Wetter

Der Frühling ist ein Wandersmann

von Holger Westermann

Letzte Woche haben wir uns eher theoretisch mit dem phänologischen Kalender beschäftigt, der sich nicht an festen Daten oder astronomischen Konstellationen orientiert, sondern den Blick auf das Werden und Vergehen in der Natur richtet. Inzwischen kann jedermann und auch jede Frau beim Spaziergang sehen, dass für Pflanzen und Tiere der Winter vorbei ist. Selbst Raureif am Morgen und nur sehr langsam über +5°C kletternde Temperaturen ändern daran nichts. Denn ab 10:00 Uhr, wenn die Sonne hoch genug steht, verschwinden Morgennebel und Reif und die +10°C werden vielerorts erreicht auch wenn es im Schatten noch kühl bleibt.

Mit der Blüte der Schneeglöckchen, zum Leidwesen der Allergiker auch Hasel und Erle, beginnt Vorfrühling. Entlang der Flüsse Rhein, Main und Neckar ist das schon sehr zeitig im Jahr der Fall. In anderen Gegenden Deutschlands erblühen die gleichen Pflanzen erst Wochen später. Der Frühling wandert von Süden nach Norden. Dabei erweist er sich als durchaus sportlicher Wanderer. Immerhin 30 km schafft er am Tag. Nach etwa einem Monat ist er vom Bodensee in Baden ausgehend schließlich am Kap Arkona auf der Insel Rügen angekommen. Wie es sich für einen zünftigen Wanderer gehört, sucht der Frühling auch die vertikale Herausforderung. Er klettert, wenn auch recht zaghaft. Mehr als 30 Meter am Tag sind nicht zu schaffen. Für 200 Höhenmeter braucht er eine Woche, bis zum Gipfel des Feldbergs (rund 1500 Meter über dem Meeresspiegel, Freiburg liegt bei rund 300 Höhenmeter) ist mit einer phänologischen Verzögerung von sechs Wochen zu rechnen.

Aber wie kann man so etwas feststellen? Dazu unterhält der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein phänologisches Beobachtungsnetz aus rund 1300 ehrenamtlichen aktiven Beobachtern, die insgesamt 167 Entwicklungsstadien verschiedener Kulturpflanzen und der natürlichen Vegetation registrieren und diese einmal jährlich zu melden. Außerdem gibt es etwa 400 Sofortmelder, die 74 ausgewählte Entwicklungsstadien (wie eben die Schneeglöckchenblüte) unverzüglich an den DWD übermitteln.

Nach jetzigem Kenntnisstand sieht es so aus, als ob ab Mitte der kommenden Woche auch Frühlingstemperaturen in Deutschland Einzug halten. So wird man wohl fast überall die Sonne genießen können. Vor allem im Südwesten werden dann schon 15°C erreicht, in günstigen Lagen können es auch 20°C werden.

Quellen:

M.Sc. Met. Stefan Bach: Tempo 30 gilt auch für den Frühling. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 09.03.2012

Erstellt am 9. März 2012
Zuletzt aktualisiert am 20. März 2014

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