Medikamentenunterstützung bleibt bei kleinen Steinen weitgehend wirkungslos
Schlaffe Harnleiter transportieren Nierensteine auch nicht schneller
Es ist sehr schmerzhaft, wenn Nierensteine in einen Harnleiter gelangen und langsam Richtung Harnblase ausgeschieden werden. Die überraschend auftreten Koliken können Betroffene nur mit starken Schmerzmitteln ertragen. Zusätzliche Hilfe versprach ein Medikament, das die glatte Muskulatur der Harnleiter beeinflusst und damit die schmerzprovozierende Passage erleichtert - diese Hoffnung hat sich leider zerschlagen.
Oftmals begründet ein plausibler Wirkmechanismus eine neue Therapieoption. So leuchtet die Idee zum Einsatz des Alphablockers Tamsulosin bei Nierenkoliken auch medizinischen Laien ein: Eine vorübergehende Erschlaffung (Relaxation) der glatten Muskelzellen in den Harnwegen soll den Spontanabgang der Harnsteine (Konkremente) im (Harnleiter (Ureter) beschleunigen und die Schmerzbelastung senken. Diese „medical expulsive therapy" (medikamentengestützt-austreibende-Therapie, MET) war so schlüssig, dass sie als evidensbasiert in den Leitlinien empfohlen wurde, obwohl die wissenschaftlichen Belege eher dürftig erschienen und widersprüchliche Studienergebnisse veröffentlicht worden waren.
Eine neue randomisiert placebokontrollierte Studie (Study of Tamsulosin for Urolithiasis in the Emergency Department, STONE) an 512 Notfallpatienten mit Nierenkoliken (auslösende Nierensteine mit 9 mm Durchmesser oder kleiner) verstärkt die Zweifel am Konzept der MET. Als relevantes Ereignis (primärer Endpunkt der Studie) wählten die Forscher das vom Patienten bemerkte Ausscheidung des Harnsteins. Der dabei identifizierte Vorteil der MET war marginal (47,3% zu 49,6%) und statistisch nicht signifikant. Auch bei der computertomographischen Kontrolluntersuchung nach 28 Tagen, bei noch verbliebene Steine ausgezählt wurden zeigte sich eine lediglich marginale, nicht statistisch signifikante Differenz; in der Medikamentengruppe hatten 83,6% der Patienten alle erkennbaren Steine ausgeschieden, während ohne Medikamentenunterstützung lediglich 77,6% der Patienten steinfrei waren.
In ihrem Fazit geben die Autoren der STONE-Studie zu bedenken, dass hier nur Patienten mit relativ kleinen Konkrementen untersucht worden waren. Die durchschnittliche Steingröße betrug 3,8 mm und die Mehrzahl der Steine waren kleiner als 5 mm. Womöglich ist der unterstützende Effekt einer MET bei größeren Steinen wirkungsvoller.
Quellen: Meltzer, A.C. et al. (2018): Effect of Tamsulosin on Passage of Symptomatic Ureteral Stones - A Randomized Clinical Trial. Journal of the American Medical Association, JAMA Internal Medicine, online veröffentlicht am 16.06. 2018. DOI: 10.1001/jamainternmed.2018.2259
Erstellt am 22. Juni 2018
Zuletzt aktualisiert am 26. Juni 2018
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