Risiko beim Sommersonnenschein

UV-Strahlung und Hitze

von Holger Westermann

Medizinmeteorologen sprechen bei der biologisch wirksamen Sonnenstrahlung vom aktinischen Wirkungskomplex (durch Strahlung bedingt). Mediziner berücksichtigen auch Radioaktivität, fokussieren aber ausschließlich auf den körperlichen Strahlungsschaden und unterschlagen dabei die positiven Effekte auf die Gesundheit.

Dass Sonnenschein positive Effekte auf die Gesundheit hat, ist offensichtlich: Das Gemüt hellt sich auf, der Schlaf-Wach-Rhythmus bleibt im Takt, in der Haut bildet sich Vitamin D, die Durchblutung verbessert sich, die Lust auf körperliche Aktivität im Freien nimmt zu. Infolgedessen sinkt der Stress und das körperliche wie geistige Wohlbefinden steigt an.
 
Andererseits kann Sonnenschein auch eine Belastung für die Gesundheit sein - insbesondere im Hochsommer und bei anhaltend stabiler Wetterlage. Dabei entfaltet die Strahlung ausserhalb des sichtbaren Lichts besondere Wirkung: die energiereiche kurzwellige ultraviolette Strahlung (UV, < 380 nm Wellenlänge) und die langwellige infrarote Wärmestrahlung (IR, > 780 nm).
 
Direkte Wärmestrahlung verstärkt die gefühlte Temperatur deutlich. Im Sonnenschein ist es wärmer als im Schatten, obwohl die Lufttemperatur gleich bleibt. Dabei absorbieren dunkle Flächen die Wärmestrahlung und heizen sich auf, während weiße Körper die Wärme reflektieren (Reflexionsstrahlung, großes Albedo). Dunkler Straßenbelag wird sehr schnell heiß und kann sich sogar verformen (im Winter werden Wege rasch schneefrei, sobald dunkle Flecken unter der weiße Decke sichtbar werden), weiße Wände wirken wie Spiegel, die Wärme um die Ecke lenken können.
 
Doch im Hochsommer ist die IR-Strahlung nicht die vorrangige Wärmequelle. Hierzulande transportiert einströmende Warmluft aus Südeuropa, der Mittelmeerregion oder der Sahara die Hitze heran: In Äquatornähe ist heizt die IR-Strahlung viel effektiver. So sammelt sich derzeit über Südspanien und Südportugal heiße Saharaluft mit bis zu 48°C. Ein heranziehendes Atlantiktief (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) kann diese heiße Luft unter leichter Abkühlung bis nach Mitteleuropa führen. So steigt die Temperatur hierzulande sehr rasch über 35°C, unterstützt durch die August-Wärmestrahlung bei schwach bewölktem Himmel.
 
Für den Körper sind solche Bedingungen eine enorme Belastung. Um die Körpertemperatur auf 36,5°C zu halten, muss über den Blutfluss unter der Haut Wärme an die Umgebung abgegeben werden. Dazu weiten sich bei Hitze die Adern, um die Durchflussgeschwindigkeit des wärmetransportierenden Blutes zu erhöhen. Abtrocknende Feuchtigkeit auf der Haut soll das vorbeiströmende Blut kühlen (Verdunstungskälte). Wind verbessert den Verdunstungseffekt, direkte Wärmestrahlung erhöht den Bedarf zusätzlicher Kühlung. Deshalb wird bei Hitze ein leicht zugiger Schattenplatz angenehm empfunden, kann aber bei allzu rascher Luftbewegung zu Muskelverspannungen oder -Verkrampfungen führen. Intensives Schwitzen bedeutet starken Wasserverlust,. Dieses Wasser wird zum Teil dem Blut entzogen, das dadurch dickflüssiger wird. Das Blutvolumen sinkt und damit verschlechtert sich die Versorgung wichtiger Organe wie Leber, Nieren und Gehirn mit Energie und Sauerstoff; Kopfschmerzen und Überlkeit sind ein ernstzunehmendes Alarmsignal für Wärmestau, Sonnenstich und Hitzschlag. Andererseits kann dickflüssiges Blut Thrombosen bilden. Lösen sich diese Verengungen oder Verschlüsse der Blutgefäße können Embolie oder Infarkt folgen.

 
Die bekannteste Folge übermäßiger Wirkung von UV-Strahlung ist der Sonnenbrand. Die größte Strahlungsmenge und besonders aggressive Strahlung wird am der Ozonschicht der Atmosphäre und an den Wolken zurück ins Weltall reflektiert oder absorbiert und gelangt gar nicht zur Erdoberfläche. Dennoch reicht der Rest aus, die Haut zu reizen und zu röten. Die Haut von Kindern ist besonders empfindlich, aber auch ältere Menschen können massive Schäden davon tragen; kurzfristig bis hin zur extrem schmerzhaften Blasenbildung, langfristig steigt das Risiko Hautkrebs zu entwickeln. Je häufiger die Haut durch Sonnenbrand geschädigt wurde, um so größer ist das Krebsrisiko. Für viele Menschen bleibt diese Gefahr abstrakt, die Wirkung ist nicht unmittelbar zu erkennen. Anschaulicher ist da ein weiterer langfristiger Effekt, dessen Wirken aber kontinuierlich beobachtet werden kann: UV-Strahlung lässt die oft intensiv gebräunte Haut rasant altern, sie vernarbet und verdickt sich lederartig mit tiefen breiten Falten. Ebenso offensichtlich ist der Kurzzeiteffekt Sommergrippe, denn die UV-Strahlung beeinträchtigt die Effizienz des Immunsystems (Immunsuppression) gegenüber Infektionskrankheiten.

Die Begleitstrahlung des Sonnenscheins bedeutet für viele Menschen ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Deshalb informieren der Deutsche Wetterdienst (DWD) und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) aus Wien während des Sommers auch tagesaktuell über den regionalen UV-Index und geben bei Bedarf Hitzewarnungen heraus. Menschen mit einer besonderen Vorbelastung aufgrund einer chronischen Erkrankung finden ihre spezielle Vorhersage für Deutschland und Österreich auf Menschenswetter.

Quellen:

Die Gefahr aus dem All - Solare UV-Strahlung und ihre Wirkung auf den Menschen. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.07.2018

Erstellt am 3. August 2018
Zuletzt aktualisiert am 3. August 2018

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