Wetter

Frostiges Sonnenscheinwetter

von Holger Westermann

Es ist Winter in Mitteleuropa. Letzte Woche wurden weite Landschaften mit Schnee überzogen, mancherorts mehr als es Menschen und Räumdienste gewohnt waren. Derzeit herrscht Winter wie man ihn aus der Erinnerung, aus Erzählungen oder vom Kalenderblatt kennt: Mit strengem Frost in der Nacht und am frühen Morgen, mit milder Kälte tagsüber und schneebedeckter Landschaft - immer öfter mit gleißendem Sonnenschein über den Schneeflächen.

Das Hoch „Helida“ verlagert sich von Skandinavien südwärts über Deutschland an die Alpen und ostwärts der Donau. Im Gegensatz zum Auftakt der Winterintermezzos mit Schnee und Sturm breitet sich nun ruhiges, meist trockenes und sonniges Wetter über Mitteleuropa. Lediglich im Osten können sich durch ein kleines ostwärts abziehenden Höhentief noch ein paar Schneewolken bilden. In sternklaren Nächten strahlt die Restwärme des Bodens ungehindert von Wolken ins Weltall ab. Selbst strenger Frost ist im Vergleich zu den -270°C noch „warm“ und kann Energiestrahlung dorthin abgeben.

Nach den wolkenverhangenen und schneereichen, mancherorts auch anhaltend regnerischen Tagen und Wochen wirkt der Sonnenschein über schneebedeckter Landschaft besonders positiv aufs Gemüt, verbessert das Wohlbefinden und stimuliert das Immunsystem. Vom intensiven Lichtreiz profitiert vor allem die Schlafqualität, dadurch wird die Ausschüttung des Glücks- und Wachphasenhormon Serotonin angeregt. Finstere Nacht (ohne TV und Computerbildschirm) stimuliert die Ausschüttung des Gegenspielerhormons Melatonin, das einen guten Schlaf ermöglicht - insbesondere wenn der Serotonin-Melatonin-Wechsel besonders deutlich ist. Insofern ist die aktiuelle Wetterlage gesundheitsförderlich, wenn man tagsüber in gut wärmender Kleidung dem Lichtreiz eine Chance gibt.

An der Rückseite (Westflanke) des ostwärts abziehenden Hochs „Helida“ gelangt in den kommenden Woche mildere Luft nach Mitteleuropa. Der bislang strenge Frost wird milder, im Westen kann der Thermometerwert auch wieder über den Gefrierpunkt steigen. Da es beim tagsüber sonnigen und nachts sternklaren Hochdruckwetter bleibt, schwindet die Schneedecke vielerorts sehr zögerlich. Infolgedessen ist es morgens allerorten zuverlässig frostig kalt. Tagsüber durch Sonnenstrahlung auf schwarzem Asphalt auftretendes Tauwasser wird dann zu Glatteis gefrieren.

In der neuen Woche wird hierzulande wahrscheinlich ein Tief mit Zentrum über dem Nordatlantik wetterwirksam. Seine Ausläufer führen mildere, aber auch feuchte Luft heran. Wo die Luftmassen zusammentreffen, die Warmfront des Atlantiktiefs und die trockene, frostig ausgekühlte des Hochdruckgebiets, bildet sich wieder eine mächtige Niederschlagsfront. Es wird wieder heftig schneien und auch zu regnen - mit der Gefahr intensiver Glatteisbildung. Für die Menschen in Mitteleuropa bleibt aber noch ein „schönes Winterwochenende“ mit schneebedeckten Landschaften und Sonnenschein.

Quellen:

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn: Schönes Wochenende! Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.02.2021

Erstellt am 12. Februar 2021
Zuletzt aktualisiert am 12. Februar 2021

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