Kälte und Regen halten Couch-Potatoes auf dem Sofa fest - Mit Wetterempfindlichkeit hat das aber nichts zu tun

Schmuddelwetter schwächt die Gesundheit

von Holger Westermann

Bewegung stärkt die Gesundheit, Trägheit macht schlapp und schlaff. Wer einige Pfunde extra mit sich herumträgt leidet eher an Bluthochdruck und Diabetes oder wird häufiger von Kopf- und Muskelschmerzen geplagt. Auf der einen Seite fällt es bei der Zusatzbelastung schwer den inneren Schweinehund zu überwinden und sich zur Outdoor-Aktivität zu motivieren. Auf der anderen Seite wird die beste aller Ausreden in dieser Jahreszeit täglich frei Haus geliefert: das Wetter. Eine Analyse von insgesamt 37 medizinischen Studien hat diesen kräftigen Sofamagneten enttarnt.

Fast jeder, der sich zu Jahresbeginn ein intensives Sportprogramm vorgenommen hat, kennt den Konditionskiller, der den Start in die Amateurkarriere als Ausdauersportler zum Scheitern verurteilt. Heftiger Regen bei +5 °C oder gar Schneefall bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes halten viele Menschen vom Walken oder Joggen, ja sogar vom Spazierengehen, ab. Aber auch in den Sommermonaten können unangenehme Wetterbedingungen als (willkommener ?) Vorwand für eine Sportpause dienen, sehr schnell dehnt sich eine solche Pause über mehrere Tage aus und schließlich reicht die Furcht vor der Konditionslücke aus um ganz auf den Sport zu verzichten?

Bisher gab es für die Glaubwürdigkeit dieses Szenario zwar plausible Gründe aber keine empirisch gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Ein Forscherteam der University of Ontario (Kanada) hat nun dazu eine systematische Literatur-Recherche durchgeführt und das Ergebnis in der Fachzeitschrift Public Health veröffentlicht: In Monaten mit schlechtem Wetter bewegen sich die Menschen weniger im Freien bei typischen sportlichen Freizeitaktivitäten wie Radfahren, Joggen, Walken oder Spazierengehen als in Monaten mit vorrangig schönem Wetter.

In den 37 ausgewerteten Studien wurde die sportliche Aktivität von 291.883 Menschen aus acht Ländern untersucht (Frauenanteil = 52%). Eine genaue Betrachtung der Ergebnisse zeigt auch, dass der Begriff „schönes Wetter“ nicht gleichzusetzen ist mit Sonne, kein Regen, kein Wind. Steigen die Mittagstemperaturen über 30 °C an, so sinkt die Sportbegeisterung. Bei Kindern ist der Effekt „Gutes Wetter, viel Aktivität – Schlechtes Wetter, gar kein Sport“ am deutlichsten ausgeprägt. Die Forscher haben dabei jedoch die Eltern als Ursache im Verdacht. Sie verspüren bei schlechtem Wetter nur wenig Begeisterung ihrem herumtollenden Nachwuchs beim Spielen im Freien zuzusehen, bei schönem Wetter ist das eine deutlich attraktivere Perspektive.

In ihrem Fazit formulieren die Forscher auch konkrete Vorschläge zur Gesundheits- und Bewegungs-Förderung:

  • Regionen mit längeren Schlechtwetter-Perioden sollten Indoor-Einrichtungen (beispielsweise Schwimmbäder oder Fitness-Studios) zur körperlichen Aktivität animieren oder zumindest die Ausreden entwerten.
  • Um bei Kindern mehr Bewegung zu fördern sollten sie auch bei schlechtem Wetter zum Spielen im Freien angeregt werden. Die Sorge der Eltern die Kinder könnten sich erkälten ist zumeist unbegründet. Es ist vielmehr so, dass erkrankte Kinder sich draußen nur noch lustlos am Spiel beteiligen und dann auskühlen.

Quellen:

Marstedt, G. (2007): Meta-Analyse deckt neue Präventionsbarriere auf: Bei schlechtem Wetter gehen die Leute weniger spazieren. Forum Gesundheitspolitik veröffentlicht am 13.11.2007

Tucker, P.; Gilliland, J. (2007): The effect of season and weather on physical activity: A systematic review. Public Health Vol. 121, Issue 12: 909-922

Erstellt am 30. Januar 2012
Zuletzt aktualisiert am 30. Januar 2012

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