Erst durch Achtsamkeit gelingt optimale Stresslinderung

Selbstachtung ist der beste Weg zum Wohlbefinden

von Holger Westermann

Positives Denken und Proaktivität sind moderne Schlagworte für ein altbekanntes Phänomen: Wer mit Optimismus und einem konkreten Plan in die Zukunft blickt, kann sich mit großer Wahrscheinlichkeit über sein gelungenes Leben freuen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man sich der eigenen Person, den Mitmenschen und der eigenen Umwelt aktiv zuwendet - dass man Achtsamkeit übt.

Das ist das Ergebnis einer nachträglichen Auswertung der Daten von 223 Teilnehmern (116 ältere und 107 jüngere Erwachsene) der Studie Mindfulness and Anticipatory Coping Everyday (MACE; Achtsamkeit und vorausschauende Bewältigung im Alltag) deren Ergebnisse bereits 2017 und 2019 publiziert wurden. Die Forscher interessierte, wie Proaktivität und Achtsamkeit zusammenwirken, um die emotionale Reaktion auf den täglichen Stress vorherzusagen. Deshalb wurde zu Beginn der Datenerhebung für jeden Studienteilnehmer die individuelle Fähigkeit zur vorausschauenden Stressbewältigung und -vermeidung festgestellt. Die Datenerhebung selbst erfolgte durch ein Tagebuch mit dem die Teilnehmer ihr tagesaktuelles Achtsamkeitsniveau aber auch die Stressbelastung und die Reaktionen darauf notierten. Es zeigte sich, dass vorausschauende Planung (Proaktivität) und optimistische Lebenseinstellung (positives Denken) die allgemeine Stressbelastung senken konnte. Doch an Tagen, an denen die Teilnehmer sich als wenig achtsam einschätzten, war der Effekt deutlich geringer.

So resümieren die Forscher in ihrem Fazit: "Es ist allgemein bekannt, dass tägliche Stressfaktoren dazu führen können, dass wir schlechte Laune bekommen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine Kombination aus proaktivem Handeln und hoher Achtsamkeit bewirkt, dass Studienteilnehmer jeden Alters widerstandsfähiger gegen Alltagsstressoren sind“. Gerade Menschen mit hohem proaktivem Engagement reagieren an Tagen mit verminderter Achtsamkeit emotional intensiv auf Alltagsstress.

Quellen:

Polk, M.G. et al. (2020): Thinking ahead and staying in the present: Implications for reactivity to daily stressors. Personality and Individual Differences 161: 109971, online veröffentlicht 15.7. 2020. DOI: 10.1016/j.paid.2020.109971

Erstellt am 2. August 2020
Zuletzt aktualisiert am 2. August 2020

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