Erste Anzeichen: Wund im Mund und an anderen Schleimhäuten
Rheuma-Schicksal: Morbus Behçet ist genetisch mit Morbus Bechterew und Psoriasis assoziiert
Morbus Behçet ist eine chronische Entzündung der kleinen Blutgefäße, wodurch sich an den Schleimhäuten oft schmerzhafte Aphten (kleine flächige Entzündungen) bilden. Aber auch die Haut und Gelenke können betroffen sein. Kritisch ist eine Entzündung kleiner Blutgefäße im Auge und in den inneren Organen, hier sind langfristige Schäden möglich. Einen ersten Hinweis auf genetische Ursachen ergab sich aus der Verbreitung der Erkrankung entlang der historischen Seidenstraße. Insbesondere an deren Endpunkten in Asien und der Türkei tritt Morbus Behçet auffallend häufig auf. Betroffen sind zumeist Männer in der dritten Lebensdekade. In der Türkei leiden vier Prozent der Erwachsenen darunter, generell liegt die Erkrankungswahrscheinlichkeit dagegen unter 1:100.000. Die nun eindeutige genetische Zuordnung zu rheumaartigen Erkrankungen eröffnet neue Therapieoptionen.
Ein Zusammenhang zwischen der Autoimmunerkrankung Morbus Behçet und generalisierten Entzündungen wie Rheuma wurde schon seit langem vermutet. Nun hat ein japanisch-türkisches Forscherteam vier neue Gene identifiziert, die auf eine enge genetischen Nähe zu Rheuma-Erkrankungen hinweisen. Bisher waren drei Genorte bekannt, die solch eine Verwandtschaft bei der Erkrankungsdisposition nahelegten. Dabei ist offensichtlich, dass nicht einem dieser Faktoren allein die Schlüsselposition zukommt. "Jeder der genetischen Faktoren kann ein wenig zu dem allgemeinen Erkrankungsrisiko beitragen", erläutert Dr. Elaine F. Remmers, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachgruppe für Entzündungserkrankungen am National Human Genome Research Institute (NHGRI, Belthesda, Maryland, USA).
Von den vier neu identifizierten Genbereichen war bereits bekannt, dass sie bei der Immunregulation eine wichtige Rolle spielen. Die nun festgestellt enge genetische Nähe von Morbus Behçet mit weitverbreiteten entzündliche Erkrankungen wie Schuppenflechte, entzündliche Darmerkrankungen und Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) erlaubt es ganz gezielt nach neuen Therapieansätzen gegen die in ihrer leichten Form sehr lästige, in ihrer schweren Form aber auch lebensbedrohliche Seidenstraßen-Krankheit zu suchen.
Quellen: Morbus Behçet: Genetische Nähe zu Bechterew und Psoriasis. Deutsches Ärzteblatt Online, veröffentlicht am 07.01.2013
Kirino, Y. et al. (2013): Genome-wide association analysis identifies new susceptibility loci for Behçet's disease and epistasis between HLA-B*51 and ERAP1. Nature Genetics: doi:10.1038/ng.2520, online veröffentlicht am 06.01.2013
Genetic mystery of Behcet's disease unfolds along the ancient Silk Road. Pressemitteilung des National Human Genome Research Institute, online veröffentlicht am 06.01.2013
Erstellt am 8. Januar 2013
Zuletzt aktualisiert am 9. Januar 2013
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