Wetter

Gefühlter Herbst beginnt

von Holger Westermann

Ein sehr sonniger, sehr heißer und sehr trockener Sommer 2022 wandelt sich nun in einen nassen, windigen und überraschend kühlen Herbst. Für Ackerbau und Natur sowie manchen Garten mit Rasen bedeutet das Linderung der Trockenheit, für Freibadenthusiasten das vorzeitige Saisonende.

In den vergangenen Tagen gab es endlich den langersehnten Regen. Dürre Regionen wurden wieder einmal besprengt, die Vegetation angeregt; doch bis sich Flußpegel wieder normalisieren bedarf es noch weiterer Wasserzufuhr. Trockenheit und Hitze des zurückliegenden Bilderbuchsommers verursachten jedoch nicht nur ein veritables Wasserdefizit in Mitteleuropa, sondern veränderten auch die Wahrnehmung des Wetters: Man hat sich hierzulande an die mediterrane Umgebung gewöhnt. Um so drastischer wird nun der Wechsel auf ganz normales mitteleuropäisches Herbstwetter empfunden.

Die ersten ergiebigen Regenfälle brachte das Tiefdruckgebiet „Peggy“. Mit der Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum schob es immer wieder, feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. Eingebettet waren darin Schauer und Gewitter oder teils auch mal etwas länger anhaltende und schauerartig verstärkte Regenfälle mit örtlich 30 bis 60  Liter pro Quadratmeter innert ein bis zwei Stunden. Dies entspricht deutlich über der Hälfte der durchschnittlichen Monatssumme für September.

Nach dem Abzug von „Peggy“ gen Osten und vorübergehendem Hochdruckeinfluß mit Sonnenschein und lauen Abenden stürmt in den kommenden Tagen (nach dem 12. September) das Tief „Queenie“ heran. Die ersten Fronten, die vom Nordwesten über Benelux und Nordfrankreich nach Deutschland ziehen, bringen ein breites Band mit mäßigem Regen. Diese treffen über den nördlichen Mittelgebirgen auf feuchte und warme Luftmassen, die in den Vortagen aus dem Südwesten eingeflossen sind. Das war unter anderem meteorologische Reste des ehemaligen Hurrikane „Danielle“, der inzwischen als ausgeprägtes Tiefdruckgebiet vor der galizischen Küste (Spanien) liegt. Mit dem Aufeinandertreffen dieser feucht-warmen Luft im Süden und der kühlen Luft von „Queenie“ bildet sich eine markante Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands, die sich von West nach Ost erstreckt und den Norden vom Süden trennt.

Entlang dieser Luftmassengrenze beginnt es, kräftig zu regnen und später auch zu gewittern. Dann regnet es in einem Streifen, der sich voraussichtlich vom südlichen Nordrhein-Westfalen über die Mitte bis nach Sachsen erstreckt teils unwetterartig. Je nach Betrachtungszeitraum über 6, 12 oder 24 Stunden sind markante Mengen zu erwarten. Über wenige Stunden können dabei - vor allem verstärkt durch eingelagerte starke Schauer und Gewitter - schnell 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen. Darüber hinaus regnet es aber insgesamt auch noch längeranhaltend, sodass über einen längeren Zeitraum auch 50 bis 60, im Extremfall vielleicht sogar 80 Liter fallen können. Dazu weht ein ruppiger, örtlich stürmischer WInd.

Wolkenverhangener Himmel schirmt die Strahlungswärme der Sonne ab, die Lufttemperatur sinkt, Regen kühlt die Luft, hohe Luftfeuchte und Wind unterstützen den Wärmetransport weg vom Körper - die gefühlte Temperatur sinkt viel stärker als es der Thermometerwert anzeigt. Hinzu kommt noch der psychologische Effekt, dass man seit Wochen kein garstiges Wetter mehr erlebte. Die Entwöhnung vom Sommer ist heuer (in diesem Jahr) ein besonders drastischer „kalter Entzug“. Es lohnt, ab jetzt die leichten Jacken - auch Regenjacken - griffbereit zu halten.

Quellen:

Dipl.-Met. Marcel Schmid: Verbreitet langersehnte Linderung der Trockenheit. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 11.09.2022

M.Sc. Felix Dietzsch: Queenie. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.09.2022

Erstellt am 13. September 2022
Zuletzt aktualisiert am 13. September 2022

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