Wetter

Schafskälte bringt Spätfröste

von Holger Westermann

An der Ostflanke des Hochdruckgebietes „Yoko“ fließt eiskalte Meeresluft nach Mitteleuropa. Der bis über die Nordsee weit nach Norden ragende Keil des Azorenhochs lenkt die Luft entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum. Die Polarluft wird über die Ostsee bis gegen die Alpen geführt. Damit erreicht heuer (in diesem Jahr) die Schafskälte ganz Mitteleuropa - auch wenn nicht allerorten Frost am Morgen droht.

Durch die aktuelle „antizyklonalen Nordwestlage“ bestimmt hoher Luftdruck (Hochdruckgebiet = Antizyklon) das Wetter in Mitteleuropa. Bei dieser Großwetterlage werden inzwischen alle niederschlagsträchtigen Frontensysteme südwärts in Richtung Alpen abgedrängt. Keine atlantische Störung (Tiefdruckgebiete oder deren Ausläufer) hindert den Polarluft-Zustrom. Pünktlich Mitte Juni stellt sich die Schafskälte ein.

Die deutliche Abkühlung beruht nicht allein auf dem geringen Wärmeinhalt der zugeführten Luftmasse. Zwei weitere Effekte begünstigen die Abkühlung:

  • Abstrahlung der langwelligen, infraroten Strahlung während sternklarer Nächte. Tagsüber erwärmt die Sonnenstrahlung Boden und bodennahe Luftschichten, nachts geht diese Wärme wieder verloren. Sofern Wolken den Nachthimmel bedecken, wird die infrarote Ausstrahlung durch eine atmosphärische Gegenstrahlung gedämpft. Ohne schützende Wolkenschicht wird sukzessive Wärme abgestrahlt. Der maximale Verlust ist am frühen Morgen erreicht; kurz bevor die Morgensonne wieder wärmt.
  • Böden mit guter Wärmeleitfähigkeit können tagsüber viel Wärme aufnehmen und dienen über Nacht als Energiereservoir, das eine allzu starke Abkühlung kompensiert. Schlecht wärmeleitende Böden weisen demgegenüber eine hohe Tag-Nacht-Temperatur-Schwankungen auf. So leiten mineralische Böden (Ton, Lehm) die Wärme besser als organische, stark humushaltige Böden (Moor, Torf); feuchte Böden leiten besser als trockene; außerdem sind feste, unverarbeitete Böden bessere Wärmeleiter als bearbeitete, lockere Böden.

So entscheidet neben der Kaltluftzufuhr auch Sonneneinstrahlung und die Wolkenbedeckung während der Nacht sowie die Bodenbeschaffenheit darüber, wo die Schafskälte besonders intensiv zu spüren ist. Hier können sich auch im Frühsommer noch meteorologische Kältelöcher mit Spätfrösten bilden. So kühlte sich die Luft am Frühmorgen des 15.06.2015 in Quickborn (nördlich von Hamburg) über dem torfhaltigen Erdboden auf -1,6°C ab.

Quellen:

Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Schafskälte und Spätfröste. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 16.06.2015

Erstellt am 16. Juni 2015
Zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2015

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