Wetter

Pfingstwetter durch umgekehrte Omega-Wetterlage

von Holger Westermann

Am Freitag vor dem Pfingstwochenende 2013 wurden in Berlin und Wien rund 25, in Aachen (tief im Westen Deutschlands) aber nur 9°C als Tageshöchsttemperatur gemessen. Deutlicher kann die ungewöhnliche Wetterlage nicht illustriert werden. Im Osten sommerlich sonnig und warm, im Westen hingegen unbeständig und deutlich kälter. Im Grenzbereich zwischen den unterschiedlichen Luftmassen entstehen immer wieder Gewitter mit Starkregen, gebietsweise mit Hagel. Von Freitag früh bis Samstag früh summierten sich die Regenmengen im Bereich Osthessen-Thüringen auf etwa 50 l/m². Im Norden Bremens fiel zwischen 20:20 und 20:50 Uhr 25 l/m² Regen. Verantwortlich ist dafür die umgekehrte Omega-Wetterlage.

Die Luftmassengrenze parallel zum Rhein verlagert sich nur sehr zögerlich nach Osten. Sie entsteht an der Vorderseite eines ausgeprägten Tiefdruckbereiches von Island über Frankreich und das westliche Mittelmeer bis nach Nordafrika. Westlich und östlich davon dominiert hoher Luftdruck, der die Kette von Tiefdruckgebieten flankiert und damit deren Ost-Verschiebung abbremst oder sogar verhindert. Wird diese Luftdruckverteilung vom georgraphischen Nordpol aus betrachtet (ein meteorologischer Bezugspunkt) erinnert die Tiefdruckeinstülpung in die Hochdruckumgebung an den griechischen Buchstaben Omega. Da alle modernen Landkarten, auch meteorologische, nach Norden weisen, steht das Omega bei normaler Kartenansicht auf den Kopf. Deshalb spricht man von einer umgekehrten Omega-Wetterlage.

Deutschland liegt im Moment zwischen einem Hochdruckbereich mit schönen und warmen Wetter über Osteuropa und Tiefdruckgebieten mit feucht kaltem Wetter über den Britischen Inseln sowie Frankreich. Dazwischen bildete sich eine starke Luftmassengrenze mit turbulentem aber ortsstabilem Wetter.

Für Deutschlands Westen bedeutet dies nichts Gutes, das Wetter bleibt stabil schlecht: Kalt und regnerisch mit der Option auf unwetterartige Gewitter. Erst am Samstag und Sonntag verschiebt sich die Luftmassengrenze langsam nach Osten, dann erreicht die garstige Witterung auch Ostdeutschland, Bayern und Österreich. Von Frankreich her rücken jedoch neue Gewittertiefs nach, Starkregen und Hagel sind weiterhin möglich.

So bleibt die Hoffnung, dass sich nach dieser umgekehrten Omega-Wetterlage nun bald eine echte Omega-Wetterlage etabliert. Dabei handelt es sich dann um eine stabile Druckverteilung, mit einem kräftigen Azorenhoch über Mitteleuropa, das den Ansturm atlantischer Tiefdruckgebiete blockiert oder im weiten Bogen nach Norden ablenkt. Für Mitteleuropa bedeutet das Sonnenschein und sommerliche Wärme bei geringer Luftbewegung – das Luftdruck-Omega muss sich dafür nur einmal umdrehen.

Quellen:

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Deutschland im Bereich einer umgekehrten Omega-Wetterlage. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 16.05.2013

Dipl.-Met. Dorothea Paetzold: Pfingsten mal so, mal so... . Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 18.05.2013

Erstellt am 18. Mai 2013
Zuletzt aktualisiert am 18. Mai 2013

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