Wetter

Frühlingspause Mitte Mai

von Holger Westermann

Heuer (in diesem Jahr) wird der Frühling nicht durch den Kaltluftvorstoß während der Eisheiligen (vom 11. bis 15. Mai) unterbrochen, sondern durch einen kräftigen, über mehrere Tage stabilen Warmluftzustrom. Die Menschen in Mitteleuropa erleben eine vorzeitige Frühsommerepisode - und damit eine überraschende Herausforderung für ihre Gesundheit.

Die letzten Wochen bestimmte ein Reigen von Tiefdruckgebieten das Wetter hierzulande. Deren Zugbahn flankierten und stabilisierten Hochdruckgebiete über dem Ostatlantik und Westrussland. Jede Passage eines Tiefs vom Atlantik über Mitteleuropa hinweg führte zunächst milde Luft und anschließend Kaltluft heran. Das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Luftmassen brachte stets Wind und Regen, manchmal sogar noch einmal Schnee oder Graupel, mancherorts sogar Gewitter. Längere sonnige Phasen mit spürbar ansteigender Lufttemperatur waren bislang in diesem Frühjahr selten.

Doch jetzt verlagert das ausgeprägte Hochdruckgebiet „Wolf“ seinen Schwerpunkt von der Nordsee nach Osteuropa. Mitteleuropa liegt dann auf der Westflanke und aufgrund der Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum erreichen mit dem Südwind Warmluft und Sonnenschein zunächst den Westen und Südwesten und dann in Verlauf der kommenden Tage nord- und ostwärts alle Regionen.

Inzwischen steht die Sonne schon sehr hoch am Himmel, die Strahlungsintensität ist schon sommerlich intensiv und der lichte Tag schon fast maximal lang. Zwar fehlen bis zur Sommersonnenwende noch sechs Wochen, doch der Zugewinn an Sonnenstunden und das schwinden der Nacht ist bereits deutlich langsamer als um den Termin der Tagundnachtgleiche zu Frühlingsbeginn.

Entsprechend steigt die Temperatur bei wolkenfreiem Himmel aufgrund der Sonnenstrahlung rasch auf Maxima, die für einen meteorologischen Sommertag ausreichen, über 25°C bis 30°C. Lediglich an der See und an den Alpen dämpfen Wolken die Einstrahlung und verhindern eine starke Erwärmung. An der Nordsee weht zudem ein auflandiger Wind, so dass die Luft über der Nordsee spürbar herunter gekühlt wird und damit die gefühlte Temperatur deutlich frischer sein sein wird als andernorts in Mitteleuropa. Am Oberrhein sowie im Rhein-Neckar-Raum sind sogar Tagesmaxima über 30°C möglich - das wären dann die ersten meteorologisch „heißen Tage“ in diesem Jahr.

Diese erster Sommerepisode wird nicht allzu lange währen, aber nachhaltig wirken: Frost am Morgen muss man nun auch nach sternklaren Nächten nicht mehr fürchten. Die wetterfokussierende Vorsicht sollte sich vielmehr auf das Sonnenbrandrisiko richten. Durch die garstig wechselhafte Wetterphase der letzten Wochen ist die Haut der meisten Mitteleuropäer noch weitgehend sonnenentwöhnt und deshalb besonders empfindsam. Auch Frischluftsportler oder Gartenfreunde sollten sich nicht übermäßig körperlich belasten; in diesem Jahr fehlt noch die  Erfahrung, wann die persönliche Belastungsgrenze erreicht wurde bevor Hitzestich und Hitzschlag drohen. Euphorie durch Sonnenschein ist ein idealer Stimulator aber kein besonders zuverlässiger Mentor für die Gesundheit.

Quellen:

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Erster Sommeranlauf des Jahres - lokal heiße Tage in Sichtweite! Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 08.05.2022

Erstellt am 8. Mai 2022
Zuletzt aktualisiert am 9. Mai 2022

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