Wetter

Gesundheitsrisiko Feuerwerksnebel

von Holger Westermann

Hierzulande beginnt das Neue Jahr vielerorts mit Nebel; je dichter bevölkert die Städte sind, um so dichter wird die Luft. Denn nicht das Wetter allein sorgt für die eingetrübte Sicht in den Abendhimmel, sondern auch der Brauch, zum Jahreswechsel Böller und Raketen zu zünden. Meteorologen sprechen vom Feuerwerksnebel.

Nebel ist eine sehr tiefliegende Wolke, direkt über dem Boden. Wenn in klaren Nächten die bodennahe Luft stark abkühlt, steigt die relative Luftfeuchte über 100% (warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kühlere), dann kondensiert die Luftfeuchte und es bilden sich feine Wassertröpfchen. Voraussetzung dafür sind Kondensationskerne, feiner Staub oder Ruß. Ohne diese Keime können keine Tröpfchen entstehen und die Luft wird mit Wasserdampf „übersättigt“. Im Sommer können auch Pollen oder deren Bruchstücke die Kondensation von Wasserdampf zu Wassertröpfchen fördern, jetzt, im Winter, sind es zumeist Rußpartikel aus dem Straßenverkehr oder Ölheizungen. Die zunehmende Verbreitung von Erdgasheizungen verringerter die Zahl potenzieller Kondensationskeime.

Pünktlich zum Jahreswechsel steigt das Angebot an Kondensationskeimen explosionsartig. Ist die bodennahe Luft hinreichend kühl und feucht trübt sich die Sicht rasant. Der kollektive Wunsch zum Neuen Jahr mit Getöse einen bunten Nachthimmel zu zaubern sabotiert den Ausblick auf das kostspielig inszenierte Spektakel. Je näher man dem Zentrum der Feuerwerker kommt, um so weniger ist zu sehen.

Zudem sammeln sich in den Schwaden des Feuerwerksnebel auch Schwefeldämpfe der Explosionen und Raketentriebe. Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten diesen zusätzlichen Reiz meiden. Mit aufziehendem Nebel steigt auch die Temperaturleitfähigkeit der Luft. Bei gleichbleibendem Thermometerwert sinkt die gefühlte Temperatur. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen fürchten, dass dadurch der Blutdruck steigt. Dabei kann das Getöse der Böller und Raketen auch für wenig schreckhafte Menschen eine anhaltende Stressbelastung bedeuten. Beide Effekte gemeinsam können durchaus das Infarktrisiko erhöhen. Wer um seine Gesundheitsprobleme weiß, sollte kurz vor 24:00 Uhr noch einmal kräftig lüften und sich das Feuerwerk durchs Fenster betrachten; die Nebelluft bleibt draussen und der Lärm wird gedämpft.

Wer den optischen Reiz des Feuerwerks maximal genießen möchte kann sich ausserhalb der Stadt einen gemütlichen Beobachtungsplatz (also ohne böllerfreudige Begleitung) auf einer nahen Anhöhe wählen. Die Perspektive „von oben“ garantiert eine nahezu nebelfreie Sicht - wenn sich nicht natürliche Wolken dazwischen schieben. Damit muss heuer (in diesem Jahr) leider gerechnet werden.

Quellen:

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe) : Feuerwerksnebel - Der Feind der bunten Himmelskunstwerke. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 28.12.2018

Dipl.-Met. Martin Jonas: Arktischer Streifschuss. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 30.12.2018

Erstellt am 31. Dezember 2018
Zuletzt aktualisiert am 31. Dezember 2018

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