Sitzen schadet der Gesundheit, zu Hause mehr als im Büro

Freizeitsport kompensiert Freizeitfaulenzen

von Holger Westermann

Nicht schlafen und dennoch mehrere Stunden körperlich inaktiv an einem Ort verweilen erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Tod. Dabei ist jedoch das Sitzen im Büro weit weniger riskant als die körperlich entspannte Haltung beim Fernsehen oder reizreduzierten Chillen. Wer dieses Risiko reduzieren möchte benötigt weniger Zeit als zumeist angenommen - und man kann mit Aussicht auf nachhaltige Wirkung zu jeder Lebensphase damit beginnen.

Für ihre Studie zum Einfluss von stundenlangem Sitzen im Beruf und in der Freizeit wählten die Forscher 3.592 Afroamerikaner aus, das diese Subgruppe der us-amerikanischen Bevölkerung mit einem höheren Risiko für Herzkrankheiten leben muss, als die von Europäern abstammende. Das Ergebnis überraschte in seiner Eindeutigkeit: Wer am Arbeitsplatz mehrere Stunden sitzen musste, war nicht stärker gefährdet als Personen ohne sitzende Tätigkeit.

Auf der anderen Seite zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Fernsehkonsum, der zumeist im Sitzen erfolgt und dem Herz-Kreislauf-Risiko. Wer mehr als vier Stunden täglich vor dem TV verbrachte, provozierte eine doppelt so hohes Gesundheitsrisiko wie Menschen mit weniger als zwei Stunden Fernsehkonsum pro Tag. Die Forscher erklären den Effekt mit der Frequenz von Unterbrechungen beim Sitzen: „Wahrscheinlich gelingt es vielen Menschen, stundenlang bewegungslos fernzusehen, während die meisten Arbeiternehmer häufig von ihrem Schreibtisch aufstehen.“

Den negativen Effekt können Freizeitfaulenzer durch Sport und körperliche Aktivität kompensieren. So zeigten Menschen, die mehr als vier Stunden täglich vor dem Fernseher verbrachten kein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, wenn sie mindestens 150 Minuten pro Woche sportlich aktiv waren.

In einer anderen Studie wurde dieser Befund bestätigt. Dabei wurden die Daten von 14.599 Personen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren ausgewertet und dabei deren Risikofaktoren dreimal innerhalb von 7,6 Jahren bewertet. Auch hier wurde ein Aktivitätsminimum von 150 Minuten pro Woche ermittelt, damit jeder zweite (46%) „durch Inaktivität bedingte Todesfall“ verhindert werden kann. Dabei war das Alter der Menschen, ihre Gesundheitszustand sowie das Alter in dem das Sportprogramm begonnen wurde ohne Bedeutung. Im Vergleich zu den Personen, die ihr Schicksal teilen aber weiterhin körperlich inaktiv bleiben, verbessert sich die Gesundheit und sinkt das Risiko an den typischen Erkrankungen zu sterben. Daher ziehen die Forscher ein positives Fazit: „Diese Ergebnisse sind ermutigend, vor allem für Erwachsene mittleren Alters und ältere Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, die durch mehr Aktivität erhebliche Vorteile für die Lebenserwartung erzielen“.

Quellen:

Garcia, J.M. et al. (2019): Types of Sedentary Behavior and Risk of Cardiovascular Events and Mortality in Blacks: The Jackson Heart Study. Journal of the American Heart Association 8 (13). DOI: 10.1161/JAHA.118.010406

Mok, A. et al. (2019): Physical activity trajectories and mortality: population based cohort study. British Medical Journal 365:l2323, online veröffentlicht 26.06. 2019. DOI: 10.1136/bmj.l2323

Erstellt am 1. Juli 2019
Zuletzt aktualisiert am 1. Juli 2019

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