Wetter

El Nino-Phänomen

von Holger Westermann

„El Nino" ist ein Klima- und Wetterphänomen, das regelmäßig unregelmäßig etwa alle vier Jahre auftritt. Ausgangseffekt ist ein Abschwächen der Passatwinde im Pazifik, die Auswirkungen sind weltweit zu beobachten. Heuer (in diesem Jahr) ist es offensichtlich wieder soweit: 2019 wird ein El Nino Jahr.

Passatwinde wehen aufgrund der Erdrotation westwärts, sowohl im Atlantik wie auch im Pazifik. Dabei wird warmes Oberflächenwasser parallel zum Äquator von Osten nach Westen transportiert. Im Atlantik folgen dieser Bahnung die tropischen Wirbelstürme, die während der Hurrikanesaison von Juli bis Oktober in der Karibik toben. Der Golfstrom sorgt für einen Kreisverkehr der Wassermassen, ergänzt durch polares Kaltwasser.

Im Pazifik verläuft die von Passatwind unterhaltene Strömung des warmen Oberflächenwassers von Chile nach Australien, Neuseeland und Indonesien. Der Wassernachschub steigt als kaltes Tiefenwasser in den Küstenregionen Süd- und Latein-Amerikas auf (Ekman-Transport) oder strömt aus der Antarktis entlang der südamerikanischen Ostküste (Humboldtstrom). Dieses Wasser ist sehr nährstoffreich und bietet großen Fischbeständen Nahrung. Die Lufttemperatur ist darüber vergleichsweise kühl (ca. 8°C kälter als über dem Wasser des freien Ozeans der selben geografischen Breite). Infolgedessen regnet es über angrenzenden Küstenregionen nur selten; auf der anderen Seite des Pazifik fällt dagegen zuverlässig ergiebiger Regen.

Das El Nino-Phänomen stellt diese Regel auf den Kopf. Der Passat erschlafft, die Verfrachtung des Oberflächenwassers stoppt oder dreht sich sogar um - auch der Wolkenzug wendet. Nun regnet es an der normalerweise extrem trockenen Westküsten des amerikanischen Kontinents aber auch in den Ländern westlich der Anden über Latein- (Mittel-) Amerika bis hin nach Kalifornien. Oftmals sind Überschwemmungen die Folge. Derweil klagen die Anrainerstaaten des Westpazifik über Dürre.

Der amerikanische Wetterdienst (NOAA) hat in einer Pressemitteilung vom 25. Februar bereits Bedingungen festgestellt, die sich nach den aktuellen Prognosen zu einem vollumfänglichen "El Nino-Ereignis“ entwickeln werden. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für sehr warme Witterung in Ostkanada, Japan und Ostchina sowie mit Trockenheit im Süden Afrikas, auf Madagaskar und im Nordosten Brasiliens. In den Südstaaten der USA, im Süden Brasiliens und in Ostafrika muss dagegen mit ungewöhnlich feuchter Witterung gerechnet werden. Für Europa, speziell Mitteleuropa lassen sich Fernwirkungen von El Nino dagegen nicht nachweisen.

Betrachtet man das Klima im globalen Maßstab, ist jedoch damit zu rechnen, dass unter dem Einfluss eines starken El Nino-Ereignisses die weltweite Durchschnittstemperatur ungewöhnlich hoch sein wird. Es könnte also wieder ein Jahr der Temperaturrekorde werden - nicht hierzulande gefühlt, aber zu lesen in den Zeitungen.

Quellen:

Dipl.-Met. Adrian Leyser: 2019 ist ein El Nino-Jahr. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 01.03.2019

Erstellt am 8. März 2019
Zuletzt aktualisiert am 8. März 2019

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