Steroide bleiben Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen vorbehalten
Kortison hilft nicht gegen Husten
Kortikosteroide haben sich bei Asthma und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) als hoch wirksame Medikamente bewährt. Durch die Weitung der Bronchien fällt das Atmen leichter und die Sauerstoffversorgung bessert sich spürbar. Das veranlasst Ärzte diese Medikamente auch bei Atemwegsinfektionen einzusetzten - offensichtlich ein therapeutischer Fehler.
Kortikosteroide zum Inhalieren haben sich bei Asthma und COPD bewährt, da sie Entzündungen in den Bronchien hemmen und die Schleimhäute in den Atemwegen abschwellen lassen. COPD-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf, die häufiger akute Verschlechterungsereignisse (Exazerbationen) durchleiden, bekommen zumeist ein Kombimedikament mit Beta-2-Sympathomimetika. Dieser Wirkstoff entspannt die glatten Muskulatur in den Wänden der Bronchien, indem sie in die sympathische Regulation des Vegetativen Nervensystems eingreifen und verstärkt so den Effekt der Kortikosteroide. Kortison-Inhalation bringt vor allem bei Anfällen und Exazerbationen, die akute Atemnot provozieren, rasche Linderung. Diese Therapieerfolge motivieren Ärzte, diese Medikamente auch bei Infektionen der unteren Atemwege einzusetzen, um den Patienten eine ähnlich effektive Erleichterung und Abschwächen der Symptome zu ermöglichen.
Die OSAC-Studie (Oral Steroids for Acute Cough) untersuchte die Effizienz dieser Therapieerweiterung. Dazu wurden in 54 englischen Hausarztpraxen 401 erwachsene Patienten mit einer akuten Infektion der unteren Atemwege (Hals, Rachen, Bronchien) mit Husten und zumindest einem weiteren Symptom (vermehrte Schleimbildung, Brustschmerzen, Keuchen oder Kurzatmigkeit) rekrutiert. Ausgeschlossen waren Patienten, die an einer Lungenentzündung oder anderen sehr schweren Infektionen erkrankt waren, die zwingend eine Behandlung mit Antibiotika erforderten. Ebenfalls ausgeschlossen waren Patienten mit Asthma oder COPD.
Für das Experiment erhielten die Patienten zehn Tabletten mit einem synthetisches Glucocorticoid als Wirkstoff (20 mg Prednisolon) oder zehn Placebo-Tabletten ohne Wirkstoff. Täglich sollten zwei Tabletten eingenommen werden. Derweil führten die Patienten ein Tagebuch, in dem sie ihre Atemwegsbeschwerden auf einer Skala von 0 bis 6 (= maximal Belastung) bewerten. Für die Einschätzung des Therapieerfolgs wurde die Dauer der Belastung durch mittelschweren oder schweren Husten gemessen sowie die Intensität des Hustens am 2. und 4. Tag der Behandlung bestimmt.
Im Vergleich zu den Placebo-Patienten gesundeten die Patienten unter Kortikosteroid-Therapie nicht schneller oder mit milderer Symptomatik. Die Forscher sehen daher keine Veranlassung Patienten, die unter einer Infektion der unteren Atemwege leiden, mit Kortikosteroid-Medikamenten zu therapieren. Man sollte diese Wirkstoffe nur bei Patienten mit Asthma oder COPD einsetzen.
Quellen: Hay, A.D. et al. (2017): Effect of Oral Prednisolone on Symptom Duration and Severity in Nonasthmatic Adults With Acute Lower Respiratory Tract Infection - A Randomized Clinical Trial. Journal of the American Medical Assocciation, JAMA 318 (8): 721 - 730. doi:10.1001/jama.2017.10572.
Erstellt am 24. August 2017
Zuletzt aktualisiert am 24. August 2017
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