Wetter

Kurzfristige Wetterprognose - selbstgemacht

von Holger Westermann

Paris

Man muss aus dem Haus, der Wetterbericht verspricht trockenes Wetter und dann wird man doch nass. Für Fahrradfahrer und Spaziergänger ein Ärgernis; wer eine Gartenparty ausrichtet, erlebt eine gefühlte Katastrophe. Doch für eine zuverlässige Vorhersage der Wetterentwicklung in den kommenden Stunden genügt zumeist ein Rundumblick zum Himmel.

Es ist der Größe Mitteleuropas und der Vielfalt der Landschaften geschuldet, dass ein Wetterbericht großräumig erstellt wird und nicht für jeden Ort mit der selben Zuverlässigkeit zutrifft. An der windzugewandten Seite (Luv) von Bergen müssen heranziehende Luftmassen aufsteigen und gelangen so in kühlere Atmosphäreschichten. Der Wasserdampf kondensiert, es bilden sich Wolken und es beginnt zu regnen oder zu schneien. Hier lässt sich die Wetterentwicklung recht präzise prognostizieren. Auch über weiten Ebenen herrscht meist einheitliches Wetter. Doch hinter Bergkämmen (in Lee) und über stark strukturierten Landschaften ist die Genauigkeit der Vorhersagen geringer. Trotz hohem Aufwand bei der Berechnung der Dynamik von Lufteigenschaften und Luftgeschwindigkeit bleiben Unsicherheiten wann und wo genau sich aus Wolken Schauer abregnen.

Die größte Regenwahrscheinlich besteht, wenn tiefstehende Wolken (< 2km Höhe) heranziehen. Bilden die Wolken eine ausgedehnte weiße oder graue Fläche spricht man von Stratus-Wolken. Sie entstehen, wenn sich warme Luft über die Kaltluft am Boden schichtet und bestehen aus Regentropfen oder Schneekristallen - die alsbald zu Boden fallen. Ballen sich die tiefliegenden Wolken zu kompakten Haufen, spricht man von Cumulus-Wolken. Schließen sich einzelne Haufenwolken zu einer durchgängigen grauen Wolkenschicht zusammen, steigt die Regenwahrscheinlichkeit - je dunkler die Wolken um so höher ist ihr Wassergehalt und um so heftiger wird es regnen oder schneien.

Tiefliegende Stratocumuli-Wolken versprechen dagegen besseres Wetter. Sie gleichen großen, langgezogenen Cumulus-Wolken. Damit entsprechen sie einer vergleichbaren Vorhersagetendenz wie die Wolken der nächst höheren Etage zwischen 2-7 km Höhe, bezeichnet durch die Vorsilbe „Alto“. Im Volksmund sind Altocumuli-Wolken auch als "Schäfchenwolken" bekannt, da man zwischen den weißen Flecken den blauen Himmel durchsieht. Oft bilden sie sich im Verlauf des Tages und lösen sich gegen Abend wieder auf. Zu Recht bezeichnet man sie auch als „Schönwetterwolken“, denn sie garantieren stabiles, ruhiges, regenfreies Wetter mit Sonnenscheinepisoden. Erst wenn sich die Wolken verdichten, grau und konturlos wirken und sich bis zu Hunderte Kilometer breit über den Himmel ausdehnen, droht ein Wetterumschwung. Die Verdichtung zu Altostratus-Wolken kündigt starke Regen- oder Schneefälle innerhalb der nächsten Stunden an.

Wolken der höchste Etage zwischen 5 und 13km bezeichnet man als Cirren. Sie bestehen aus Eiskristallen und gleichen weißen flauschigen Federn. Oft kündigen sie einen nahenden Wetterumschwung mit Regen oder sogar Gewitter an. Cirrostratus (eine flächige Form der Cirren) ziehen sich wie ein zarter weißen Schleier über den gesamten Himmel. Sieht man solche Wolken, regnet es heute noch oder spätestens morgen.

