Antidepressiva fördern Trend zu Adipositas

Lieber mopsfidel als todtraurig

von Holger Westermann

Der Effekt tritt mit Verzögerung auf, doch während einer mehrjährigen Therapie mit Antidepressiva gewinnen einige Patienten deutlich an Körpermasse. Vor allem im zweiten und dritten Behandlungsjahr steigt die Wahrscheinlichkeit zumindest 5% Gewicht zuzulegen. Problematisch ist dabei, dass Adipositas ein wirkmächtiger Risikofaktor für Depression ist.

Für ihre Studie nutzen die britischen Forscher die Daten von 294.719 erwachsenen Patienten (darunter 157.957 Frauen), die in der United Kingdom Clinical Practice Research Datalink (CPRD) gespeichert wurden. Bei jedem berücksichtigten Patient war im Verlauf von 10 Jahren mindestens dreimal das Körpergewicht notiert worden. Darunter waren 17.803 (13.0%) Männer und 35.307 (22.4%) Frauen (53.110 Patienten, Mindestalter 20, Durchschnittsalter 51,5 Jahre), die mit Antidepressiva behandelt wurden.

Dabei zeigten Patienten unter Antidepressiva-Therapie ein nur wenig erhöhtes Risiko in den kommenden Jahren ihr Körpergewicht um mehr als 5% zu steigern. Denn auch unter den anderen Patienten kommt es altersbedingt zu einer mehr als moderaten Gewichtszunahme. Unter 59 Patienten, die Antidepressiva einnehmen, wird in 10 Therapie-Jahren lediglich einer (mehr als in der Vergleichsgruppe) deutlich an Körpermasse zulegen. Besonders ausgeprägt war dieses Zusatzrisiko in den Jahren zwei und drei der Therapie, danach verringerte es sich wieder.

Ein Vergleich der einzelnen Medikamente ergab, dass sich dieses Muster bei allen Wirkstoffen zeigte, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Aufgrund des ohnehin geringen Effekts sollte jedoch allein die antidepressive Wirkung Beachtung finden. Die Forscher betonen in ihrem Fazit, dass es derzeit nicht möglich sei im Voraus zu erkennen, welche Patienten aufgrund der Antidepressiva übermäßig an Gewicht zulegen werden. Insofern solle man die Patienten ermutigen die Entwicklung der Körpermasse zu beobachten - der kritische Moment sei nicht zu Beginn der Therapie, sondern zwei bis drei Jahre später.

Quellen:

Gafoor, R. et al. (2018): Antidepressant utilisation and incidence of weight gain during 10 years’ follow-up: population based cohort study. British Medical Journal, BMJ 361: k1951, online veröffentlicht 23.05. 2018. DOI :10.1136/bmj.k1951

Erstellt am 14. Juni 2018
Zuletzt aktualisiert am 14. Juni 2018

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