Wetter
Wolkennamen
Kinder und romantisch Inspirierte erkennen in Wolken flüchtige Abbilder von Tieren, Gesichtern oder Fabelwesen. Rasch ändert die Bären-Wolke ihre Konfiguration und erscheint nun als lächelndes Mädchen, oder gleicht im Vorbeiziehen einer grimmigen Hexe. Ein unterhaltsames Spiel, doch für Meteorologen ist das leider keine sinnvolle Klassifikation. So sind auch Umschreibungen wie filigraner Schleier, aufragender Turm, mächtiger Amboss oder schwarze Walze nicht anderes als Allegorien, nur mit eher technischen Vorbildern. Unfassbares und Variables wie Wolken lässt sich nur schlecht in Schubladen sortieren, dennoch ist es erfolgreich gelungen.
Eine Wolke ist eine dichte Ansammlung winziger Wassertröpfchen oder Eiskristalle in der Luft. Dabei kondensiert das Wasser bei einer Luftfeuchtigkeit von 100% an Staubteilchen, die als Kondensationskeime dienen. Offensichtlich kann dieses Phänomen in vielerlei Gestalt auftreten: beispielsweise Größe und Richtung der Ausdehnung (eher horizontal oder eher vertikal), Abgrenzung gegenüber der Umgebungsluft, Vertikale Zirkulation (Wassertröpfchen fallen herunter und werden durch die Thermik wieder empor geschleudert), Anteil von Eiskristallen, Zuggeschwindigkeit. Keines dieser Kriterien liefert klar abgrenzbare Kategorien, alles sind Gradienten. So schien es zunächst unmöglich eine Klassifikation von Wolken zu erstellen. Doch 1802 schlug der englische Pharmazeut und Hobbymeteorologe L. Howard in seiner Schrift „On The Modification of Clouds“ eine Wolkenklassifikation in Anlehnung an die biologische Taxonomie vor. Er teilte die Wolken in Familien, Gattungen, Arten und Unterarten ein. Seine Einteilung ist heute noch als internationale Klassifikation gebräuchlich.
Wolkenfamilien werden nach der Höhe eingeteilt: Man unterscheidet zwischen hohen Wolken (Cirro), die sich in mittleren Breiten in einer Höhe von 7 bis 13 km befinden, mittelhohe Wolken (Alto) in einer Höhe von 2 bis 7 km und tiefe Wolken mit einer Höhe von 0 bis 2km (Strato). Dann gibt es noch Wolken mit großer vertikaler Ausdehnung (Nimbo). Dies sind mächtige Wolken, die sich über mehrere Höhenschichten erstrecken.
Pro Familie werden zumeist zwei Gattungen nach der Richtung ihrer Ausdehnung unterschieden: Die haufenförmigen Wolken (Cumulus) und schichtförmigen Wolken (Stratus). Nur in der oberen Cirro-Schicht gibt zudem Schleierwolken (Cirrus), die vollständig aus Eiskristallen bestehen. In der unteren Strato-Schicht kann eine Mischform zwischen Stratus und Cumulus auftreten (Stratocumulus). Insgesamt ergeben sich 10 Gattungen. Der Name der Wolke setzt sich aus Stockwerk und der Gattung zusammen. Für hohe Wolken wird die Silbe Cirro-, für mittlere Wolken Alto- und bei vertikal mächtigen Wolken Nimbo- verwendet. Bei tiefen Wolken wird die Strato-Silbe weggelassen. Nur bei den alle Höhenstufen durchragenden Wolkentürmen wird die strenge Taxonomie durchbrochen, sie werden Cumulonimbus genannt.
Die Arten beschreiben dann die Gestalt der Wolken, zum Beispiel, ob sie linsenförmig (lenticularis) oder schichtartig (stratiformis) sind. In den Unterarten werden weitere Eigenschaften wie Lichtdurchlässigkeit und Anordnung beschreiben.
Arten:
calvus kahl, entblößt
capillatus haarig, flaumig
castellanus zinnenartig, türmchenförmig
congestus mächtig aufgetürmt, blumenkohlartig
fibratus faserig
floccus flockig
fractus fetzenartig, zerrissen
humilis flach, niedrig
lenticularis linsen, mandelförmig
mediocris von mittlerer Größe
nebulosus nebelartig
spissatus dicht, dick
stratiformis schichtförmig
uncinus hakenförmig
Unterarten:
duplicatus in mehreren Schichten
intortus verflochten
lacunosus lückenhaft, netz, wabenförmig
opacus schattig, dicht, lichtundurchlässig
perlucidus durch Zwischenräume hindurchscheinend
radiatus strahlenförmig
translucidus durchscheinend
undulatus wellenförmig
vertebratus fischgräten, skelettartig
Der Vielfalt der Wolkennamen wurde zwar Struktur, aber kaum eine Grenze gegeben. So ist beispielsweise Altocumulus stratiformis perlucidus eine mittelhohe Haufenwolke, die sich schichtförmig über eine große Fläche erstreckt und die kleine Lücken zwischen den Wolkenteilen aufweist, durch die man den Himmel sieht. Für Romantiker werden es aber es weiterhin schlicht Schäfchenwolken sein.
Quellen: Dipl.-Met. Christian Herold: Wolkenklassifikation. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 05.09.2013
Erstellt am 7. September 2013
Zuletzt aktualisiert am 12. September 2013
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