Besonders hohe Wetterdynamik kündigen Wolken an, die sich über alle drei Etagen erstrecken und somit eine besonders große vertikale Ausdehnung haben. So sind Nimbostratus-Wolken besonders ergiebige Regenwolken. Sie bilden eine stark ausgedehnte, dunkelgraue Fläche von deutlich erkennbarer Dicke aus denen in breiten Schauerstreifen starker Regen fällt. Die imposanteste Wolkenform ist ein Cumulonimbus, einen ambossförmige Gewitterwolke. Sie entsteht durch lokale Aufwinde innnerhalb einer großen Cumuluswolke, die bis an die maximale Wolkengrenze (Tropopause) hinaufragen und sich dort horizontal ausdehnen. Hagelkörner werden immer wieder emprorgeschleudert und wachsen dabei weiter, bis sie zu schwer für die Aufwinde werden und zu Boden fallen. Im Sommer schmilzt das Eis vor dem Aufprall zu dicken Tropfen eines Gewitter-Platzregens, im Spätherbst, Winter und im Frühjahr können erhebliche Hagelschäden auftreten. Die Eisschmelze oder der Hagel kühlen die Luft direkt unter der Gewitterwolke stark ab und stürzt zu Boden, es treten gefährlich Fallböen auf.

Insofern ist der Blick zum Himmel eine hilfreiche Ergänzung zu den aktuellen Wetterprognosen von DWD und ZAMG: Erkennt man am hohen Himmel Cirren wird es heute oder spätestens morgen regnen. Sammeln sich Haufenwolken am Himmel oder breiten Stratus-Wolken aus, wird es demnächst regnen. Bildet sich ein mächtiger Cumulonimbus, bleibt man lieber im Haus, da starke Gewitter drohen. Tummeln sich dagegen Schönwetterwolken darf man auf eine Periode mit ruhigem Sonnenschein hoffen.

Quellen:

Praktikantin Miriam Schabel / Dipl.-Met. Jacqueline Kernn: Ein Blick in den Himmel kann helfen. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 06.03.2020

Erstellt am 7. März 2020
Zuletzt aktualisiert am 7. März 2020

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Temperatursturz vom Spätsommer in den Frühwinter

Schafe

Derzeit erfreuen sich die Menschen in Mitteleuropa an Sonnenschein und sommerlicher Wärme. Bis zum Sommerende am 22. September bleibt das Spätsommerwetter weitgehend stabil. Doch pünktlich zum Herbstbeginn wird es drastisch kälter - die Schneefallgrenze sinkt in den folgenden Tagen auf 1.000m. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


4711 lässt Stress verschwinden

Nein, nicht das „Kölnisch Wasser“ mit dem Omi-Charme wird als Therapeutikum empfohlen, sondern eine spezielle Atemtechnik, vorgeschlagen vom Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums Regensburg, Prof. Dr. med. Thomas Horst Loew. weiterlesen...


Herzrisiko Einsamkeit

Menschen sind auf den Kontakt zu Mitmenschen angewiesen. Soziale Isolation belastet nicht nur das psychische Wohlbefinden sondern auch die körperliche Gesundheit. Für Herzpatienten steigt sogar das allgemeine Mortalitätsrisiko. weiterlesen...


Selbstachtung ist der beste Weg zum Wohlbefinden

Positives Denken und Proaktivität sind moderne Schlagworte für ein altbekanntes Phänomen: Wer mit Optimismus und einem konkreten Plan in die Zukunft blickt, kann sich mit großer Wahrscheinlichkeit über sein gelungenes Leben freuen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man sich der eigenen Person, den Mitmenschen und der eigenen Umwelt aktiv zuwendet - dass man Achtsamkeit übt. weiterlesen...


Schmerzsensibel wie ein Neandertaler

Nach langer Koexistenz mit modernen Menschen (Homo sapiens) verschwanden die Neandertaler (Homo neanderthalensis) vor rund 40.000 Jahren als eigenständige Art. Doch damals fruchtbare Paarungen zwischen beiden Menschenarten bewirkten, dass heutzutage im Genom der Europäer (und ihrer Nachfahren auf anderen Kontinenten) noch Neandertalergene nachweisen werden können. Eines dieser artfremden Gene senkt die Schmerzschwelle von modernen Menschen vom europäischen Ökotyp. weiterlesen...