Wetter
12.06.2012: Wetterempfindliche leiden am Wochenende unter Schwüle
Bis zum Donnerstag bleibt es mit Tageshöchstwerten zwischen 14 und 21°C recht kühl, am Donnerstagmorgen bei 4°C sogar kalt. Ab Freitag strömt feuchtwarme Luft nach Deutschland, am Wochenende sind Temperaturen über 30°C möglich. Dabei wird es ab Samstag unter einer nahezu geschlossenen Wolkendecke sehr schwül. Wetterempfindliche Menschen leiden besonders unter der drückenden Schwüle. Durch ihre angegriffene Gesundheit können sie sich nicht mehr optimal auf die belastenden Wetterverhältnisse einstellen. Erst die Schauer und Gewitter am Nachmittag oder abends bringen gebietsweise Abkühlung und lindern die Beschwerden.
Schwüle ist eine besondere Herausforderung für die Wärmeregulation des Organismus. Für den Menschen sind rund 36,5°C Kerntemperatur optimal. Schon wenig Grad darunter beginnt die Unterkühlung, doch dramatischer ist eine zu hohe Temperatur. Ein Grad mehr und Ärzte sprechen von einer „erhöhten Temperatur“, ab 38°C von Fieber. Überschüssige Körperwärme, die beim normalen Stoffwechsel und bei Muskelaktivität reichlich entsteht, muss also zuverlässig abgeführt werden. Bei normaler Aussentemperatur um die 20°C ist das auch kein Problem, die Umgebungsluft nimmt die Wärme auf. Steigt die Temperatur an, reduziert sich die Temperaturdifferenz zwischen Luft und Körper, ein Hitzestau droht. In einer ersten Reaktion erhöht der Körper die Fläche zum Wärmeaustausch indem die Adern ihr Volumen vergrößern. Damit vergrößert sich die Fläche, mit der das wärmeleitende Blut an der Hautinnenseite vorbei streift, die Hautoberfläche kann mehr Wärme abgeben. Ein zweiter Schritt ist die Vergrößerung der Luftmenge an die die Körperwärme abgegeben werden soll – der Mensch stellt sich in den Wind. Im dritten Schritt beginnt der erhitzte Körper zu schwitzen. Die Flüssigkeit verdunstet auf der Haut, da trockene warme Luft Feuchtigkeit aufnimmt, dabei wird physikalische Energie in Form von Wärme verbraucht. Wenn Wärme „verbraucht“ wird, wird die Umgebung gekühlt, diese Umgebung ist die Hautoberfläche.
Bei schwülem Wetter rinnt jedoch der Schweiß die Haut hinunter ohne zu verdunsten. Die Luft ist mit Feuchtigkeit gesättigt, der kühlende Effekt bleibt aus, der Körper leidet unter einem Hitzestau. Deshalb wechselt die Physiologie unter diesen Bedingungen auch in einen Stand-by-Modus: Keine weitere Muskelbewegung, Verdauung reduzieren, Kreislauf herunter fahren. Die Menschen fühlen sich schlapp und antriebslos, jede Anstrengung wird zum Kraftakt, schwer verdauliche Kost erzeugt Widerwillen. Für wetterempfindliche Menschen mit einer chronischen Erkrankung sind solche Wetterbedingungen besonders belastend.
Zur Definition der Schwüle sind zwei Faktoren wichtig: die Temperatur und der Feuchtegehalt der Luft. Dabei unterscheiden die Meteorologen zwei Varianten des Feuchtegehalts, die absolute und die relative Luftfeuchtigkeit. Für die absolute Feuchtigkeit wird der tatsächlich in der Luft vorhandenen Wasserdampf pro Kubikmeter Luft gemessen. Bei der relativen Feuchtigkeit wird die absolute Feuchtigkeit ins Verhältnis zur maximal möglichen gesetzt. Denn je höher die Lufttemperatur steigt, um so mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen – das ist ein physikalisches Phänomen.
Ein Schwüleempfinden stellt sich ab einem Grenzwert von 13,5 g Wasserdampf pro Kubikmeter Luft (absolute Feuchtigkeit) ein. Diese Feuchtigkeitsmenge kann die Luft aber erst ab 16°C aufnehmen, darunter ist es physikalisch nicht möglich. Daher leiden selbst besonders sensible Menschen erst oberhalb von 16°C unter Schwüle. Bei höheren Temperaturen ist die Schwelle zum Schwüleempfinden schon bei geringerer relativer Feuchtigkeit erreicht: Bei 20°C reicht bereits eine relative Feuchtigkeit von 78 % aus, bei 25°C sind es 60 %, bei 30°C genügen 45 % und bei 35°C nur noch 34 %. Bei schwülem Wetter belasten hohe Temperaturen den menschlichen Organismus stärker als bei trockener Luft, deshalb liegt die physiologisch wirksame „gefühlte Temperatur“ bei hoher Luftfeuchtigkeit auch deutlich über dem Messwert am Thermometer.
Quellen: Dipl.-Met. Simon Trippler: Schwüle am kommenden Wochenende. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.06.2012
Erstellt am 12. Juni 2012
Zuletzt aktualisiert am 19. September 2012

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