Wetter

Auf Wärme folgen Regen und Schnee

von Holger Westermann

Mit dem Sturmtief „Goran“ wurde Mitteleuropa mit sehr milder Luft geflutet. In den Tallagen schwanden die Schneereste bei 10 bis 13, mancherorts auch 16°C. Nur in höheren Lagen konnten sich im Windschatten größere weiße Flächen halten. Doch die Erwärmung wird nur wenige Tage währen, dann folgen wieder Kälte, Regne und Schnee. Ein rasanter Wetterwechsel, durch den Gesundheit und Wohlbefinden empfindlicher Menschen strapaziert wird.

Stürmisch und teils ungewöhnlich mild war es in den letzten Tagen. Das Tiefs „Goran“ verlagerte sich von der Nordsee in Richtung Skandinavien und führte mit seiner Warmfront feuchtmilde Atlantikluft heran. Die nachfolgende Kaltfront brachte sehr frischen Wind, der zunächst die warme und feuchte Luft vor sich her schob. An den Alpen konnten sich in einzelnen Tälern sogar ein Föhnsturm entwickeln. Wo der kalte Wind durchbrach sank die Temperatur sehr rasch von 10 bis 13°C auf 4 bis 7°C, in exponierten Luv-Lagen (dem Wind zugewandt) auch auf 2°C.

Damit ist das Warmluftintermezzo in Mitteleuropa vorerst beendet. Die Wetterlage stellt sich um, da sich der Jetstream nach Südeuropa verlagert. Dieses Starkwindband (etwa 250km/h) in 20.000m Höhe mäandert um den Nordpol und wirkt wie eine Schiene der Wuppertaler Schwebebahn für Tiefdruckgebiete. Es stimmt die Zugbahn der Tiefs, die über den Atlantik ostwärts nach Europa ziehen. Verläuft der Jetstream weit im Norden touchieren die Tiefs Mitteleuropa entlang der deutschen Küste oder sogar auf Höhe Irlands. Doch jetzt lenkt der Jetstream die Tiefs in Richtung iberischen Halbinsel.

Dabei ist der Jetstream derzeit sehr kräftig (rund 280km/h) und damit folgen die Atlantiktiefs sehr rasch aufeinander. Die sehr feuchte und milde Luft trifft zuerst aus Portugal uns Spanien, gebietsweise werden dort bei Orkan sehr intensive Niederschläge erwartet: in einigen Regionen bis zu 120 Liter pro Quadratmeter (l/m2). In Italien werden bis zu 200 l/m2 innerhalb weniger Tage erwartet, an der Adria bis zu 300 l/m2. Treffen diese Luftmassen von Süden auf die Alpen schneit es dort reichlich.

Mitteleuropa nördlich der Alpen trifft dieses Extremwetter nicht mit der selben Vehemenz aber auch hierzulande sinkt die Temperatur bei immer wieder auftretenden Niederschlägen spürbar und südlich der Linie Köln-Berlin geht vielerorts der Regen in Schneefall über. Der spürbare Wetterwechsel beeinträchtigt auch das Wohlbefinden; einerseits schmerzen vielen Menschen Muskeln und Gelenke und die allgemeine Beweglichkeit (und die Bewegungsfreude) nimmt ab. Gut, dass man bei dem garstigen Wetter ohnehin nicht vor die Tür gehen möchte.

Quellen:

Dipl.-Met. Marcel Schmid: Der stürmische GORAN. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 21.01. 2021

Erstellt am 22. Januar 2021
Zuletzt aktualisiert am 22. Januar 2021

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