisel wird so die Lage der Erdachse stabilisiert, wodurch die weitgehend stabilen, aber für die Wetterdynamik hinreichend variablen Bedingungen in der Atmosphäre garantiert werden.

Zudem wirkt der Mond als naheliegende bewegliche Masse auf die vermeintlich feste Erdkruste und große Wassermassen. Ebbe und Flut entstehen durch die Erdrotation und Anziehungskraft des Mondes. Wo der Mond über der Erde steht, steigt der Meeresspiegel, an der mondabgewandten Seite sinkt der Meeresspiegel. Auf der anderen Seite wendet die rotierende Erde im Tageslauf stets einen anderes Segment der Oberfläche der Sonne zu. Damit wird es nicht nur Tag, sondern die enorme Masse der weit entfernten Sonne zieht das Wasser an. Liegen Mond und Sonne in einer Linie (Neumond und Vollmond) ergänzen sich die Wirkungen zur Springtide, stehen sie im rechten Winkel zueinander (Halbmond) herrscht der Mondeffekt vor, wird aber zur Nipptide reduziert. Dieser Schwerkrafteffekt betrifft jedoch nicht nur das Wasser, auch die Erdoberfläche hebt und senkt sich in diesem Rhythmus um 30 bis 40cm. Da die Bewegung sehr großräumig verläuft, wird sie von den Menschen nicht bemerkt und hat mindert auch nicht die Standfestigkeit von Gebäuden. In der tieferen Erdkruste können dadurch jedoch Erdbeben ausgelöst werden.

Ebbe und Flut bewegen große Mengen Wasser, das als Wärmepuffer auch Einfluss auf das Wetter hat. Im Frühjahr und Sommer ist die See kälter als das Land, das Wasser wirkt wie eine Kühlung. Im Herbst und frühen Winter dient das aufgeheizte Wasser dagegen als Wärmequelle. In flachen Meeren mit großem Tidenhub, wie beispielsweise der Nordsee, ist körperlich spürbar, ob der Wärmepuffer gerade wirksam (Flut) oder unwirksam ist (Ebbe).

Doch das ist nicht der einzige Einfluss des Mondes auf das Wetter. Die Bewegung um den gemeinsamen Masseschwerpunkt von Erde und Mond verlangsamt die Erdrotation erheblich. Ohne Mond würde sich die Erde etwa 3 bis 4 Mal schneller um die eigene Achse drehen. Ein Erdentag wäre dann nur 6 bis 8 Stunden lang. Damit würde sich das Klima und auch das Wetter auf der Erde radikal ändern. In Mitteleuropa wären allein schon aufgrund der höheren Rotationsgeschwindigkeit Windböen von 300 bis 500km/h üblich, die mittlere Sommertemperatur läge bei +60°C und die Wintertemperatur bei rund -50°C. Glücklicherweise sind dies rein theoretische Szenarien.

Eine Wettergestaltung durch den Mond, die auch noch vorhersehbare Veränderungen auslösen könnte, ist nicht bekannt. Die Mondmasse reicht nicht aus, die im Wasser wirksamen Tide auch in der Luft zu entfalten. Der Mond kann keine Tiefdruckgebiete (Anziehen der Luftmoleküle nach oben erzeugt am Boden einen Unterdruck = Tief) erzeugen, dazu fehlt in der Luft der hinreichend gewichtige Partner. Im Vergleich zur Masse des Wassers ist die Masse der Luft fast 800 mal kleiner. Die weit verbreitete Gewissheit, dass die Mondphasen das Wetter beeinflussen, ist ein Irrtum. Das lässt sich auch ganz leicht logisch begründen ohne die Physik oder Meteorologie zu bemühen. Wäre diese Annahme korrekt, müsste sich das Wetter mit der Mondphase weltweit gleichzeitig ändern.

Aber es gibt auch plausible Erklärungen für vermeintlich Mondeffekte. Zwar sind Vollmondnächte nicht prinzipiell kälter als andere, doch wenn der Vollmond gut sichtbar ist, kann die Bodenwärme ungehindert in den wolkenlosen Himmel abstrahlen. Die Menschen registrieren den (nahezu) kreisrunden Vollmond am Himmel eher, wenn er nicht teilweise von Wolken bedeckt ist. Die Erkenntnis „Heute ist Vollmond“ trifft die Menschen bei wolkenlosem Himmel mit größerer Wahrscheinlichkeit als bei geschlossener Wolkendecke – und genau diese Nächte sind auch vergleichsweise kalt.

Quellen:

Dipl.-Met. Simon Trippler: Der Einfluss des Mondes auf unser Wetter. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 19.10.2013

Erstellt am 1. November 2013
Zuletzt aktualisiert am 1. November 2013

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