Wetter

Orkanreigen mit närrischem Ausklang

von Holger Westermann

Wer von „Sabine“ zerzaust wurde, wird erleichtert erkennen, dass diesmal die wilde große Schwester „Victoria“ die Nachbarschaft behelligt. Doch für die Gesundheit wetterempfindlicher Menschen ist das auf und ab der Temperatur eine vergleichbar hohe Belastung.

Das Orkantief „Viktoria“ ist mit 916 hPa besonders stark und mit einer Reichweite von Südgrönland bis zum Main auch besonders großräumig. Glücklicherweise tobt der Orkan diesmal mit voller Vehemenz nicht über Deutshcland, sondern weiter nördlich über Irland, Schottland und Island sowie später über Spitzbergen und Skandinavien. Auf den Inseln im Nordatlantik wird in Böen eine maximale Windgeschwindigkeit bis 220 km/h erwartet, bereits ab 117km/h spricht man von einem Orkan.

In Mitteleuropa werden die Niederlande und der Norden Deutschlands gestreift - auf den Gipfeln der Mittelgebirge können Orkanböen auftreten. Nur besonders exponierte Lagen werden von „Victoria“ mit vergleichbarer Heftigkeit gebeutelt wie kürzlich von „Sabine“. Im Süden Deutschlands und in Österreich wird es zwar windig aber kaum stürmisch. Dennoch wird die Luftmassenbewegung rund um die Tiefdruckzentren von „Victoria“ das Wetter hierzulande in gesundheitsgefährdendem Ausmaß beeinflussen.

Das sehr große und enorm starke Orkantief wirkt wie eine gigantische Saugpumpe. an seiner Vorderseite wird sehr warme Luft von Nordafrika weit nach Norden transportiert. In Südfrankreich kann die Temperatur über 25°C steigen, im Südwesten Deutschlands sind 18 bis 20°C möglich, in Österreich bis 16°C und an den deutschen Küsten noch 14°C. Für Mitte Februar sind das ungewöhnlich hohe Thermometerwerte. Der rasante Temperaturanstieg verstärkt Konzentrationsstörungen und Motivationsprobleme. Menschen mit schwachem Herz oder Kreislauf werden verstärkt Schwindel spüren. Für Migränepatienten steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Schmerzepisode. Andererseits lockt die Wärme ins Freie - sofern es nicht regnet.

Sobald „Victoria“ Richtung Skandinavien und Russland ostwärts abgezogen ist, wird an der Rückseite des Tiefdruckkomplexes von Nordwesten und Norden eiskalte Polarluft nach Mitteleuropa gelenkt. Der Temperaturgegensatz wird aufgrund der hohen Dynamik des Luftmassenaustauschs diesmal besonders rasch und drastisch erfolgen. Ein Temperatursturz von 20°C ist möglich. Für die Gesundheit vieler Menschen ist das eine spürbare Belastung. Wer mit Bluthochdruck leben muss, sollte Aktivitäten im Freien meiden. Der Kälteschock provoziert einen zusätzlichen Anstieg des Blutdrucks, der in Verbindung mit Muskelarbeit zum Risiko werden kann. Das gilt auch für Menschen, die zu Muskelverkrampfungen neigen oder unter Asthma leiden. Der Kaltlufteinstrom kann auch von Gewittern begleitet sein, die eine allgemeine innere Unruhe verstärken und die Schlafqualität beeinträchtigen.

Glücklicherweise ist diese hohe Wetterdynamik nur ein kurzes heftiges Intermezzo. Schon nach wenigen Tagen beruhigt sich die Wetterlage wieder und spätesten zum Donnerstag breitet sich ruhiges, sonniges Hochdruckwetter über Mitteleuropa - pünktlich zum schmotzige Dunstig, schmutzigen Donnerstag, Altweiberfasching, zum Auftakt von Fasnet, Fastnacht, Karneval. Die kaltluftgefrosteten Regionen in Norddeutschland werden den Hochdruckeinfluss weniger intensiv spüren; sie haben ihn aber auch nicht so nötig wie das Rheinland und der Süden zum Straßenkarneval.

Quellen:

Artikel der Menschenswetter Redaktion

Erstellt am 15. Februar 2020
Zuletzt aktualisiert am 15. Februar 2020

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