Schlafqualität, Koffein und Blutzuckerspiegel

Frühstückskaffee - genau in dieser Reihenfolge

von Holger Westermann

Nach unruhiger Nacht kann der Ich-will-wach-werden-Kaffee den mühsam aktivierten Stoffwechsel aus der Bahn werfen. Wird das Koffeingetränk vor der Zuckeraufnahme beim Frühstück wirksam, entgleist der Blutzuckerspiegel und schießt in die Höhe. Muss man trotz Schlafdefizit aufstehen, sollte man den Kaffee erst nach dem Imbiss genießen.

Forscher der Universität in Bath (Somerset, Großbritannien) zeigten mit einem kleinen Experiment, dass nach einer Nacht mit gestörtem Schlaf der Zeitpunkt des Kaffeetrinkens entscheidenden Einfluß auf die Insulin-Physiologie hat. Offensichtlich wurden dafür Studenten rekrutiert, denn die 29 Erwachsene waren im Durchschnitt 21 Jahre (+/- 1 Jahr) alt und mit einem BMI von durchschnittlich 24,4 kg/m2 auch recht schlank - zumindest war kein typischer Typ2 Diabetiker darunter. Die Probanden bekamen eine Stunde nach dem Aufwachen eine standardisierte Glukoselösung, die in etwa dem Zuckereintrag durch ein Frühstück entsprach. Für den Glukosetoleranztest (OGTT) wurde anschließend mit einer Blutprobe die Plasmaglucose- und Insulinkonzentration gemessen.

Das erste Experiment diente zur Erhebung von Referenzwerten; die Probanden durften ausschlafen. Im zweiten Experiment wurde der Schlaf jede Stunde für fünf Minuten unterbrochen. Auch im dritten Experiment erlebten die Probanden eine Nacht mit fragmentiertem Schlaf, sie durften aber 30 Minuten vor der Glukoselösung einen kräftigen Kaffee (ohne Milch und Zucker) trinken. Im Ergebnis zeigte sich beim Vergleich von Experiment 1 und 2, dass die individualisierte maximale Plasmaglucose- und Insulinkonzentration durch die Schlafqualität nicht beeinträchtigt/beeinflusst wird. Der Vergleich von Experiment 2 und 3 offenbarte jedoch, dass der schwarze Kaffee vor dem „Frühstück“ den Glukosegehalt in ihrem Blut um rund 50% erhöht.

Die Forscher verweisen in ihrer Diskussion der Ergebnisse darauf, dass die Angewohnheit weit verbreitet sei den ersten Kaffee schon vor dem Frühstück zu trinken „ intuitiv, je müder wir uns fühlen, desto stärker ist der Kaffee.“ Doch gerade dann, wenn man schlecht geschlafen habe und sich noch müde fühle sei der negative Effekt auf den Blutzuckerspiegel besonders drastisch. „Einfach ausgedrückt ist unsere Blutzuckerkontrolle beeinträchtigt, wenn unser Körper als erstes mit Kaffee in Kontakt kommt, insbesondere nach einer Nacht mit Schlafstörungen. Es wäre besser, wenn wir zuerst etwas essen und erst danach den Kaffee trinken - falls wir ihn dann tatsächlich noch brauchen (um wach und fit zu werden). Das zu wissen kann für uns alle große Vorteile für die Gesundheit haben.“

Quellen:

Smith, H.A. et al. (2020): Glucose control upon waking is unaffected by hourly sleep fragmentation during the night, but is impaired by morning caffeinated coffee. British Journal of Nutrition, online veröffentlicht 01.06.2020. DOI: 10.1017/S0007114520001865.

Erstellt am 13. Oktober 2020
Zuletzt aktualisiert am 13. Oktober 2020

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