Wetter

Der phänologische Kalender: Was uns im März so alles blühen kann ...

von Holger Westermann

Die Phänologie (griechisch „mir erscheint“ und –logie für „die Lehre von“) beschreibt die periodischen biologischen Prozesse, die Entwicklungsstadien charakteristischer Pflanzenarten oder die Änderungen im Verhalten der Tiere. Wann erblühten die ersten Schneeglöckchen, wann erklang erstmals Meisengezwitscher? Das Auftreten dieser Naturerscheinungen wird im phänologischen Kalender festgehalten, der zehn statt der üblichen vier Jahreszeiten kennt: Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter.

Der phänologische Kalender kennt keine präzisen Daten, aber eine präzise Abfolge der Ereignisse. Je nach Lage eines Ortes kann die Frosythienblüte zwei Wochen früher oder später einsetzen, sie wird aber immer erst nach dem Erblühen von Schneeglöckchen, Hasel und Erle stattfinden. Auch die Regel Rosen erst nach der Frosythienblüte zu schneiden gilt allerorten und in jedem Jahr. Für einige Ereignisse, beispielsweise die Apfelblüte, gibt es schon sehr alte Aufzeichnungen. Daran lassen sich die Verschiebungen der phänologischen Jahreszeiten und damit der Lebensbedingungen für die Menschen in historischen Zeiten rekonstruieren. In jüngster Zeit werden diese Quellen auch in Hinblick auf den Klimawandel ausgewertet, denn für das letzte Jahrhundert lässt sich feststellen, dass die Frühlingsphasen immer früher eintreten.

Im Verlauf des März beginnt der phänologische Kalender mit den Vorfrühling, dem Start in eine neue Vegetationsperiode. Den Anfang machen Krokus, Hasel und Erle gefolgt von Pappel und Weide. Ende des Monats beginnt die Blüte von Birke und Esche. Für Menschen mit allergischen Atemwegsbeschwerden eine sehr schwierige Zeit, für sie ist der wichtigste phänologische Kalender die Pollenflugvorhersage. Aber auch wetterempfindliche Menschen haben nicht ausschließlich positive Frühlingsgefühle. Der März als Übergangsmonat vom tiefsten Winter zum "Sommer" bringt eine Achterbahnfahrt von strengen Frost zum Sommertag mit Sonnenschein und am nächsten Tag herrscht tristes Novemberwetter oder es fällt Schneeregen.

Gerade Menschen mit sehr niedrigem Blutdruck (Hypotonie) leiden unter der Frühjahrsmüdigkeit, weil sich ihr Kreislauf nur sehr schwer an die wechselnden Bedingungen anpassen kann. Da Jugendliche in der Wachstumsphase und junge Frauen sehr häufig von Hypotonie betroffen sind, stellen die diesjährigen Termine für das schriftliche Abitur in Hessen und Baden-Württemberg gerade für Abiturientinnen eine besondere Herausforderung dar. Bei der Energieversorgung sollten sie auf Cola und Schokoriegel verzichten, denn das provoziert die Insulinausschüttung und der Kreislauf saust vollends in den Keller. Besser ist eine kontinuierliche Zufuhr von Zucker in geringer Konzentration: Apfel essen und Wasser trinken statt Apfelsaft pur.

Aber auch andere wetterempfindliche Menschen leiden unter den Temperaturschwankungen in Kombination mit hoher Pollenbelastung. Menschen mit zu hohem Blutdruck und Arteriosklerose leiden unter der Doppelbelastung und sollten sich regelmäßig über den aktuellen Einfluss des Wetters auf ihre Beschwerden informieren. Bei Menschen mit Neigung zu depressiven Verstimmungen kann dieser märztypische Wechsel von warmen sonnigen Tagen zu Frost oder nasskaltem Wolkenwetter die Stimmungsschwankungen verstärken. Das Frühlingserwachen im März ist der Start in ein neues phänologisches Jahr, für manchen fällt er nur etwas holperig aus.


Phänologische Jaheszeiten
beim Deutschen Wetterdienst (DWD)

Phänologischer Kalender bei der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)

Quellen:

Dipl.-Met. Christoph: Was uns im März so alles blühen kann ...   Nach der Rückschau der letzten Tage heute eine potenzielle Vorschau. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 03.03.2012

Erstellt am 3. März 2012
Zuletzt aktualisiert am 20. März 2014

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Pack’ den Wintermantel aus …

… denn jetzt kommt nochmals polare Kaltluft nach Mitteleuropa. Ab Mittwoch ändert sich die Wetterlage grundlegend. Statt wärmende Sonnenstrahlung der letzten Tage wird dann ein Kälteeinstrom mit Regen, Graupel und Schnee die Luft drastisch abkühlen.  weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Temperatur triggert den Herztod

Bei Klima und Wetter ist nicht Hitze sondern Kälte der wirkmächtigste Risikofaktor für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine aktuelle Studie an erwachsenen US-Amerikanern bestätigt weltweit erhobene Daten. weiterlesen...


Patienten-Arzt-Gespräch

Heutzutage ist es aus vielen Gründen für jüngst Erkrankte einfacher zum Computer zu gehen als zum Arzt. Erst einmal im Internet nachsehen, was die Symptome bedeuten, welche Krankheit die Gesundheit angegriffen hat. Doch sitzt man dann im Sprechzimmer, will der Arzt davon gar nichts wissen - warum eigentlich nicht? weiterlesen...


Wer als Senior noch Sex hat, bleibt klarer im Kopf

Alt ist relativ und beim aktiven Sexualleben ist neben der Regelmäßigkeit auch die subjektive Qualität relevant, damit der sinnlich motivierte Körper einen frischen Geist belebt. weiterlesen...


Risikowetter bei Atemnot

Für Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atmung ist Wetter eine saisonal wechselhafte Herausforderung für die Gesundheit. Das gilt sogar für Spanien, wo die Winter milder und die Sommer noch heißer sind als hier in Mitteleuropa. Auch dort werden während der kühleren Jahreszeit mehr Menschen mit Atemwegserkrankungen in Kliniken eingeliefert als im extrem heißen Sommer. Andererseits verlaufen die akuten Krisen bei Hitze deutlich häufiger dramatisch bis tragisch. weiterlesen...