Jugendliche diesmal besonders stark gefährdet

Beginnt die „Grippewelle“ heuer (in diesem Jahr) früher?

von Holger Westermann

Aktuell ist die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen noch auf einem moderaten Niveau. Zumeist plagen hierzulande harmlose Schnupfenviren, echte Grippe und Corona sind noch selten - aber schon messbar. Und seit einigen Wochen steigen die Influenza- und COVID-19-Fallzahlen langsam an.

Ein Blick in andere Regionen der Nordhalbkugel mit ähnlichen klimatischen Bedingungen und vergleichbarem Kontaktverhalten unter den Menschen wie Großbritannien und die US-Westküste oder Japan zeigt dagegen bereits eine ungewöhnlich frühe und hohe Infektionsdynamik. Dabei fällt eine besondere Variante der Grippeviren auf (H1N1, Mutation G155E), der von vorhandenen Antikörpern schlechter erkannt und abgewehrt wird. Besonders betroffen sind dabei „unerfahrene“ Immunsysteme von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ansonsten als besonders robust gelten. In Japan mussten bereits Schulen und Universitäten geschlossen werden, um eine Ausbreitung zu verhindern (und ohnehin war ein für alle angemessener Unterricht nichtmehr möglich).

Auch hierzulande steigen die Erkrankungen aufgrund von Atemwegsinfektionen durch Viren deutlich an, wenn auch noch auf niedrigem Niveau: COVID-19 um rund 30% (von 0,70 auf 0,90 laborbestätigte Fälle je 100.000 Einwohner) und bei der Grippe/Influenza um rund zwei Drittel (von 0,34 auf 0,55); nur beim Respiratorisches Synzytialvirus/RSV blieb die 7-Tage-Inzidenz konstantl (0,2).

So ist noch nicht sicher, dass die schon so früh beginnende Virusverbreitung letztendlich auch in Deutschland zu einer stärkeren Grippewelle führen wird. Denn ein früher „Saisonbeginn“ bedeutet nicht zwangsläufig einen schwereren Verlauf. Andererseits könnte der nun anstehende Wetterwechsel, von hochdruckgeprägtem Sonnenschein mit sehr milden Tagesmaxima an die 20°C hin zu regnerisch-windigem Tiefdruckwetter mit Tageshöchsttemperatur um 10 bis 15°C, das Infektionsrisiko noch einmal steigern. Niedrige Lufttemperatur mit hoher Luftfeuchte oder gar Regen und Wind senken die gefühlteTemperatur deutlich unter den Thermometerwert. Darauf reagiert der Körper spürbar mit Frösteln und wechselt in den Energiesparmodus - leider auch mit reduzierten Immunabwehr. Gleichzeitig bleiben Viren in feuchtkalter Umgebung länger infektiös.

Die aktuelle Entwicklung der Atemwegsinfektionen können Sie auf der Webseite „Infektionsradar“ vom Robert-Koch-Institut und dem Bundesministerium für Gesundheit verfolgen. Oder Sie lassen sich alsbald gegen COVID-19 und Grippe impfen.

Quellen:

Lenharo, M. (2026): Flu season could kick off ‘incredibly’ early — what scientists are watching. Nature News vom 06.10. 2026.

Erstellt am 16. Oktober 2026
Zuletzt aktualisiert am 16. Oktober 2026

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