Nitrate im Blut verbessern die Sauerstoffsättigung

Rote Beete stärkt Menschen mit Raucherhusten

von Holger Westermann

Als 1929 der herzensgute aber leicht reizbare Seemann Popeye erstmals gezeichnet wurde, galten noch zwei Gewissheiten: Echte Männer rauchen und Spinat macht stark. Heutzutage ist die Menschheit klüger und weiß, dass wahre Männlichkeit auch ohne Tabakkonsum möglich ist und dass Rote-Beete-Saft die Kondition verbessert. Davon profitieren insbesondere COPD-Patienten, deren körperliche Leistungsfähigkeit deutlich und nachhaltig wächst.

Nitrate (NO3) werden im Körper zu Nitriten (NO2) abgebaut und dabei wird Sauerstoff frei. Dieser zusätzliche Sauerstoff muss nicht über die Atmung aufgenommen werden, sondern gelangt über die Nahrung ins Blut. Zwar kann Nitrit den roten Blutfarbstoff Hämoglobin in das inaktive Methämoglobin umwandeln und so den Sauerstofftransport behindern, doch bei Erwachsenen wird diese Änderung durch Enzyme zuverlässig revidiert. Nur bei Säuglingen besteht bei zu hoher Nitrat-Konzentration in der Nahrung das Risiko einer irreversiblen Anreicherung von Methämoglobin im Blut, die potentiell lebensbedrohliche Blausucht (Cyanose) hervorrufen kann. Kleinkinder sollten daher keine allzu nitratreiche Nahrung erhalten.

Doch COPD-Patienten, die unter chronischer Konditionsschwäche leiden, profitieren offensichtlich von einer nitrathaltigen Diät, darauf weisen zwei aktuelle placebokontrollierte Studien mit Rote-Beete-Saft hin. Beide Studien stützen sich auf nur wenige Patienten (11 und 15), die Verbesserungen der körperlichen Leistungsfähigkeit war aber durchweg bemerkenswert. Nach einem Eingangstest zur Bestimmung der vorhandenen Grundfitness erhielten die Patienten bei einem Folgetermin eine Woche später entweder nitrathaltigen Rote-Beete-Saft (100 ml) oder Pflaumensaft mit vergleichbarem Zuckergehalt aber ohne nennenswerten Nitratgehalt. Beim Untersuchungstermin in der darauffolgenden Woche wurden die Saftausgabe getauscht, so dass jeder Patient einmal Rote-Beete und einmal Pflaume erhielt. Tatsächlich stieg der Nitrat- und Nitrittspiegel nur im Blut der Rote-Beete-Patienten an und parallel dazu verbesserte sich auch deren Ausdauerleistung:

  • Mit Rote-Beete-Saft erreichten die Patienten im Incremental Shuttle Walk Test (ISWT, führt Patienten in 10 Minuten an ihre Leistungsgrenze) durchschnittlich 25 Meter; mit nitratarmen Pflaumensaft waren lediglich 11 Meter möglich.
  • Rote Beete-Saft erhöht Nitrat- (+938%) und Nitrittspiegel (+379%) deutlich. Auf einem Fahrradergometer steigt parallel dazu die Leitstungsfähigkeit der COPD-Patienten von 375 auf 632 Sekunden während mit Placebo nur eine Steigerung von 346 auf 494 Sekunden möglich war, gemessen als Ausdauerzeit bei 75% Belatungsgrenze.

In beiden kleinen Studien erhöhte Rote-Beete-Saft die Ausdauerleistung der COPD-Patienten spürbar. Die Verbesserung der Sauerstoffsättigung des Blutes über die Nahrung scheint möglich, der positive Effekt auf die Leistungsfähigkeit der Patienten ist deutlich messbar. Zudem senkt das ebenfalls vermehrt auftretende Stickstoffmonoxid (NO) den Blutdruck, diastolischer Wert um 6,4 mmHg und systolischer Wert um 8,2 mmHg (im Vergleich zu Placebo). Ein hilfreicher Zusatznutzen, der Gesundheit und Lebensqualität verbessert. Notwendig sind nun Studien mit größeren Patientenkollektiven und einer differenzierten Betrachtung nach Geschlecht, Alter, Erkrankungsdauer und Schweregrad der COPD, um die nitathaltige Diät als nachhaltig wirksame Therapieunterstützung zu etablieren. Das tägliche Glas Rote-Beete-Saft lässt sich prächtig in den Tagesablauf integrieren – besser als so manches Trainingsprogramm, das derzeit den COPD-Patieten zur Verbesserung der Ausdauerleistung empfohlen wird. Und man kann erst das eine einnehmen um dadurch am zweiten mehr Spaß zu haben.

Quellen:

Kerley, C.P. et al. (2015): Dietary nitrate supplementation in COPD: an acute, double-blind, randomized, placebo-controlled, crossover trial. Nitric Oxide: Biology and Chemistry 44: 105 – 111. doi: 10.1016/j.niox.2014.12.010

Berry, M.J. et al. (2014)
: Dietary nitrate supplementation improves exercise performance and decreases blood pressure in COPD patients. Nitric Oxide: Biology and Chemistry, online veröffentlicht am 27.10. 2014. pii: S1089-8603(14)00465-0. doi: 10.1016/j.niox.2014.10.007.

Bailey, S.J. et al. (2009): Dietary nitrate supplementation reduces the O2 cost of low-intensity exercise and enhances tolerance to high-intensity exercise in humans. Journal of Applied Physiology, online veröffentlicht am 06.08. 2009. doi: 10.1152/japplphysiol.00722.2009.

Erstellt am 23. März 2015
Zuletzt aktualisiert am 23. März 2015

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