Bei normaler Temperatur funktioniert das System nicht optimal

Fieber unterstützt die Immunabwehr

von Holger Westermann

Erhöhte Körpertemperatur hilft dem Immunsystem, Krankheitserreger schneller und effektiver zu bekämpfen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Aktivität eines Hitzeschockproteins, das ab 38,5°C wirksam wird. Deshalb gefährdet frühzeitiges Fiebersenken die Genesung.

Bei der Immunantwort des Körpers übernehmen die Lymphozyten die Aufgabe der Anit-Infekt-Polizei. B-Zellen und T-Zellen bilden Antikörper, die sogenannten Killerzellen vernichten die markierten Fremdzellen im Körper. Sie gehören zu den „weißen Blutkörperchen“ (Leukozyten) und spüren als große aktive Abwehrzellen (im Gegensatz zu den vergleichsweise kleinen und zellkernfreien roten Blutkörperchen, den Erythrozyten) Bakterien und Viren auf und bekämpfen sie. Dazu müssen sie über den Blutfluss zum Ort der Infektion gelangen.

In einem Experiment an Mäusen konnten Forscher vom Shanghai Institute of Biochemistry and Cell Biology (China) nachweisen, dass eine höhere Körpertemperatur die Mobilität der Immunzellen erhöht: „Fieber kann den Lymphozytenfluss zum Infektionsherd beschleunigen, so dass dort mehr Immunzellen den Erreger bekämpfen können“.

Parallel dazu wird vom Körper ein Hitzeschockprotein (Heat Shock Protein, Hsp 90) ausgeschüttet, das den Transport der Lymphozyten zur infizierten Region beschleunigt. Diese Protein arbeitet optimal bei einer erhöhten Körpertemperatur von 38,5°C. Wurde dieser Effekt experimentell unterbunden, verstarben die Mäuse an der Infektion, da die Immunabwehr nicht mehr zuverlässig funktionierte. Die Fieberreaktion des Körpers auf eine Infektion dient demnach der Verbesserung körpereigener Abwehrreaktion und nicht - wie es auch vorstellbar wäre - einer Verschlechterung der Umweltbedingungen für die Vermehrung von Bakterien und Viren. Ein Fieber von mehr als 39°C sollte daher gesenkt werden, da die Aktivierungstemperatur für Hsp 90 bereits erreicht wurde. Eine frühzeitige Fiebersenkung bei 38,5°C könnte sich jedoch negativ auswirken.

Quellen:

Lin, C.D. et al. (2019): Fever Promotes T Lymphocyte Trafficking via a Thermal Sensory Pathway Involving Heat Shock Protein 90 and α4 Integrins. Immunity, online veröffentlicht 15.01.2019. DOI: 10.1016/j.immuni.2018.11.013

Erstellt am 8. März 2019
Zuletzt aktualisiert am 8. März 2019

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Schwüle kündigt Kälte an

Über Ostern war das Wetter in Mitteleuropa sommerlich sonnig warm. Die absinkende trockene Luft im Einflussbereich des Hochdruckgebiets „Katharina“ erwärmte sich und konnte daher die Luftfeuchte aufnehmen. So verschwanden im Lauf des Tages alle Wolken, die sich am kühlen Nachthimmel gebildet hatten. Doch nun wechselt das Wetter. Es wird zunehmend schwül, die gefühlte Temperatur steigt, obwohl der Thermometerwert sinkt. In wenigen Tagen wird es noch einmal kalt. Für wetterempfindliche Menschen sind diese rasanten Temperaturschwankungen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Hitze schwächt das Denkvermögen

Kühlt es nachts nicht hinreichend ab, verschlechtert sich die Schlafqualität. Fällt die Lufttemperatur bei Nacht nicht unter 20°C, sprechen Meteorologen von einer Tropennacht. Bei hoher Luftfeuchte kann die gefühlte Temperatur auch bei niedrigerem Thermometerwert tropisch wirken. Dann leiden nicht nur Menschen mit ohnehin schon angegriffener Gesundheit, auch junge Studenten zeigen erhebliche Leistungsdefiziten und Konzentrationsprobleme. weiterlesen...


Admarker

Ratgeber von Menschenswetter Redakteur Holger Westermann für die Deutsche Fibromyalgie Vereinigung (DFV) e.V.

Ratgeber Fibromyalgie weiterlesen...


Geschlechtertypische Schmerzwahrnehmung

Frauen und Männer regieren nach einem vergangenen Schmerzerleben unterschiedlich auf akuten Schmerz. Wird am Ort der Schmerzerfahrung der selbe Schmerzort stimuliert, zeigen Männer schon bei harmlosen Reizen eine übertrieben heftige Reaktion. Frauen bleiben dagegen davon unbeeindruckt und reagieren adäquat auf den aktuellen Schmerzreiz. weiterlesen...


Sommerwetter begünstigt lebensbedrohliche Infektionen

Dass nasskaltes Wetter bei Asthma, Rheuma und Muskelschmerzen die Symptome verstärkt, dass dann Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen mit einem erhöhten Infarktrisiko rechnen müssen - das ist den Nutzern von Menschenswetter Anlass sich regelmäßig über die Vorhersagen zu informieren. Dass Erkältungen nur mittelbar durch Kälte „verursacht“ werden und eigentlich Virusinfektionen sind, wissen heutzutage schon Schulkinder. Doch solche Infektionen sind lästig aber nicht lebensbedrohlich. Die wirklich große Gefahr entwickelt sich erst zum Ausklang des Hochsommers. weiterlesen...